Klimakonferenz

COP25-Gastgeber Spanien: Klimasünder und Erneuerbaren-Vorreiter

Die 25. UN-Klimakonferenz findet aktuell in Madrid statt. Dabei handeln die Spanier in Sachen Klimaschutz alles andere als vorbildlich: Spanien ist das Land mit den meisten Umweltschutz-Verstößen. Der rasche Erneuerbaren-Ausbau kann das nur in geringem Maße ausgleichen.

In Madrid findet gerade die 25. UN-Klimakonferenz statt.

Auf der Klimakonferenz COP25 tagen internationale Vertreter aktuell in einem Land tagen, das weit davon entfernt ist, beim Klimaschutz ein Vorreiter zu sein. Nicht nur bei den Freitagsdemos für mehr Klimaschutz fehlt in Spanien Engagement - mit grünen Themen sind generell kaum Wählerstimmen zu gewinnen.

Nach einer Studie des spanischen Soziologischen Forschungszentrums (CIS) zählt der Umweltschutz derzeit nur für 2,3 Prozent der spanischen Bevölkerung zu einem der Hauptanliegen des Landes. Demnach sehen knapp 57 Prozent der Spanier die Arbeitslosigkeit und 21 Prozent die Korruption als die dringenderen Probleme. Experten zufolge gelten in Spanien andere Prioritäten: Der Massentourismus, der Bausektor sowie die Landwirtschaft seien die "wirtschaftlichen Motoren" Spaniens, erklärt Claudio Cattaneo, Umweltforscher in Barcelona. In einem Land mit hoher Arbeitslosigkeit sind daher Jobs ein wichtigeres Anliegen.

Das Land steht wegen seiner Versäumnisse immer wieder am Pranger. So ist Spanien nach Angaben der EU-Kommission das Land mit den meisten Verstößen gegen EU-Recht in Sachen Umweltschutz. Erst im Juli hatte Brüssel beim Europäischen Gerichtshof Klage wegen des "systematischen Verstoßes" Spaniens gegen die Vorschriften über Stickstoffdioxid-Emissionen erhoben. Weitere Verfahren wurden wegen Versäumnissen bei Recycling- und Abwasserbehandlungen eingeleitet.

Erneuerbaren-Ausbau funktioniert

Angesichts der Bemühungen Spaniens im Bereich der erneuerbaren Energien wäre es jedoch falsch, das Land kategorisch als Klimasünder zu verurteilen. Spanien ist nach Deutschland der zweitgrößte Erzeuger von Windenergie in Europa, außerdem werden Solarenergie-Projekte weiter ausgebaut, um die vielen Sonnenstunden des Landes zu nutzen. Bis 2030 sollen in Spanien 42 Prozent des verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Energien stammen. Das geht aus dem vorläufigen Energie- und Klimaplan des Landes hervor, den die spanische Regierung im Juni der EU-Kommission vorlegte. Das gemeinsame europäische Ziel von mindestens 32 Prozent bis zum Jahr 2030 wäre damit erreicht.

Bei der Senkung der Treibhausgas-Emissionen hat sich Spanien aber wenig ambitionierte Ziele gesetzt. Obwohl sich die europäischen Länder gemeinsam auf eine Verringerung um 40 Prozent bis 2030 geeinigt hatten, setzte sich Spanien lediglich das Ziel einer Reduzierung um 21 Prozent gegenüber dem Stand von 1990. (APA/Red)

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