Klimaanlagen-Abwärme-Nutzung

Wie aus Kälte umweltfreundliche Wärme wird

Der heimische Energieversorger Wien Energie nahm eine Energierecycling-Anlage bei der UNO City in Betrieb – die Klimaschutz-Kooperation ermöglicht CO2-freie Fernwärme für rund 2.400 Wiener Haushalte.

Heizungstechnik Klima- und Kältetechnik Wien Energie Abwärmenutzung

Wien Energie versorgt rund zwei Millionen Menschen und 230.000 Gewerbe- und Industrieanlagen mit Energie. Dabei stehen Versorgungssicherheit und Klimaschutz im Zentrum. Das veranschaulicht auch die im Februar 2021 offiziell in Betrieb genommene Energierecycling-Anlage bei der UNO-City in Wien. Das neue Kooperationsprojekt von Wien Energie und dem Vienna International Center (UNO City) zeigt, wie die Wärmewende in der Stadt gelingen kann: Hier wird aus Kälte umweltfreundliche Wärme. 

Klimaanlage für 5.000 Personen

Leistungsstarke Kältemaschinen sorgen in der UNO City dafür, dass die 5.000 Mitarbeiter*innen aus mehr als 120 Ländern einen kühlen Kopf bewahren. Die Wärme, die bei diesem Kühlprozess entsteht, wurde bisher ungenutzt in die Umgebungsluft abgegeben. Mit der neuen Energierecycling-Anlage kann Wien Energie diese Abwärme nun wiederverwenden. Sie wird ins Fernwärmenetz eingespeist und heizt ab sofort klimaneutral rund 2.400 Haushalten in der Umgebung. „Umweltfreundliche Wärmeversorgung ist ein entscheidender Hebel, um die Klimaziele zu erreichen. Wien ist mit der Fernwärme schon heute gut aufgestellt, in Zukunft müssen wir aber noch mehr erneuerbare Quellen und vorhandene Abwärme nutzen. Das Energierecycling in der UNO City ist ein Vorzeigebeispiel, wie wir in Wien durch innovative Projekte und branchenübergreifende Zusammenarbeit Klimaschutz vorantreiben. So wird Wien zur Klimamusterstadt!“, betont Peter Hanke, Stadtrat für Finanzen, Wirtschaft, Arbeit, Internationales und Wiener Stadtwerke bei einem Lokalaugenschein anlässlich der Inbetriebnahme. „Die UNO City-Klimaanlagen heizen jetzt den Wienerinnen und Wienern ein! Was paradox klingt, ist ein Schlüssel für die Energiewende in der Stadt: Wir nutzen Energie, die bereits vorhanden ist und verwenden sie weiter. Mit diesem Energiekreislauf hier in der UNO City sparen wir jedes Jahr über 3.400 Tonnen CO2 ein und machen die Fernwärme in Wien noch klimafreundlicher“", erklärt Michael Strebl, Geschäftsführer von Wien Energie.

Energierecycling mit internationalem Charakter

Die tausenden Büros in der Wiener UNO City, die exterritoriales Gebiet ist, werden seit 1979 durch Kältemaschinen kühl gehalten. Das ist gerade bei großen Gebäudekomplexen wie jenen des Vienna International Centers (UNO City) effizient. Für die Verwaltung, Instandhaltung sowie für die Energie- und Medienversorgung der 325.000 m²-Fläche in den insgesamt acht Gebäuden des Vienna International Centre ist die IAKW-AG (Internationales Amtssitz- und Konferenzzentrum Wien, Aktiengesellschaft) verantwortlich, die außerdem mit dem Austria Center Vienna Österreichs größtes Kongresszentrum betreibt. „Innerhalb der letzten Jahre konnten durch Modernisierungen bereits deutliche Energieeinsparungen umgesetzt werden. Die Kooperation mit Wien Energie ist eine echte Win-Win-Situation, da sich durch die innovative Wärmepumpen-Anlage auch unser Energiebedarf im Kühlbetrieb spürbar verringern wird“, so Michael Rotter, Vorstand für Gebäude- und Liegenschaftsverwaltung des Austria Center Vienna. „Wir freuen uns sehr, dass wir als Österreichs erstes Green Conference Center damit einen wichtigen Beitrag im Bereich Energieeffizienz für die Stadt Wien leisten können“, sagt Susanne Baumann-Söllner, Sprecherin des Vorstands der IAKW-AG. 

© Wien Energie/Christian Hofer

Wien Energie nahm die innovative Energierecycling-Anlage bei UNO City in Betrieb – die Klimaschutz-Kooperation ermöglicht CO2-freie Fernwärme für 2.400 Haushalte.

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Weitergenutzte Abwärme

Bei der Kühlung der Gebäude entsteht Abwärme in Form von warmem Kühlwasser. Bisher wurde dieses über einen Kühlturm auf eine niedrigere Temperatur gekühlt und wieder rückgeführt – die Wärme wurde lange Zeit an die Umgebungsluft abgegeben. Wien Energie nutzt nun diese Energie, um Fernwärme zu produzieren. Anstatt das Kühlwasser in den Kühlturm zu leiten, fließt es nun durch drei Wärmepumpen, von der jede maximal 1.400 kW Leistung erbringen kann. Diese nehmen die Wärme des Kühlwassers von ca. 32° C auf und wandeln diese in Fernwärme mit rund 85° C um. Die Fernwärme fließt dann ins Fernwärmenetz und das abgekühlte Kühlwasser zurück in die Kältemaschinen. 18.000 MWh Fernwärme können so jedes Jahr erzeugt werden. 

Die Wärmepumpen-Anlage 

Die drei HeatPAC-HPX-Wärmepumpen von Sabroe/Johnson Controls sind kompakte Aggregate, die auf Kolbenverdichtern basieren und mittels Frequenzumrichtern gesteuert werden. Sie wiegen weniger und benötigen weniger Platz als herkömmliche Wärmepumpen, um Warmwasser mit einer Temperatur von bis 90° C bereit zu stellen. Diese energieeffizienten Aggregate sind mit einem außergewöhnlichen HPX-Hybrid-Verdichter ausgestattet, der Differenzdrücke bis zu 40 bar sowie Enddrücke bis zu 60 bar erzielt. Kombiniert wird dies mit der platzsparenden Verdampfer-Technologie der ChillPAC-Ammoniak-Kaltwassersätze. 

© Wien Energie/Christian Hofer

Von links: Wiens Stadtrat Peter Hanke, Michael Rotter (Vorstand Austria Center Vienna) und Michael Strebl (Wien Energie GF) freuen sich über die neue Wärmepumpen-Anlage zum Energierecycling.

Wärmewende als Klimaschutz-Faktor

Wien Energie versorgt mehr als 410.000 Haushalte und 7.200 Großkunden mit Fernwärme. Neben klassischen Erzeugungsanlagen wie der Müllverbrennung oder den Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, setzt Wien Energie auf immer mehr unterschiedliche erneuerbare Quellen: Neben dem Energierecycling bei der UNO City wird etwa die Abwärme der Manner-Schnittenproduktion in Wien-Hernals genutzt. Auch bei der Therme Wien kommen ab 2022 Wärmepumpen zum Einsatz, um fast 2.000 Haushalte in der Umgebung künftig mit Restwärme aus dem Badewasser zu versorgen. Neben der Abwärme-Nutzung aus der Industrie oder mittels Großwärmepumpen wird die Nutzung von Geothermie für die Dekarbonisierung der Wärme in Wien eine wesentliche Rolle spielen. Ziel ist es, die Fernwärme in Zukunft vollständig aus grünen Wärmequellen zu speisen.