Aus für Kohle

Kohleausstieg könnte Verbraucher vier Milliarden Euro pro Jahr kosten

Die Klimaziele für 2020 sind unerreichbar und auch die Ziele für 2050 scheinen ambitioniert. Ein schneller Umstieg von fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Energien ist daher dringend notwendig. Jetzt hält der Energiekonzern RWE, gerade wegen des Hambacher Forsts in den Schlagzeilen, mit einer eigenen Studie dagegen und behauptet: der Kohleausstieg bringt nichts für das Weltklima, aber kostet den Verbrauchern viel.

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Der politisch forcierte Kohleausstieg könnte teuer werden.

Laut den Pariser Klimazielen hätten die CO2-Emissionen in Deutschland bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 verringert werden. Daran ist das Land kläglich gescheitert. Bis 2050 sollen die Emissionen nun sogar um bis zu 95 Prozent verringert werden. Dies kann noch gelingen, bedeutet aber einen schnellen Wandel der Energie-Branche und damit einen möglichst frühzeitigen Kohleausstieg. Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Frontier Economics im Auftrag des Energiekonzerns RWE lohnt sich das aber weder für das Klima, noch für die Wirtschaft.

Die Studie bezieht sich dabei auf die Eckpunkte für den Kohlekonsens, die die Denkfabrik Agora Energiewende 2016 veröffentlichte. Darin enthalten sind vier Szenarien: ein Referenzszenario ohne politisch forcierten Kohleausstieg, sowie drei Ausstiegsszenarien, die den Ausstieg für 2035, 2040 und 2045 demonstrieren. Die Studie von Frontier Economics untersuchte dabei das Szenario bis 2040 am intensivsten.

Versorgungssicherheit in Gefahr

Die fehlende Energie aus Kohlekraftwerken müsste von ausländischen Kraftwerken ersetzt werden, um die Versorgungssicherheit weiter aufrecht zu erhalten. Genau genommen sind es 85 Prozent der fehlenden Energie, die durch ausländischen Strom kompensiert werden müssten. Somit handelt es sich nur um eine scheinbare CO2-Reduktion im eigenen Land. Insgesamt, so die Schlussfolgerung der Experten, sinkt der Ausstoß aber nicht.

Europaweit wird ein Umstieg auf erneuerbare Energie angestrebt. Dadurch sinken aber auch die international vorhandenen Überkapazitäten. Wenn sich Deutschland zu sehr auf den Import von Strom verlässt, könnte die Versorgungssicherheit stark gefährdet werden. Die europäischen Nachbarn benötigen die Energiereserven selbst, um das eigene Stromnetz aufrecht zu erhalten. Deshalb dürfe sich Deutschland nicht auf erneuerbare Energieträger verlassen, sondern müsse neue Erzeugungskapazitäten auf Basis von Gas schaffen.

Vier Milliarden Euro pro Jahr für Kohleausstieg

Finanziell soll der politisch forcierte Ausstieg aus der Kohle besonders für Verbraucher eine zusätzliche Belastung sein, da dadurch die Strukturen der Stromerzeugung verändert werden und sich damit auch die Strompreise erhöhen. Hier bringen auch die Gaskraftwerke nichts, da die Stromauszeugung aus Gas laut Studie deutlich teurer ist als der Import aus dem Ausland. Dadurch soll der durchschnittliche Strompreis auf über 25 Euro pro Megawattstunde steigen. Verglichen mit einem Szenario ohne politisch forcierten Kohleausstieg wären das neun Euro mehr pro Megawattstunde. Insgesamt würde der forcierte Ausstieg aus der Kohle Verbraucher damit bis zu vier Milliarden Euro pro Jahr kosten. Zwischen 2020 und 2040 bedeutet das Mehrkosten von rund 29 Milliarden Euro.

Noch höhere Summen bescshreiben die Autoren der Studie „Ökonomische Effekte eines deutschen Kohleausstiegs auf den Strommarkt in Deutschland und der EU“ von EWI Energy Research & Scenarios. „Ein deutscher Kohleausstieg vermeidet in Europa zwischen 2020 und 2045 rund 634 Millionen Tonnen CO2 und kostet im gleichen Zeitraum rund 71,6 Milliarden Euro. Dabei hängt die CO2-Reduzierung allein von der Stilllegung entsprechender Zertifikate im europäischen Emissionshandelssystem ab“, betont Studienleiter und EWI-Geschäftsführer Harald Hecking. Eine vermiedene Tonne CO2 kostet laut dieser Studie durchschnittlich 113 Euro. Die Untersuchung wurde jedoch bereits vor mehr als zwei Jahren veröffentlicht. Laut beiden Studien sind die leidtragenden des politisch forcierten Kohleausstiegs am Ende die Verbraucher.