Geplante EU-Vorgabe bei Firmenflotten und Mietwagen : EU-Zwang zur E-Auto-Flotte ist der falsche Weg

Jürgen Roth, Vorstandsvorsitzender der eFuel Alliance Österreich

KR Mag. Jürgen Roth, Vorstandsvorsitzender der eFuel Alliance Österreich, zur geplanten E-Auto-Pflicht für Firmenflotten der EU-Kommission: „Europas Wirtschaft braucht jetzt eine Entfesselung und keine weitere Knebelung. Warum lernen wir nicht wenigstens aus unseren Fehlern?“

- © Kurt Keinrath

Die EU-Kommission plant, Firmenflotten – also Dienst- und Mietwagen – ab dem Jahr 2030 ausschließlich mit Elektroantrieb zuzulassen. Eine Zwangsbevormundung, wie man sie eigentlich nur bei diktatorischen Systemen vermuten würde. Den Handwerkern, Wirtschaftstreibenden, Unternehmen soll ab 2030 in Europa vorgeschrieben werden, was sie noch kaufen dürfen. Unter dem Deckmantel des Klimaschutzes werden seitens der EU in Brüssel andere grüne Alternativen bzw. Lösungen konsequent ignoriert, würden Freiheiten einfach über Bord geworfen, der Wirtschaft einmal mehr hohe Kosten und bürokratischer Mehraufwand aufgebrummt. 
Jürgen Roth, Unternehmer und Präsident der eFuel Alliance Österreich, zeigt sich von der Diskussion enttäuscht: „Die EU-Kommission sollte frühere Fehler nicht durch neue Vorschriften verschlimmern, sondern sie korrigieren. Statt Märkte offen zu halten und Wettbewerb zwischen Technologien zu ermöglichen, wird auf Zwang gesetzt – und das unter dem Deckmantel des Klimaschutzes.“
Dabei widerspricht die Idee eines gesetzlichen E-Auto-Zwangs der Behauptung, dass sich die Industrie längst selbst in Richtung Elektromobilität bewegt habe. Roth: „Wenn das tatsächlich der Fall wäre, bräuchte es keine Regulierung, die Unternehmen zu bestimmten Fahrzeugtypen verpflichtet.“

Kritikpunkte: Praxisfremd, Verteuerungen, Technologieverbot, Bürokratie

Ein staatlich verordnetes Technologieverbot sei nicht nur ökonomisch fragwürdig, sondern auch klimapolitisch kurzsichtig. „Autos, die nicht nachgefragt werden, per Gesetz auf den Markt zu zwingen, hat schon bei anderen Projekten nicht funktioniert. Das schwächt den Standort Europa und führt zu Frust bei Unternehmen und Verbrauchern. Wir begrüßen die klare Positionierung des Wirtschaftsministers Wolfgang Hattmannsdorfer gegen die neuen Reglementierungsvorschläge, die der Autoindustrie und ihren Zulieferern weiteren Schaden zufügen würden,“ so Jürgen Roth.
Ein weiterer Kritikpunkt: Die CO2-Emissionen werden weiterhin nur am Auspuff berücksichtigt. Das greift zu kurz. Jürgen Roth warnt: „Die Konzentration auf rein batterieelektrische Antriebe ignoriert die Potenziale anderer klimaneutraler Technologien, insbesondere synthetischer Kraftstoffe. Diese Elektrokraftstoffe könnten viele Millionen bestehender Fahrzeuge sofort klimafreundlicher machen – ohne Zwang und ohne hohe Umstellungskosten.
Außerdem ignoriert die EU-Kommission oder weiß es offenbar nicht, dass es in der Praxisbereits jetzt grüne Treibstoff-Alternativen in ganz Europa zu tanken gibt: HVO 100 ist ein synthetischer, grüner, fossilfreier Kraftstoff, mit dem die CO2-Emissionen von Diesel-Fahrzeugen um bis zu 90 % gesenkt werden können. Einige Unternehmen, auch im HLK-Bereich, setzten in ihrem Fuhrpark bereits HVO 100 ein.
Von der HLK mit den Plänen der EU konfrontiert, gibt Unternehmer Michael Muammar von der im Kälte-Klimatechnik-Bereich tätigen Thermotrading VertriebsgmbH noch weitere praxisrelevante Punkte zu bedenken: „Ich bin generell kein Freund von Zwangsvorschriften. Die von der EU-Kommission geplante Elektro-Auto-Pflicht für Firmenflotten halte ich für Schwachsinn und praxisfremd. Denn nicht jedes Unternehmen hat einen eigenen Parkplatz mit Ladesäule. In der Praxis eines Servicetechnikers mit voll beladenem E-Fahrzeug wird es schwierig oder unmöglich, das Tagespensum zu erfüllen. Abgesehen davon müsste man die Ladestopp-Zeit dann mitunter auch in die Servicezeit einrechnen – das würde die Arbeiten für die Kunden verteuern.“
Darüber hinaus droht der Wirtschaft durch die EU-Kommission eine neue Bürokratiewelle für alle gewerblichen Fuhrparks, argumentiert man seitens der eFuel Alliance Österreich. Ähnlich wie bei der Lieferkettenrichtlinie oder dem Nachhaltigkeitsberichterstattungsregime müssten Firmen aufwendig dokumentieren, welche Fahrzeuge sie kaufen dürfen. Das führe zu Rechtsunsicherheit, Verwaltungsaufwand und zusätzlichen Kosten und Zurückhaltung beim Neuwagenkauf – ohne Mehrwert für das Klima.
Statt neue Vorschriften zu erlassen, sollte die EU-Kommission technologieoffene Rahmenbedingungen schaffen, die Innovationen in allen Bereichen ermöglichen – bei Antrieben, Kraftstoffen und Infrastruktur, wünscht sich nicht nur die eFuel Alliance Österreich. „Europas Wirtschaft braucht jetzt eine Entfesselung und keine weitere Knebelung. Warum lernen wir nicht wenigstens aus unseren Fehlern“, kritisiert Jürgen Roth. Er fordert ein Umdenken in Brüssel: „Die Kommission täte gut daran, den Vorschlag zur E-Auto-Pflicht für Firmenflotten zurückzuziehen, bevor er ins Rechtssetzungsverfahren geht. Die Wirtschaft wartet längst darauf, dass die Politik die selbst geschaffenen regulatorischen Barrieren beseitigt und alle Wege des Klimaschutzes freigibt“.

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