5 Fragen an...

Wie verändern Smart Meter die österreichische Energiewirtschaft?

Das Rollout hat längst begonnen, bereits 2022 sollen alle österreichischen Haushalte mit Smart Metern ausgestattet sein. Bisher verläuft der Stromzähler-Austausch aber noch holprig. Wie viele Geräte installiert sind und was Smart Meter bewirken, klärt E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch im neuen HLK-Video.

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Analoge Stromzähler werden in den österreichischen Haushalten nun durch Smart Meter ersetzt. Das müssen Sie über die digitalen Zähler wissen.

Der Austausch analoger Ferraris-Stromzähler durch sogenannte Smart Meter ist in vollem Gange. Bis Ende 2020 sollen 80 Prozent der privaten Haushalte in Österreich mit den intelligenten Stromzählern ausgestattet werden. Im Burgenland agieren die Netzbetreiber dabei besonders schnell, dort sind bereits über 70 Prozent der Haushalte mit den neuen Zählern ausgestattet. Während der Zähler-Austausch in vollem Gange ist, ist das Wissen rund um die intelligenten Stromzähler noch gering. HLK klärt deshalb nun die wichtigsten Fragen. 

Was sind Smart Meter?

Smart Meter sind digitale Stromzähler, die den Energieverbrauch messen und dem Verbraucher die gesammelte Daten anzeigen. Außerdem besteht eine Kommunikation zwischen Smart Meter und Netzbetreiber, sodass dieser – insofern der Endkunde seine Einwilligung gegeben hat – jederzeit den Stromverbrauch des Kunden ablesen kann. Dadurch kann der Netzbetreiber den täglichen, monatlichen oder jährlichen Verbrauch des Kunden mittels Fernablesung feststellen.

Die moderne Messeinrichtung wird zwar verpflichtend installiert, jedoch werden die Daten nur alle 15 Minuten weitergeleitet, wenn der Kunde dies auch ausdrücklich erlaubt. Im Endeffekt haben Kunden drei Möglichkeiten: Standardmäßig wird der Smart Meter so eingerichtet, dass er die Stromverbrauchsdaten einmal am Tag an den Netzbetreiber weiterleitet. Stimmt der Kunde zu, können die Daten auch alle 15 Minuten abgelesen werden. Will der Kunde dem Netzbetreiber gar keinen Zugriff auf das Gerät ermöglichen, gibt es eine Opt-out-Funktion, die keine Daten weiterleitet und diese auch nicht speichert. Dass ein Smart Meter auch trotz gewählter Opt-out-Funktion installiert wird, liegt einerseits an den Vorgaben der EU, hat aber auch Kostengründe. Müssten die Netzbetreiber nach wie vor Ferraris-Zähler, gleichzeitig aber die neuen Smart Meter verwenden, wäre das nicht nur aufwändig, sondern auch teuer.

Warum werden die neuen Stromzähler installiert?

Mit dem Smart Meter lässt sich der individuelle Stromverbrauch noch besser verfolgen, da die Stromverbrauchsdaten alle 15 Minuten abgelesen werden können. Der intelligente Stromzähler sorgt für besser steuerbare und effiziente Netze und unterstützt damit die sichere Energieversorgung. Bisher basieren die Daten des Energiesystems meist noch auf Schätzungen. Sind diese ungenau, tragen die Kunden die Kosten der Fehlschätzungen.

https://youtu.be/cXNbL5wzWXA In der neuen Folge von "5 Fragen an..." erklärt E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch warum das Smart Meter-Rollout wichtig ist. 

Was hat der Endverbraucher davon? 

Der ganz klar größte Vorteil der Smart Meter ist der erhöhte Komfort für den Verbraucher. Durch die Fernablese müssen Kunden bei der Stromablese nicht mehr vor Ort sein, da der Netztreiber ganz einfach aus der Entfernung auf die Daten zugreifen kann. Außerdem kann der tatsächliche Verbrauch schneller vom Netztreiber berücksichtigt und dadurch eine mögliche Tarifänderung schneller vorgenommen werden. Bisher erhielt der Verbraucher nur einmal im Jahr über die Jahresabrechnung einen Einblick in seinen Stromverbrauch. Mit einem Smart Meter kann der Verbrauch wesentlich öfter abgelesen und angepasst werden. Auch vermeintliche Stromfresser werden so schneller identifiziert. 

Wie sicher sind digitale Stromzähler?

Mit der Einführung der Smart Meter-Pflicht kommen auch Sorgen um den Datenschutz auf. Wolfgang Urbantschitsch gibt hier aber Entwarnung: „Smart Meter sind nach dem Stand der Technik zertifiziert. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Kommunikation zwischen Verbraucher und Versorger gelegt. Hier gibt es eine sogenannte End-to-End-Verschlüsselung, das ist besonders wichtig, um einen sicheren Betrieb zu gewährleisten.“ Die technischen Anforderungen an die digitalen Stromzähler sind hoch und müssen stets upgedatet werden, damit die Sicherheit auch langfristig garantiert werden kann.

Ein 86-seitiger Anforderungskatalog, den Österreichs Energie gemeinsam mit 14 österreichischen Netzbetreibern und dem European Network for Cyber Security erstellt hat, gibt außerdem vor, welche Sicherheitsanforderungen Smart Meter zu erfüllen haben. Darin sind unter anderem die Vorgaben zur Datenverschlüsselung, lokalen Sicherung und Vertraulichkeit aufgelistet.

Wie viele Smart Meter sind in Österreich installiert?

Insgesamt steht das Smart Meter-Rollout noch am Beginn. Laut Wolfgang Urbantschitsch müssen rund sechs Millionen intelligente Zähler installiert werden, bisher wurden rund eine Million Ferraris-Zähler durch digitale Geräte ersetzt. „Das entspricht rund 20 Prozent der österreichischen Zähler. Bis 2022 sollen alle österreichischen Haushalte auf Smart Meter umgestellt werden“, so Urbantschitsch im HLK-Videointerview.

Werden Smart Meter auch in anderen Ländern so großflächig installiert?

Die EU gibt vor, dass bis Ende 2020 mindestens 80 Prozent aller Kundenanlagen über Smart Meter verfügen müssen. In Ländern wie Italien, Schweden und den Niederlanden wurde die Einführung der Smart Meter bereits beschlossen und die Stromzähler weitestgehend installiert. Länger Zeit gelassen hat man sich mit dem Austausch in Deutschland, hier bekam der Pflichteinbau erst vor kurzem grünes Licht – jedoch nicht zur Gänze. Erst ab einem Verbrauch von mehr als 6.000 Kilowattstunden im Jahr muss in deutschen Haushalten ein Smart Meter eingebaut werden. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt verbraucht im Jahr etwa 3.500 Kilowattstunden Strom. 

Was kosten die Smart Meter? 

Auf rund 1,7 Milliarde Euro werden die Kosten für die österreichweite Umstellung auf Smart Meter geschätzt. Laut E-Control sollen diese Mehrkosten aber nicht zwingend auf die Konsumenten abgewälzt werden, da die Umstellung zu Kostenreduktionen für die Stromnetzbetreiber führen soll und diese damit entlastet werden.

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