Coronavirus

So wirkt sich die Coronakrise auf Lüftungs- und Klimatechnik-Anbieter aus

Wie sieht die Auftragslage österreichischer und deutscher HLK-Betriebe derzeit aus? Ist Kurzarbeit ein Thema oder laufen Produktion und Auslieferung weiter? Und mit welchen Umsatzeinbußen muss gerechnet werden? HLK hat Unternehmen und Verbände befragt.

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Derzeit sehen österreichische und deutsche Fachverbände die Lage noch entspannt. Zukünftig könnte es aber vor allem zu Lieferschwierigkeiten kommen.

Ganz Österreich wurde zurück in den Winterschlaf versetzt und muss nun mit geschlossenen Geschäften und Ausgangssperren verharren. Für Techniker und Installateure bedeutet das: Mögliche Umsatzverluste und erschwerte Bedingungen bei laufenden Aufträgen. Wie geht die HLK-Branche damit um? 

Aufträge werden weiterhin abgewickelt

In Österreich ist die Lage derzeit noch entspannt, meint Franz Seyfried, Vizepräsident des Österreichischen Kälte- und Klimatechnischen Vereins: „Wartungen und Instandhaltungen müssen trotz der schwierigen Umstände getätigt werden, was unserer Branche zugutekommt.“ Die rund 360 Mitglieder des ÖKKV arbeiten zwar nicht mehr voll, dennoch können die Betriebe rund 70 Prozent der Aufträge nach wie vor abwickeln. „Die Unternehmen halten sich dabei streng an die Sicherheitsmaßnahmen und tragen selbstverständlich Masken und Handschuhe. Teilweise verlassen die Kunden sogar das Haus, sodass die Kollegen ohne jeglichen Kontakt ihre Arbeit ausführen können“, so Seyfried. 

Müssten die Techniker ihre Arbeit plötzlich einstellen, wäre das für die Kunden verheerend. In den vergangenen Wochen gab es nachts mehrfach Minusgrade, auf die Heiztechnik ist man deshalb angewiesen. „Natürlich mussten trotzdem einige große Projekte verschoben werden, aber das heißt nicht, dass sie ganz aufgehoben sind. Den Privatkunden würde ich aber empfehlen, auch jetzt Projekte umzusetzen, denn sonst kommen nach der Krise alle Aufträge auf einmal an und das schafft die Branche personell nicht“, rät der ÖKKV-Vizepräsident im Gespräch mit HLK. Müssen nach der Coronakrise viele Projekte gleichzeitig gestemmt werden, bedeutet das für Techniker und Installateure meist Überstunden. „Die Projekte müssen dann verstärkt mit Überstunden umgesetzt werden und Überstunden sind teuer. Das wird sich auch in den Umsätzen zeigen.“ Seyfried zeigt sich aber optimistisch und glaubt, dass sich die Auftragslage im zweiten Halbjahr wieder normalisiert und sich damit auch Einbußen im Herbst glattbügeln lassen. „Das Gute ist, dass wir nicht auf den tagesgenauen Umsatz angewiesen sind, wie es zum Beispiel in der Gastronomie der Fall ist. Wir machen derzeit ein gutes Geschäft.“

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Kontaktlose Übergabe im Großhandel

Auch im Großhandel hat man sich an die Gegebenheiten angepasst, die kontaktlose Übergabe ist zum neuen Standard geworden. „Derzeit wird die Ware auf der Straße oder am Parkplatz übergeben. Die Monteure warten draußen, bis das Material abgestellt wurde und laden es dann ins Fahrzeug – alles kontaktlos“, zeigt sich Seyfried begeistert. Derzeit sind die Lager noch gut gefüllt, der Großhandel ist auf Lieferschwierigkeiten vorbereitet – und die werden kommen. Zwar läuft der Güterverkehr nach wie vor und auch die Grenzen von und nach Italien dürfen passiert werden, jedoch liegen in Italien nahezu alle Produktionsstätten lahm. Für manche Unternehmen könnte das noch schwierig werden, ist Günther Merz, Geschäftsführer des deutschen Fachverbands Gebäude-Klima (FGK) überzeugt: „Die Gerätehersteller, die Produkte aus Italien beziehen, werden wahrscheinlich auf Dauer Probleme bekommen. Die Wirtschaft in Italien liegt blank.“ In Zeiten einer Pandemie kristallisiert sich die Globalisierung zunehmend als Herausforderung heraus, denn auch Lieferungen aus China und den USA oder dort ansässige Produktionsstätten können derzeit Probleme machen. „Einige unserer Mitglieder, die global tätig sind, haben in China derzeit ihre Probleme“, weiß Merz.  

Wenig Sorge in Deutschland

Ähnlich wie sein österreichischer Kollege sieht Günther Merz die Situation aber noch entspannt. „Bei den meisten unserer Mitglieder läuft das Geschäft normal weiter. Manche Firmen haben ihre Produktion umgestellt und sich auf die Herstellung von Masken spezialisiert“, sagt er gegenüber HLK. In einigen wenigen Betrieben müsse man zwar auf Kurzarbeit zurückgreifen, großteils können die Unternehmen aber normal weiterarbeiten. Auch Lieferschwierigkeiten sind dem FGK-Geschäftsführer derzeit nicht bekannt. Trotz der recht stabilen Lage ist sich Merz sicher, dass Umsatzverluste auf die HLK-Betriebe zukommen werden. Genauer dazu äußern wolle er sich dazu aber nicht, denn „das wäre Kaffeesatzleserei.“ 

Die deutschen HLK-Betriebe wissen mit der Digitalisierung umzugehen. In vielen Unternehmen ist der Außendienst weiterhin tätig – allerdings per Videoberatung. „Das ersetzt zwar nicht den klassischen Außendienst, ist derzeit aber gutes Mittel zum Zweck“, meint Merz. Auch er weiß, dass sich die Unternehmen aus der Branche in einer glücklichen Lage befinden: „Unsere Technik muss einfach weiterlaufen, Krankenhäuser und Privatpersonen sind auf uns angewiesen. Die Klima- und Lüftungstechnik wird gebraucht, deshalb denke ich, dass wir auch noch längerfristig weiterarbeiten können.“

Daikin passt sich an

Während die Gesamtsituation in der HLK-Branche noch entspannt sein mag, herrscht in den Unternehmen selbst dennoch Anspannung: Organisatorisch ist die Coronakrise für jeden Betrieb eine nie dagewesene Herausforderung. Die Vorkehrungen fürs Homeoffice müssen getroffen werden und der Arbeitgeber muss sich Gedanken um Realisierbarkeit von Aufträgen machen. Bei Installationen gilt es Sicherheitsmaßnahmen wie das Tragen von Masken und Handschuhen sowie den Mindestabstand von einem Meter einzuhalten – das ist nicht immer realistisch, dennoch zeigen sich die Unternehmen hier einsichtig: „Auch wenn die derzeitigen Schließungen von vielen Geschäften nicht für Installateure gelten, haben wir dennoch unseren Außendienst dazu aufgerufen den Kundenkontakt auf ein Minimum zu reduzieren. Unsere Servicetechniker sind auf Standby und nehmen Einsätze vor Ort bei Bedarf und nach Rücksprache wahr“, so Claus Albel, Vertriebsleiter bei Daikin Austria und weiter: „Wir treffen alle nötigen und möglichen Vorkehrungen, um der Verbreitung von COVID-19 entgegen zu wirken. Trotzdem wollen wir unsere Tätigkeiten so gut es geht am Laufen halten. So sichern wir Arbeitsplätze und stellen die Versorgung unserer Kunden sicher.“ Daikin hat mit Ende März das Geschäftsjahr 2019 abgeschlossen, einen Einfluss der Coronakrise erwarte man hier nicht mehr. Auf das neue Geschäftsjahr könnte die Krise aber spürbare Auswirkungen haben: „Um für das neue Geschäftsjahr 2020 eine Prognose abzugeben, ist es noch zu früh, wir rechnen dennoch mit einer herausfordernden Marktsituation in der ersten Jahreshälfte“, so Albel.

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