Analyse von KFP zeigt massive Preisunterschiede : Fernwärmetarife variieren von 437 bis 1.602 Euro/ Jahr
Mehr als 900 Tarife hat Kreuzer Fischer & Partner ausgewertet - die Preisunterschiede der Fern- und Nahwärme-Endkundentarife in Österreich sind sehr hoch.
- © HLK/ E. HerrmannSeit Ende 2023 gibt es bei der Fernwärme in Österreich eine Transparenzdatenbank zu Preisen und Vertragskonditionen. Wärmeversorger mit mehr als 20 Endverbrauchern sind gesetzlich verpflichtet, ihre aktuellen Tarifkonditionen monatlich bekanntzugeben. Die Ergebnisse können unter www.waermepreise.at abgerufen werden. Gehostet wird die Website vom Bundesministerium Wirtschaft, Energie und Tourismus.
Für den Preisvergleich hat das Beraternetzwerk Kreuzer Fischer & Partner (KFP) mehr als 900 Endkundentarife für Fern- und Nahwärme ausgewertet. Berechnet wurden die standardisierten Jahreskosten für eine Wohneinheit mit 75 m² Nutzfläche sowie 8 kW Verrechnungsanschlusswert, inklusive 20 % Umsatzsteuer. Zudem wurde zwischen Bestandstarifen und Tarifen für Neukundenanschlüsse unterschieden. Bei Bestandstarifen wurden alle aktiven Tarifmodelle berücksichtigt, bei Tarifen für Neuanschlüsse nur jene, die für Neuanschlüsse offen sind.
Enorme Preisunterschiede bei Tarifen
Bei den Fernwärme-Bestandstarifen sind die Preisunterschiede in Österreich sehr heftig. Im Burgenland beziehen einige Bestandskunden Fernwärme bereits um 437 Euro im Jahr (1.160 im teuersten Tarif), in Wien zahlen andere für die gleiche Leistung 945 Euro (bzw. 1.602 Euro im teuersten Tarif)!
Bei Fernwärme-Neuanschlüssen ist die Differenz zwischen den Höchst- und Tiefstpreisen geringer, jedoch nur weil das mittlere Preisniveau höher ist. Den preiswertesten Tarif gibt es in Kärnten (mit Jahreskosten von 588 Euro), am teuersten ist abermals Wien mit 1.602 Euro.
Nimmt man es genau, ist die Preisspanne in beiden Fällen noch deutlich breiter, zahlen doch die Kunden der FWG-Fernwärmeversorgung Türnitz (NÖ) lediglich 210 Euro im Jahr. Da es sich dabei aber um einen wahren „Diskontpreis“ handelt, wurde dieser Tarif aus dem Vergleich von KFP ausgeschlossen.
Die massiven Preisunterschiede sind insofern von enormer Bedeutung, da anders als bei Strom oder Gaslieferungen ein Wechsel des Anbieters nicht möglich ist. Der Bezug ist an das vor Ort verfügbare Fernwärmenetz gebunden, das in der Regel im Besitz des Wärmelieferanten ist. Eine Verpflichtung, konkurrenzierende Wärmeanbieter das Leitungsnetz nutzen zu lassen, gibt es nicht. Fern- und Nahwärme ist daher ein Markt vieler mehr oder weniger großer territorialer Monopole. Insbesondere wenn – wie etwa im Wiener Neubau – der Anschluss an ein Fernwärmenetz behördlich vorgeschrieben werden kann, wird das für Verbraucher mitunter zu einer langen, teuren Angelegenheit.
Schon 2022 kamen die Kunden (m/w/d) in Wien ins Stöhnen – die 92 %-Teuerung bei Fernwärme sorgte für heftigen Wirbel. Fernwärmkunden (m/w/d) in der Bundeshauptstadt sind nach wie vor arm dran: Von allen Bundesländern hat Wien das mit Abstand höchste Preisniveau, sowohl bei Bestandverträgen, als auch bei Neuanschlüssen.
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Widerspruch: Verzerrte Darstellung
Der Fachverband Gas Wärme (FGW) widerspricht in einer Aussendung entschieden der Darstellung der österreichischen Fernwärmebranche durch Beraterfirma Kreutzer Fischer & Partner. Die Aufstellung sei fehler- und lückenhaft und es entstehe insgesamt ein verzerrtes Bild der Branche, so der FGW.
Die Aussendung beruft sich auf die öffentliche Transparenz-Plattform www.waermepreise.at des Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus. Obwohl auf dieser Plattform die Tarifdaten sämtlicher österreichischer Betreiber von Nah- und Fernwärmenetzen aufgelistet werden, zeige bereits eine einfache Stichprobe, dass in der Aufstellung Tarife von vielen österreichischen Wärmeversorgern fehlen. Zudem werden unterschiedliche Systeme in einen Topf geworfen – Kleinstanlagen, die nur für ein Gebäude produzieren und große Verbundnetze mit zigtausenden Haushalten. Von der unterschiedlichen Erzeugungsart der Wärme ganz abgesehen. Das führt zu einer verzerrten Darstellung, erklärt der Fachverband Gas Wärme in seiner Aussendung.