COVID-19

Acht-Punkte-Programm soll Industrie vor Coronavirus-Auswirkungen bewahren

Ein klassisches Konjunkturprogramm sei hinsichtlich der Auswirkungen des Coronavirus nicht zielführend, sind sich Christoph Neumayer und Christian Helmenstein von der Industriellenvereinigung einig. Die IV schlägt stattdessen ein Acht-Punkte-Maßnahmenprogramm vor.

Industrie Wirtschaft Industriellenvereinigung Coronavirus

Das Coronavirus wird sich auf die Industrie auswirken, ist sich die Industriellenvereinigung sicher und präsentiert prompt ein Maßnahmenpaket, das Unternehmen nun wirtschaftlich unterstützen soll.

„Es ist zwar unklar, wie stark sich das Coronavirus in Österreich und Europa noch ausbreiten wird. Jedoch ist bereits jetzt mit doch stark spürbaren Auswirkungen auf die Industrieproduktion und die zugrundeliegenden Wertschöpfungsketten zu rechnen", so Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Christoph Neumayer. "Auch andere Branchen wie der Tourismus sind stark betroffen, sodass sichtbare volkswirtschaftliche Effekte zu erwarten sind. Im Ergebnis wird COVID-19 über verschiedene Wirkungskanäle die heimische Konjunkturdynamik belasten.“

IV-Chefökonom Christian Helmenstein ergänzt: „Trotz der absehbaren wirtschaftlichen Konsequenzen halten wir ein klassisches Konjunkturprogramm zu diesem Zeitpunkt für nicht zielführend.“ Helmenstein verwies außerdem darauf, dass es sich bei der Coronavirus-Krise in Österreich um einen negativen Angebotsschock handle, der von einem globalen Nachfrageschock begleitet wird. „Konjunkturprogramme zur Nachfragestärkung setzen darauf, dass bei Unternehmen ungenutzte Kapazitäten zur Verfügung stehen. Das ist jedoch bei drohenden Arbeitsausfällen und unterbrochenen Lieferketten nicht durchgängig der Fall."

Die Industrie empfiehlt und plädiert daher für Maßnahmen, die dazu beitragen, negative Effekte der Epidemie – etwa Liquiditäts- und Lieferengpässe oder Mobilitätseinschränkungen – bestmöglich zu kompensieren.

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1. Unternehmensliquidität sichern

Konkret ist zunächst darauf zu achten, dass die Liquidität besonders betroffener Unternehmen schnell und unbürokratisch gesichert wird, um die Krise zu überbrücken. Dies könne etwa durch Haftungen des Bundes für bestehende Forderungen von Kreditinstituten oder für neue kurzfristige Finanzierungsvereinbarungen gelingen. Die Europäische Zentralbank kann mit bereits bestehenden Programmen zur Milderung der Liquiditätskrise beitragen. Mit dem Targeted Long-Term Refinancing Operations-Programm (TLTRO) können Banken bei der EZB Geld günstiger und längerfristig leihen, wenn sie an Unternehmen mit einem prinzipiell tragfähigen Geschäftsmodell bei Corona-bedingten Liquiditätsschwierigkeiten Kredite vergeben.

2. Steuerstundungen pragmatisch ermöglichen

Zudem schlägt die Industrie pragmatische Steuerstundungen vor. Konkret sollten für betroffene Unternehmen die Fristen für die vierteljährlichen Einkommen- und Körperschaftsteuervorauszahlungen sowie für die (monatlichen und vierteljährlichen) Umsatzsteuervorauszahlungen verlängert oder diese Vorauszahlungen gänzlich ausgesetzt werden.

3. Vereinfachung von Verfahren bei Personalengpässen

Zudem sollten bürokratische Belastungen für Unternehmen auf ein absolutes Minimum reduziert werden, um drohenden Arbeitsausfällen entgegenzuwirken. Dafür schlägt die Industrie beispielsweise die Aussetzung der Betriebsprüfung für die Zeit während des Personalengpasses vor.

4. Mit Kurzarbeit gegensteuern

Um einen dauerhaften Beschäftigungsrückgang zu vermeiden, sollte auf das sich in der Finanzmarktkrise bewährte Mittel der Kurzarbeit zurückgegriffen werden. Hier plädiert die Industrie für eine praxisgerechte unbürokratische Regelung: Ähnlich wie in Deutschland sollten Vereinbarungen von Kurzarbeit künftig auf Betriebsebene erfolgen können. Zudem spricht sich die IV für eine erhöhte Kurzarbeitsbeihilfe ab dem ersten Monat aus.

5. Konjunkturbelebung durch raschere Genehmigungsverfahren für standortrelevante Investitionsprojekte

Gerade in Krisenzeiten kann sich eine Volkswirtschaft ausufernde Genehmigungsverfahren wie in der Vergangenheit nicht leisten. Das Standortentwicklungsgesetz (StEntG) sollte jetzt zur Anwendung gebracht werden.

6. Stabile Rahmenbedingungen für Wachstum ermöglichen – die Stimmung stabilisieren

Um die Investitionsbereitschaft der Unternehmen wieder zu stärken, braucht es ein klares Commitment der Politik zur Senkung der KöSt von 25 auf 21 Prozent. Dies sollte durch eine gesetzliche Verankerung und ein fixes Datum des Inkrafttretens gegeben werden.

7. Investitionen in die Digitalisierung vorziehen

Ein Ausbau der Digitalisierung der österreichischen Volkswirtschaft zählt zu den wichtigsten Zukunftsausgaben. Dies könnte nach der Krise einen markanten Schub an Prozessinnovation durch Digitalisierung/Virtualisierung mit sich bringen. Ein Vorziehen solcher Investitionen ist daher geboten. Auch wäre eine Sonderförderung für den Aufbau digitaler Homeoffice-Arbeitsplätze in Form einer sofortigen Abschreibung oder einer Digitalisierungsprämie sinnvoll.

8. Krisenvorsorgende Fiskalpolitik fortsetzen

Die aktuelle Krise zeigt, wie spontan Angebots- und Nachfrageschocks auftreten können. Geringe Staatsschulden und eine niedrige Abgabenbelastung sind die effektivste Versicherungsprämie gegen abrupt auftretende Wirtschaftskrisen. Die Politik des ausgeglichenen Haushalts durch die Bundesregierung und das Festhalten an einem Nulldefizit in konjunkturell guten Zeiten wird daher durch die Krise wieder einmal bestätigt.

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