Spatenstich von RAG Austria und Andritz in OÖ : Österreichs größte Anlage zur Erzeugung von grünem Wasserstoff
Spatenstich zum Ausbau der H2-Produktion im „RAG Valley“ in Gampern/OÖ (v. l.): Sami Pelkonen (EVP, Green Hydrogen Andritz), Dietmar Heinisser (Executive Board Member, Environment and Energy Andritz), Joachim Schönbeck (CEO Andritz), Bürgermeister Jürgen Lachinger (Gemeinde Gampern), Vizebürgermeisterin und LAbg. Manuela Gschwandtner (Gemeinde Gampern), Markus Mitteregger (CEO RAG Austria), Robert Dick (CFO RAG Austria), Stephan Bauer (Green Gas Technologies RAG Austria).
- © RAG Austria AG/ Karin Lohberger PhotographyMit dem Spatenstich für die freifinanzierte zusätzliche 12,5 MW Wasser-Elektrolyse setzt die RAG Austria AG (das größte Energiespeicherunternehmen Österreichs) den nächsten Ausbauschritt des „RAG Valley“ im oberösterreichischen Gampern. Hier wird erneuerbare Energie aus dem Sommerin Form von grünem Wasserstoff speicherbar gemacht, um ihn damit auch in Zeiten geringer erneuerbarer Stromerzeugung (vor allem im Winter) zur Strom-/ Wärmeproduktion zu nutzen. Damit kann auch fossiles Erdgas ersetzt werden. Bei dem nun erfolgenden Skalierungsschritt setzt die RAG Austria mit der Andritz AG auf einen starken heimischen Industriepartner im österreichischen Anlagenbau.
Starke heimische Partnerschaft für mehr grünen Wasserstoff
Die Anlage, deren Inbetriebnahme für Ende 2026 geplant ist, wird jährlich rund 17 Millionen m³ (mehr als 1.500 Tonnen) grünen Wasserstoff produzieren, wobei Sonnenstrom als primäre erneuerbare Energiequelle genutzt wird. Nach der geplanten Inbetriebnahme Ende 2026 wird sie die größte Anlage für die Produktion von grünem Wasserstoff in Österreich sein (ab Ende 2027 wandert der „Titel“ der größten Anlage Österreich nach Bruck a. d. Leitha/ NÖ).
Andritz wird die Anlage liefern und die Verantwortung für die Projektdurchführung und Inbetriebnahme übernehmen. Der Lieferumfang umfasst auf EPC-Basis (Engineering, Procurement, Construction) die komplette Anlage zur Erzeugung von grünem Wasserstoff sowie Systeme zur Wasserstoffreinigung und -kompression.
Das Projekt stärkt die Position von Andritz als führender EPC-Partner für Anlagen zur Erzeugung von grünem Wasserstoff und unterstützt die strategische Ausrichtung des Unternehmens auf Technologien, die den ökologischen Wandel ermöglichen.
Mehrere heimische Energieversorgungsunternehmen (EVN AG, Energie AG, KELAG, LINZ AG, Salzburg AG) haben bereits Elektrolyse-Kapazitäten gebucht.
Winter 2025/26: Versorgungslücke mit heimischem Strom
Der kalte Winter 2025/26 mit hohem Strom- und Wärmebedarf hat deutliche Spuren hinterlassen. Die erneuerbare Stromproduktion blieb im Jänner und Februar 2026 über mehrere Wochen hinweg auf niedrigem Niveau (kaum Sonne, wenig Windkraft, eingeschränkte Wasserkraft) - der Strom kam auch aus der "Gasdose". Dies zeigt deutlich, Erneuerbare allein gewährleisten keine Versorgungssicherheit.
Der hohe Strombedarf im Winter, auch verursacht durch zusätzliche Wärmepumpen, konnte nur durch regelbare Erdgas-Kraftwerke und Stromimporte aus den benachbarten Kern-, Kohle- und Gaskraftwerken sichergestellt werden (wie man hier nachlesen kann).
Damit rückt eine zentrale Frage der Energiepolitik wieder ins öffentliche Bewusstsein: Wie kann die Energieversorgung in Phasen geringer erneuerbarer Erzeugung sichergestellt werden?
„100 Prozent erneuerbarer Strom in der Jahresbilanz sichern keine einzige Winterwoche. Dieser Winter hat gezeigt, wer das System tatsächlich aufrechterhält: unsere großvolumigen Gasspeicher, in denen das Gas bereits ein Jahr zuvor eingespeichert wurde und die regelbaren, flexiblen Gaskraftwerke. Durch die frühzeitige Einlagerung waren unsere Speicher auch unabhängig von geopolitischen Gegebenheiten. Mit „Winter“ ist auch in Zukunft zu rechnen, dafür müssen wir gewappnet sein. Ein resilientes Energiesystem muss Versorgung zu jeder Zeit leisten können“, betont RAG CEO Markus Mitteregger.
Kurzfristige Speicher wie Batterien oder Pumpspeicher leisten zwar einen wichtigen Beitrag, sind aber auf einen Stunden- oder Tagesausgleich ausgelegt. Mehrwöchige Erzeugungsdefizite können sie nicht ausgleichen.
Auch für Winterversorgung – saisonale Speicher Voraussetzung der Energiewende
Die Transformation des Energiesystems ist erforderlich, gesellschaftlich gewollt und politisch beschlossen. Industriebetriebe sollen verstärkt auf CO2-reduzierte und idealerweise im Land erzeugte Lösungen wie grünen Wasserstoff umsteigen. Die zunehmende Elektrifizierung der Raumwärme (und der Mobilität) erhöht jedoch den Strombedarf gerade in den kalten Wintermonaten massiv, während genau da die Verfügbarkeit grüner Energie wie Sonne, Wind und Wasser deutlich eingeschränkt ist. Auch die aktuelle Speicherstudie der Bundesregierung zeigt den Handlungsbedarf: Sie weist einen saisonalen Speicherbedarf von rund 1,2 TWh im Jahr 2030 und rund 7 TWh im Jahr 2040 aus. Die Speicherprojekte dafür sind identifiziert. Zur Umsetzung sind nun dringend Investitionen in Elektrolyse- und Wasserstoff-Speicherprojekte erforderlich. Nur mit ausreichenden Speichermöglichkeiten kann erneuerbare Energie auch dann genutzt werden, wenn Sonne und Wind keinen Strom liefern.
„Wir wollen Österreich das ganze Jahr über mit günstiger erneuerbarer Energie aus dem eigenen Land versorgen. Genau hier setzt Wasserstoff an: Elektrolyseure machen aus heimischem Sonnenstrom einen speicherbaren Energieträger und deshalb begrüße ich das Projekt in Gampern ausdrücklich. Damit wird Sommersonne im Winter verfügbar, heimische Wertschöpfung gestärkt und Österreich unabhängiger von Energieimporten. Solche Projekte sind ein wichtiger Baustein für Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und einen realistischen Wasserstoffhochlauf in Österreich“, so Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer.
Das RAG Valley Gampern
Im RAG Valley im oberösterreichischen Gampern zeigt die RAG Austria, wie eine Lösung zur ganzjährigen, unterbrechungsfreien Versorgung mit erneuerbarer Energie praktisch umgesetzt werden kann. Hier wird die gesamte Wertschöpfungskette abgebildet: Solarsommerstrom wird produziert, mittels Wasser-Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt, im unterirdischen „Underground Sun Storage“ gespeichert, in Hochdruckwasserstoffpipelines transportiert und diese Energie in einem regelbaren Blockheizkraftwerk der Innio Group genutzt oder mangels öffentlicher Wasserstoffpipelines vorerst dem Erdgasnetz beigemischt. Alle Bestandteile sind skalierbar und bieten die Lösung für eine 100% grüne, versorgungssichere und jahresdurchgängige Energiebereitstellung.
„Wir konnten im RAG Valley Gampern bereits im Winter 2025/26 die Sommersonne vom letzten Jahr verwenden, indem wir sie in Wasserstoff umgewandelt haben, um die sichere grüne Energieversorgung im Winter zu demonstrieren. Nun gehen wir den nächsten Schritt mit starken österreichischen Partnern“, erläutert Stephan Bauer – Leiter Green Gas Technology bei RAG Austria.
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