Hanffaser

Ein Haus aus Hanf

Hanf als Baustoff ist wärmedämmend, feuersicher und umweltschonend. Damit könnte die Hanffaser als Dämmmaterial oder Ziegel wesentlich zur CO2-Reduktion im Gebäudesektor beitragen.

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Hanf als Baustoff könnte sich positiv auf die Energiewende im Gebäudesektor auswirken.

Der hohe Bekanntheitsgrad des ökologischen Multitalents Hanf liegt wohl eher an seinem Ruf als Rauschmittel, als an seinem Potenzial für die Baubranche – ein Fehler, denn Hanf könnte wesentlich zur CO2-Reduktion im Gebäudesektor beitragen. 

Natürliche Wärme- und Feuchtigkeitsregulierung

Die Hanffaser ist vielseitig und kann für Bodenplatten, Ziegel oder Dämmwolle verwendet werden. Damit aus dem Hanf ein Baustoff wird, wird er zu sogenanntem Hanfbeton verarbeitet. Dabei handelt es sich nicht um Beton im eigentlichen Sinne, sondern um ein Gemisch aus Hanf-Schäben, Kalkstein und Wasser. Danach kann der Hanfbeton in Formen gegossen und somit als Ziegel oder Bodenplatte verwendet werden – mit Leichtigkeit, denn der Baustoff wiegt nur ein Sechstel des Gewichts herkömmlichen Betons. Gleichzeitig ist das Material feuersicher und ein hervorragender Wärmespeicher. Während die Wärmeleitfähigkeit eines herkömmlichen Ziegels bei rund 0,5 liegt, punktet der Hanfziegel mit einem Wert von 0,07. 

Neben der Wärmeleitfähigkeit spricht auch das Feuchtigkeitsverhalten für den Naturstoff Hanf. Als Dämmstoff absorbiert Hanf das Wasser aus der Luft und reguliert so die Luftfeuchtigkeit im Innenraum. Diese Eigenschaft wirkt sich positiv auf die Bewohner und negativ auf Schimmel aus. Schimmelbildung kommt in Gebäuden mit Hanfdämmung sehr selten vor. Die Öko-Dämmung ist zwar mit höheren Investitionskosten verbunden, rentiert sich dafür aber durch die hohe Energieeinsparung von rund 70 Prozent.

In der Anwendung verhalten sich Hanfziegel nicht anders als normale Ziegel. Sie können mit herkömmlichem Mörtel verarbeitet werden, sodass für den Bauträger kein zusätzlicher Aufwand anfällt. Mike Mészáros, Geschäftsführer des Vorarlberger Hanf-Vertriebs Hanftopia, setzt beim Baustoff der Zukunft auf Hanf: „Ein klarer Vorteil von Hanf ist die Nachhaltigkeit des Rohstoffes. Das zieht sich vom Anbau bis ins Recycling.“ Beim Wachstum nimmt die Hanfpflanze Pestizide aus dem Boden auf und entgiftet ihn damit. Der Hanf wirkt somit als eine Art Filter für stark beanspruchte Böden. Dieser Nutzhanf eignet sich nicht mehr für die Weiterverarbeitung als Lebensmittel, weshalb er als Naturbaustoff genutzt werden kann. „Muss ein Gebäude abgerissen werden, entsteht normalerweise sehr viel Sondermüll. Da es sich bei Hanfbeton aber um einen Naturstoff handelt, kann dieser problemlos entsorgt oder auch recycelt werden“, erklärt Mészáros im Gespräch mit HLK. Für Unternehmen entfallen damit die Sondermüllkosten. Durch das geringe Gewicht der Hanfziegel kann das Material auch besonders unkompliziert transportiert werden. Einen weiteren Vorteil hebt der Hanf-Experte noch hervor: „Insekten mögen den Geruch der Hanfpflanze nicht. Dadurch sind Hanfbaumaterialien insektenresistent.“ Auch Nagetiere meiden Hanf und nisten sich damit nicht in Wänden aus Hanfziegeln ein. 

In Europa wird derzeit stark an der Entwicklung von Nutzhanf gearbeitet. Es werden besonders faserige Sorten gezüchtet, die vor allem für die Textil- und Bauindustrie geeignet sind. Rund 97 Prozent der Pflanze können für verschiedene Industriebereiche genutzt werden. Und: In kurzer Zeit viel Rohstoff zu erzeugen ist kein Problem. Eine Hanfplantage kann nach rund drei Wochen abgeerntet werden. Neben Ziegeln können aus den Fasern auch Dämmplatten, Stopfwolle, Vlies und Kalfaterband hergestellt werden. 

Naturbaustoff in der Praxis

Eins der wenigen Hanfbau-Projekte in Österreich ist die Volksschule im oberösterreichischen Pabneukirchen. Dort wurden 20 Zentimeter dicke Hanfplatten des Baustoffproduzenten Capatect als Dämmmaterial verwendet. „Wir sind auf der Suche nach einer natürlichen Alternative zur erdölbasierten EPS-Dämmung auf die Hanffaser-Dämmung gestoßen. Hanf ist das Dämmmaterial mit dem kleinsten ökologischen Fußabdruck und deshalb war ich von dieser Idee sofort begeistert", so Johann Buchberger, Bürgermeister von Pabneukirchen, zu HLK. Etwa 1.920 Quadratmeter Fassade des 40 Jahre alten Gebäudes wurden gedämmt. Der Dämmstoff Hanf wird im Weinviertel vollkommen chemiefrei angebaut und hat damit einen sehr kurzen Transportweg. „Umweltfreundlicher geht’s nicht mehr“, so Buchberger.

In die Sanierung der Schule wurde intelligent investiert. Durch Einsparungen an der Raumaufteilung und kostengünstigeren Alternativen bei der Inneneinrichtung hat die Gemeinde es geschafft, die geplanten Ausgaben von 6,2 Millionen Euro auf 4,8 Millionen Euro zu reduzieren. Die Sanierung wurde bereits seit zwölf Jahren geplant und 2015 endlich vom Land Oberösterreich genehmigt und finanziert. Die Gemeinde kann sich dank guter Wärmedämmung und effizientem Heizsystem nun über eine Ersparnis von jährlich 16.000 Euro an Heizkosten erfreuen. 

CO2-Reduktion durch Hanfbeton

Hanfbaustoffe sind sogenannte Kohlenstoff-negative Materialien. Beim Wachstum des Rohstoffs wurde also mehr CO2 aus der Atmosphäre aufgenommen, als in Anwendung und Herstellung freigesetzt werden. Durch die Verwendung von Hanf als Baustoff wird also aktiv CO2 eingespart. Laut dem Hanfbeton-Hersteller Tradical sind bei einem Einfamilienhaus aus Hanfbeton CO2-Einsparungen von rund 30 Tonnen möglich. 

Da Hanf sehr anpassungsfähig ist und gut wächst solange das Klima nicht zu trocken ist, kann er Nahe des Verwendungsorts angebaut werden. Der Energieaufwand für den Transport des Materials wird dadurch reduziert. Auch das geringe Gewicht von Hanfbeton verringert den Energieaufwand. Für die Herstellung von Hanfbeton werden keine hohen Temperaturen benötigt, wodurch zusätzlich Energie eingespart wird. Die meisten Unternehmen setzen dennoch auf herkömmliche Dämm- und Baustoffe. Für die Energiewende im Gebäudesektor könnte Hanf aber eine große Unterstützung sein.  


 

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