Creditreform Firmen-Insolvenzstatistik : Rückläufige Nachfrage + sinkende Margen = Insolvenzanstieg

altes Ausgabenbuch

Weil die Ausgaben und Einnahmen im Missverhältnis stehen, wird es bei vielen Unternehmen prekär, wie die Firmen-Insolvenzstatistik von Creditreform leider zeigt.

- © HLK/ E. Herrmann

Der Gläubigerschutzverband Creditreform hat die endgültigen Zahlen bei den Firmeninsolvenzen für das 1. bis 3. Quartal 2024 in Österreich analysiert und am . Die Gesamtzahl der Unternehmensinsolvenzen steigt (im Vergleich zum Vorjahreszeitraum) um rund 23 % auf rund 5.000 Verfahren an. Das Vor-Pandemie-Niveau ist damit übertroffen. Die Zahl der eröffneten Insolvenzen erhöht sich um 24 % auf über 3.000 Fälle; die mangels Vermögen abgewiesenen Insolvenzen um 21 % auf 1.900 Verfahren.
Und die Insolvenzwelle rollt weiter durchs Land. Über die Leiner & kika Möbelhandels GmbH wurde neuerlich ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet; mit Motorrad-Hersteller KTM der Industriegruppe von Stefan Pierer schlittert ein Kernunternehmen der österreichischen Industrie in Insolvenz-Turbulenzen, die mitunter auch Zulieferer wirtschaftlich schaden könnte. Damit ist das Insolvenz-Geschehen auch bei der bisher standhaften Industrie angekommen.

Gründe für Zunahme bei Insolvenzen

Dazu Gerhard M. Weinhofer, Geschäftsführer des Gläubigerschutzverbandes Österreichischer Verband Creditreform: „Österreich steuert auf eine neues Rekordjahr an Firmeninsolvenzen zu. Grund ist ein toxischer Mix aus rückläufigen Exporten, einbrechendem Binnenkonsum und hohen Kosten. Hohe Lohnstückkosten, hohe Material- und Energiekosten zusammen mit einer ausufernden Regulatorik machen es immer mehr Unternehmen schwer in Österreich erfolgreich zu sein.“
Die Hauptursachen für Firmeninsolvenzen liegen in der sich rezessionsbedingten schlechten Wirtschaftslage und im Kapitalmangel infolge der Teuerung. Hohe Preise treffen auf rückläufige Nachfrage und auf sinkende Margen. 
Sehr viele Verbände und Vereinigungen – von der IV, über WKO, Gewerbe & Handwerk, FGW, AK – fordern von der Politik schnelle Entlastungen für den Standort in Form von Bürokratieabbau, weniger Steuern auf Arbeit und Energie schaffen soll bzw. muss (HLK berichtet hier darüber).

Bundesländer- und Branchen-Vergleich

Den stärksten Zuwachs verzeichnen das Burgenland (+60 %), Vorarlberg (+54 %) und Salzburg (+31 %). Die höchste Insolvenz-Betroffenheit herrscht in der Bundeshauptstadt mit fast 22 Insolvenzen pro 1.000 Unternehmen, die - traditionell - geringste in Vorarlberg mit 8 von 1.000 Unternehmen. Österreichweit müssen mehr als 13 von 1.000 Unternehmen einen Insolvenzantrag stellen.
Absolut betrachtet werden die meisten Insolvenzen im Handel (889), im Bauwesen (836) in den unternehmensbezogenen Dienstleistungen (779) gemeldet.
Am stärksten steigen die Insolvenzen im Kredit- und Versicherungswesen (+51 %) und vor allem in den Job-intensiven Branchen Sachgütererzeugung/Industrie (+42 %) und Bauwesen (+35 %) verzeichnen Zuwachsraten unter dem österreichweiten Durchschnitt.
Die größte relative Insolvenzbetroffenheit herrscht im Transportwesen mit mehr als 37 von 1.000 Branchenunternehmen.

Conclusio + Ausblick: Wirtschaftsstandort unter Druck

Österreich befindet sich in einer Rezession, der Wirtschaftsstandort ist massiv unter Druck geraten. 2024 wird daher erstmals seit 16 Jahren wieder die Marke von 7.000 Insolvenzen erreicht werden, prognostiziert man bei Creditreform. Das gab es zuletzt am Höhepunkt der Finanzkrise 2009. Externe Faktoren liegen vor allem in der schwachen Wirtschaft Deutschlands, welche negative Auswirkungen auf die heimischen Zulieferer hat. Interne Faktoren sind die stark gestiegenen Lohnstückkosten infolge der Gehaltsabschlüsse der beiden letzten Jahre, hohe Energiekosten und sinkender Binnenkonsum infolge der Verunsicherung durch die multiplen Krisen. Mehr denn je wäre eine vernünftige, entlastende und entbürokratisierende Standortpolitik gefragt.

News aus der Branche wöchentlich und kostenlos in Ihr E-Mail-Postfach - abonnieren Sie unseren HLK-Newsletter
Hier geht’s zur Anmeldung!