Fernkälte

Stadt Wien investiert in umweltfreundliche Kühlung

Die Hitzeperioden nehmen weiterhin zu, was vor allem in der Hauptstadt spürbar ist. Bis 2024 wird deshalb umfassend in umweltfreundliche Kühlsysteme investiert.

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Die Stadt Wien investiert nun in umweltfreundliche Kühlung.

Diese Woche bringt die erste Hitzewelle des Jahres im Osten Österreichs. Immer mehr Hitzetage über 30 Grad lassen den Bedarf nach umweltfreundlicher, platzsparender Gebäude-Klimatisierung stark steigen. Der Energieversorger Wien Energie investiert bis zum Jahr 2024 insgesamt 65 Millionen Euro in umweltfreundliche Kühlung. So ist etwa am Stubenring eine zusätzliche Fernkältezentrale geplant.

"Durch den Klimawandel haben wir heute schon deutlich mehr Hitzetage in Wien als noch vor wenigen Jahren", so Ulli Sima, Stadträtin für Umwelt und Wiener Stadtwerke. "Neben cooling-off-Maßnahmen gegen innerstädtische Hitzeinseln ist deshalb die umweltfreundliche Klimatisierung ein Gebot der Stunde. Seit 2007 setzt Wien Energie auf Fernkälte. Durch die Nutzung von Abwärme zum Antrieb der Kältemaschinen wird im Vergleich zu herkömmlichen Klimaanlagen rund 50 Prozent CO2 eingespart."

Aktuell werden vor allem Großabnehmer wie Krankenhäuser, öffentliche Gebäude wie die Uni Wien oder Hotels mit Fernkälte versorgt. Allerdings soll diese Technologie künftig auch Privatkunden zur Verfügung stehen. Noch im Sommer sollen diesbezüglich Projekte präsentiert werden, sagte Wien Energie-Geschäftsführer Michael Strebl.

250 Fußballfelder voll Fernkälte-Versorgung

Momentan sorgen in Wien insgesamt 16 Fernkältezentralen dafür, dass es auch an Hitzetagen kühl bleibt. Über das mehr als zwölf Kilometer lange Fernkältenetz mit einer Fernkälte-Gesamtleistung von rund 130 Megawatt versorgt Wien Energie Kunden in der gesamten Stadt. Das entspricht über 2.500.000 Quadratmetern klimatisierter Bürofläche oder 250 Fußballfeldern.

Besonders groß ist die Nachfrage nach Fernkälte in der Wiener Innenstadt. Herkömmliche Klimaanlagen benötigen im Vergleich zu einer Fernkälteversorgung deutlich mehr Platz. Zudem widersprechen die für Klimaanlagen erforderlichen Rückkühler am Dach vielfach dem Denkmalschutz und beeinflussen das Mikroklima negativ. Wien Energie plant deshalb, im ersten Bezirk eine flächendeckende Kälteversorgung anbieten zu können. Dazu wird ab Herbst 2019 eine neue, zusätzliche Fernkältezentrale am Stubenring im Bereich der Alten Post errichtet, die Vorarbeiten laufen bereits. Zehn Megawatt Kälteleistung werden im ersten Schritt installiert. Die Inbetriebnahme ist im Frühjahr 2021 geplant. Nach den Fernkältezentralen am Schottenring, in der Renngasse, am Schwarzenbergplatz und am Schubertring wird die neue Zentrale dann die fünfte im ersten Bezirk sein.

Starker Ausbau der Versorgungsleitungen

Investiert wurde auch in die Fernkälte-Zentrale Spittelau. Mit einer zusätzlichen, modernen Kältemaschine wurde bereits im Frühjahr die Gesamtleistung um ein Drittel von 17 auf 24 Megawatt erhöht. Ab Mitte Juni wird hier mit einer neuen, zusätzlichen Versorgungsleitung Richtung Franz-Josef-Bahnhof außerdem ein weiterer Stadtteil am Alsergrund an die Fernkälte angeschlossen, die Errichtung einer zusätzlichen Verbindung Richtung Döbling beginnt demnächst. Bisher deckte das Leitungsnetz der Spittelau vor allem den Bereich um die Heiligenstädter Lände sowie entlang des Währinger Gürtels ab. Wichtige, öffentliche Gebäude wie das AKH, die BOKU oder das Ö3-Gebäude in der Muthgasse werden von hier mit umweltfreundlicher Kälte versorgt.

Ein Großteil der Kühlenergie bei Fernkälte kommt laut Wien Energie aus Abwärme von Verbrennungsprozessen. Im Sommer ist Wärme aus der Müllverbrennung in Wien der wichtigste Energieträger für die Kühlung. Als Antriebsenergie wird Wärme anstelle von Strom verwendet. Dadurch können Strom und Treibhausgasemissionen eingespart werden. Über ein eigenes Fernkältenetz wird auf etwa fünf bis sechs Grad Celsius abgekühltes Wasser direkt zu den Abnehmern transportiert und dort über die hauseigenen Kühlsysteme in den Gebäuden verteilt. (apa/red)

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