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Atomkraft oder Erneuerbare? – Eine große Studie will die Antwort haben

Nach 25 Jahren Forschung will ein Forscherteam die Antwort haben auf die Frage: Welche Energieform reduziert CO2-Emissionen am besten? Die Beweislage sei klar – doch es gibt auch Kritik an der neuen Studie.

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Ein Vierteljahrhundert haben die Forscher in ihre Studie investiert – und wollen nun am Ende damit die Frage beantworten, ob Atomenergie oder Erneuerbare Energie besser im Kampf gegen Treibhausemissionen ist.

Kürzlich erschien die Studie der britischen University of Sussex in der begutachteten Fachzeitschrift Nature Energy. Sie kommt zu dem Schluss, dass nukleare Energie – wenngleich oft und gerne als beste Alternative zu fossilen Brennstoffen dargestellt – nicht der beste Weg ist, um Strom ohne Treibhausgase zu produzieren. Sich völlig auf Erneuerbare wie Windenergie und Solarenergie zu konzentrieren, das empfehlen die Forscher hingegen.

Analysiert wurden für die Studie 123 Länder über 25 Jahre hinweg. Den Beobachtungen zufolge hat die Einführung von Atomenergie in keinem Fall zu einer deutlichen Reduktion von Emissionen geführt, die Einführung von Erneuerbaren hingegen schon. In manchen Fällen habe Atomkraft sogar zu höheren Emissionen geführt. Die Mischung beider Energieformen wäre ebenfalls nicht empfehlenswert.

„Klare Beweislage“

Jedoch endet die Studie mit dem Jahr 2014 – neueste Errungenschaft in beiden Feldern wurden daher nicht mehr miteinbezogen. Die Studienautoren betonen auch, dass sie eher Korrelationen denn Grund und Ursache feststellen konnten – doch dass weitere Beobachtungen sich lohnen würden. „Die Beweislage deutet ganz klar darauf hin, dass Atomenergie die weniger effektive der beiden breit angelegten Strategien für die Reduktion von CO2-Ausstoß ist“, sagt Benjamin Sovacool, Professor an der University of Sussex, zu Medien. Er hinterfragt die Sinnhaftigkeit, Investments in nukleare Energie gegenüber Erneuerbaren zu priorisieren.

Viele Experten und auch Studien der jüngeren Vergangenheit sprechen sich für einen Mix der beiden Energieformen aus oder betonen, Atomkraft sei momentan die beste Chance auf saubere Energie. Das sehen die Autoren der aktuellen Studie nicht so.

„Diese Studie enthüllt, wie irrational es ist, sich für Investitionen in Nuklearenergie auszusprechen, weil man ‚alles tun‘ müsse“, sagt Andrew Stirling, Forscher an der University of Sussex. „Unsere Resultate zeigen  nicht nur, dass nukleare Investitionen auf der ganzen Welt eher weniger effektiv sind als Investitionen in Erneuerbare, sondern auch, dass Wechselwirkungen zwischen den beiden Strategien die Effektivität weiter untergraben können.“

Die Forscher wenden sich auch an die Atombranche und bitten um detaillierte Berichte, um die Vorteile der Energieform besser beurteilen zu können.