Biomasse-Verband und Fachverband Gas Wärme

Zusammenarbeit für die Dekarbonisierung Österreichs

Aus ehemaligen „Streithähnen“ wurden Kooperationspartner – der Fachverband Gas Wärme (FGW) und der Österreichische Biomasse-Verband (ÖBV) vereinbarten, dass sie in Zukunft verstärkt zusammenarbeiten. Warum und wie die beiden Verbände die Dekarbonisierung der Gas- und Wärmeversorgung in Österreich beschleunigen wollen, lesen Sie hier.

Biomasse Gas- und Wärmeversorger FGW ÖBV Kooperation

Kooperieren für die CO2-freie Zukunft der Gas- und Wärmeversorgung Österreichs (v. l.): Mag. Michael Mock, GF des FGW; Ök.-Rat Franz Titschenbacher, Präsident des ÖBV und Präs. der Landwirtschaftskammer Stmk.; DI Peter Weinelt, Obmann des FGW und Generaldir.-Stv. der Wiener Stadtwerke GmbH; DI Christoph Pfemeter, GF des ÖBV.

Um die Gas- und Wärmeversorgung in Zukunft ohne fossile Energieträger sicherstellen zu können, soll die vorhandene Gas-Infrastruktur künftig verstärkt auch für erneuerbares Gas verwendet werden. Dieses „grüne Gas“ könnte zukünftig auch aus Holz gewonnen werden. Dafür bedarf es aber auch vermehrter Anreize für den Betrieb von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, aber auch einer verstärkten Kooperation. Aus diesem Grund verkündeten der Fachverband Gas Wärme und der Österreichische Biomasse-Verband bei einer Pressekonferenz am 11. Juli 2018 am Kraftwerksgelände in Wien-Simmering, dass sie in Zukunft verstärkt zusammenarbeiten werden. Aus ehemaligen „Streithähnen“, die in der Vergangenheit bei der Energieträger-Frage bzw. der Emissionsdebatte mehrmals aneinander gerieten, wurden somit Kooperationspartner, denen es um die Zukunft der Gas- und Wärmeversorgung geht.
„Die Dekarbonisierung unseres Energiesystems ist eine Mammutaufgabe, die wir nur gemeinsam lösen können. Daher wollen der Biomasse-Verband und der Fachverband Gas Wärme künftig zusammenarbeiten, um grünem Gas in Österreich zum Durchbruch zu verhelfen“, sagen DI Peter Weinelt, Obmann des Fachverbands Gas Wärme und Ök.-Rat Franz Titschenbacher, Präsident des Österreichischen Biomasse-Verbands. Basis für die neue Zusammenarbeit der beiden Verbände ist die akkordierte Suche nach Synergien und das gemeinsame Verständnis von Rohstoffpotenzialen, technischen Voraussetzungen und sich daraus ergebenden Anwendungen.

Bioenergie als Basis der Energiewende

Peter Weinelt, der auch stellvertretender Generaldirektor der Wiener Stadtwerke ist, sieht „in der Aufbereitung von Biomasse zu erneuerbarem Gas einen wichtigen Zukunftsmarkt für land- und forstwirtschaftliche Rest- und Nebenprodukte“. Das Erdgasnetz bietet die Infrastruktur, um Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK), Heizwerke, aber auch Gasheizungen und Industrieanlagen oder gasbetriebene Fahrzeuge verstärkt mit erneuerbarem Gas zu versorgen. Die Zukunftstechnologie Power-To-Gas bietet zudem langfristig weitere Potenziale für grünes Gas.
Für Franz Titschenbacher, Präsident der Landwirtschaftskammer Steiermark, ist „Bioenergie bereits heute der bedeutendste erneuerbare Energieträger und weist noch beträchtliches zusätzliches Potenzial auf“. Aktuell sei man aufgrund ungenutzter Potenziale noch weit davon entfernt an Wachstumsgrenzen zu stoßen, im Gegenteil: „Effizienzsteigerungen im Gebäudebereich und der Anlagentechnik werden trotz einer steigenden Anzahl an Biomasseheizungen Potenziale freimachen.“

Rahmenbedingungen schaffen und Warnung

Weinelt sieht die beschlossene Klima- und Energiestrategie der österreichischen Bundesregierung grundsätzlich positiv, sagt aber, dass das „Ausnützen der Potenziale für grünes Gas maßgeblich von den gesetzlichen Rahmenbedingungen abhängt“. Durch den Erhalt der bestehenden Anlagen und die direkte Nutzung der Gas- und Fernwärme-Infrastruktur könnten erhebliche Kosten zur Umstellung des Energiesystems gespart werden. Daher erwartet er sich nicht nur die strategisch wichtige Erweiterung zu Anwendungen im „Einzelfeuerungs-, Fern- und Nahwärme- sowie dem Mobilitätsbereich“, sondern auch „eine Änderung der Gesetzgebung zu Biomasse- und Erdgas-KWK-Anlagen, damit bestehende Produktionsanlagen nicht aus dem Markt fallen“. Denn das könnte in Österreich sehr bald der Fall sein, wenn nichts geschehe, warnen Weinelt und Titschenbacher unisono, wie die weitere HLK-Meldung zeigt.