Klimaziele 2040

Gasheizungs-Verbot: Offener Brief an Bundeskanzler und Co.

Heizungsbranche und Gaswirtschaft sprechen sich in dem Schreiben gegen ein Technologieverbot aus. Für den CO2‐ Ausstoß sei schließlich nicht das Heizsystem, sondern der eingesetzte Brennstoff entscheidend.

Aufgeheizte Stimmung: Heizungsbranche und Gaswirtschaft stemmen sich gegen das Verbot von Gasheizungen ab 2040 und plädieren für die Förderung von Grünem Gas.

Bis 2040 sollen mit Gas betriebene Heizsysteme der Vergangenheit angehören, wie kürzlich von Bund und Ländern beschlossen wurde. Führende Unternehmen der Heizungsbranche und Gaswirtschaft richten sich nun in einem offenen Brief an den Bundeskanzler und die Landeshauptleute. Sie warnen vor Technologieverboten, denn für den CO2‐Ausstoß sei nicht die Heiztechnologie entscheidend, sondern die eingesetzte Energie. „Die Politik thematisiert derzeit Verbote bestimmter Technologien wie zum Beispiel der Gasheizung. Aber gerade solche Verbote sind teuer, innovationshemmend und schlichtweg der falsche Weg. Die Klimaziele im Gebäudesektor lassen sich nicht durch Verbote, sondern nur durch den intelligenten Einsatz unterschiedlicher Heizsysteme und erneuerbare Energieträger erreichen“, sagt Michael Mock, Geschäftsführer des Fachverbands Gas Wärme.  

Ansatz der Politik sei Bremse für neue Lösungen

Der offene Brief sei nicht zuletzt ein Bekenntnis zum Ziel der Klimaneutralität Österreichs bis 2040, unterzeichnet von führenden Unternehmen und Organisationen der Heizungsbranche und Gaswirtschaft. Elisabeth Berger, die Geschäftsführerin der Vereinigung Österreichischer Kessellieferanten, sagt: „Es ist Aufgabe der Politik, Rahmenbedingungen und Ziele zu definieren, wie die CO2‐Neutralität im Raumwärmemarkt bis 2040. Diese Klimaziele tragen wir auch mit. Es ist jedoch kontraproduktiv, heute festzulegen, mit welcher Technologie dieses Ziel erreicht werden soll. Dieser planwirtschaftliche Ansatz ist innovationshemmend und wirkt somit als Bremse für neue Lösungen.“

Klimaneutral mit grünem Brennstoff

Jeder vierte österreichische Haushalt heizt mit Gas. Gasheizungen könnten aber schon heute genauso effizient mit Grünem Gas betrieben werden, also mit Biogas oder grünem Wasserstoff – was fehlt, seien die Rahmenbedingungen zur Förderung von Grünem Gas. Mit dem Umstieg von fossilem auf Grünes Gas müsste demnach nicht das gesamte Heizsystem getauscht werden, da bestehende Gasendgeräte mit Grünem Gas weiterverwendet werden könnten. Laut den Interessenvertretern sei diese Umstellung auf Grünes Gas sowohl leist- als auch machbar und stelle einen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele dar. Der erzwungene Umstieg auf eine neue Heizform hätte hingegen enorme finanzielle Belastungen für Bürgerinnen und Bürger zur Folge: Es würde gravierende Eigentumseingriffe und eine Vernichtung von Volksvermögen im zweistelligen Milliarden‐Euro‐Bereich bedeuten. Mag. Michael Mock, Geschäftsführer des Fachverbands: „Dagegen ist der Ausbau von Grünem Gas ein zukunftsweisendes Belebungsprogramm für die Wirtschaft. Davon können alle Menschen in Österreich und gleichzeitig unser Klima profitieren."

White Paper zum Thema

Auszug aus dem offenen Brief "Innovation und Technologievielfalt statt Heizungsverbote":

"Technologieoffenheit bei Heizungen und Warmwasserversorgung ermöglicht ...

  • ... die Vielfalt der Lösungen zur Erreichung der Klimaneutralität im Bereich der Raumwärme intel­ligent einzusetzen und damit einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele zu leisten.

Wir unterstützen den Klimaschutz und befürworten die Reduktion der klimaschädlichen Emissionen. Dabei ist es wichtig, dass an erster Stelle die Reduktion des Energieeinsatzes steht, der Rest kann nur mit einer Vielfalt an erneuerbaren Energien gedeckt werden. Durch den Einsatz verschiedener Tech­nologien kann die nötige Versorgungs­- und Krisensicherheit auch im Winter gewährleistet werden.

  • ... Innovationen und neue technologische Entwicklungen.

Es ist Aufgabe der Politik, Rahmenbedingungen und Ziele zu definieren, wie die CO2­-Neutralität im Raumwärmemarkt bis 2040. Dieses Klimaziel befürworten wir und tragen wir mit. Es ist jedoch kontra­produktiv, heute rechtlich festzulegen, mit welcher Technologie ein solches Ziel erreicht werden soll. Verbote hemmen Innovation und wirtschaftliche Entwicklung – dies gilt für alle verfügbaren und noch zu entwickelnden Technologien ( z.B. Brennstoffzellen, Hybridgeräte, ...).

  • ... den Schutz des Eigentums der Bürgerinnen und Bürger.

Effiziente Heizsysteme müssen nicht vorzeitig stillgelegt oder getauscht werden. Bei Umstieg auf ein Heizgerät der neuesten Generation können aber erhebliche Einsparungseffekte erzielt werden. Der finanzielle und bauliche Aufwand beim Umstieg auf eine andere Aggregatsform eines Energieträgers ist deutlich höher als der Wechsel von einem fossilen auf einen erneuerbaren Energieträger (z.B. von Erdgas zu Grünem Gas).

  • ... Nutzung vorhandener Infrastruktur.

Österreich verfügt über eine flächendeckende Gasinfrastruktur, mit einem Verteilnetz von 44.500 km Länge und Speicher mit einem Fassungsvermögen von ca. 8 Mrd. m3 (das entspricht etwa dem aktu­ ellen österreichischen Jahresbedarf an Gas). Diese können selbstverständlich auch zum Transport und für Speicherung von Grünem Gas (Biomethan, synthetisches Gas und Wasserstoff ) eingesetzt werden und damit einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten.

  • ... optimale technische und wirtschaftliche Lösungen.

Gebäude sind so vielfältig wie ihre Bewohnerinnen und Bewohner. Sie unterscheiden sich nach Lage, Alter, Nutzung, Sanierungsgrad, persönlichen Vorlieben. Dieser Vielfalt wird nur eine Vielfalt von Tech­nologien in unterschiedlichsten Kombinationen gerecht.

  • ... soziale Ungleichheit und Energie­Armut zu verhindern.

Ein warmes Zuhause ist ein Grundbedürfnis. Rund eine Million Haushalte in Österreich werden mit Gasheizungen versorgt. Viele davon können bereits mit Grünem Gas oder e­fuels betrieben werden – ohne hohe zusätzliche Investitionskosten zu verursachen.

  • ... tausende vorhandene Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen.

Die Heizungsindustrie und das Fachhandwerk beschäftigen rd. 63.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbei­ter. Gemeinsam mit Rauchfangkehrerinnen und Rauchfangkehrern sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Energiewirtschaft und des Energiehandels sorgen sie für den kompetenten Einbau und sicheren Betrieb der vielfältigen Heizungsanlagen.

Wir, die unterzeichnenden Unternehmen und Organisationen, appellieren an Sie, sehr geehrter Herr Bun­deskanzler und verehrte Landeshauptleute,

  • für Technologie-­Offenheit, Innovationskraft und gegen Verbote einzelner Heizungssysteme in Österreich und der EU einzutreten,
  • sich in Österreich und der EU für faire & kompetitive Rahmenbedingungen beim Einsatz und in der Entwicklung aller erneuerbaren Energieträger einzusetzen, und

  • sich in Österreich und der EU für eine gesamthafte Betrachtung der CO2­-Emissionen der unter­ schiedlichen Energieträger auszusprechen.

Die Herausforderung der Klimaziele lässt sich nur durch eine möglichst große Vielfalt an Technologien bei gleichzeitig möglichst geringem Energiebedarf und dem Einsatz vielfältiger erneuerbarer Energien bewältigen."

(Auszug aus dem offenen Brief "Innovation und Technologievielfalt statt Heizungsverbote")