Konjunktur-Rück- und Ausblick Gewerbe und Handwerk : Wie geht es der größten Arbeitgebersparte Österreichs?
Die Sparte Gewerbe und Handwerk in der WKÖ erwartet bzw. hofft nach dem Winter 2026 auf einen Aufschwung, den die größte Arbeitgebersparte Österreichs auch dringend nötig hat.
- © HLK/ E. HerrmannDas Gewerbe und Handwerk ist mit rund 233.500 Betrieben (von insgesamt 527.441) die größte Arbeitgebersparte in Österreich, zählt 297.715 aktive Spartenmitglieder, und ist mit 44.000 Lehrlingen der wichtigste Lehrlingsausbilder im Land.
Ist das Ende der konjunkturellen Flaute im Gewerbe und Handwerk absehbar?
Wie sieht die Lage einzelner Branchen aus?
Was ergibt der Umsatz-Rückblick auf 2025 und mit welchen Erwartungen starten die Betriebe ins Jahr 2026?
Auf diese drei essenziellen Fragen lieferten drei Personen am 29. Jänner 2026 Antworten und definierten auch einige Forderungen in Richtung Bundespolitik:
Mst. Ing. Manfred Denk, MBA (Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der WKÖ),
Mag. Christina Enichlmair, M.A. (KMU Forschung Austria) und
Prof. Dr. Reinhard Kainz (GF der Bundessparte Gewerbe und Handwerk).
Das Trio präsentierte bei der Pressekonferenz der WKÖ-Bundessparte Gewerbe und Handwerk einen wirtschaftlichen Rück- und Ausblick der größten Arbeitgebersparte in Österreich anhand der Konjunkturbeobachtungs-Daten der KMU Forschung Austria.
Umsatzentwicklung im Jahr 2025
Das Wetter vom 29. Jänner 2026 lieferte eigentlich schon eine Kurzbeschreibung für die wirtschaftliche Lage im Gewerbe und Handwerk im Vorjahr: Frostig, mit einigen Schauern.
Die Umsatzentwicklung im Gewerbe und Handwerk im Jahr 2025 in Österreich (vorläufige Schätzung):
▪ Nominelle (wertmäßige) Entwicklung: -2,0%
▪ Preissteigerungen: +2,4 % (die Betriebe haben damit ihre Kostensteigerungen nicht zur Gänze weitergegeben [Verbraucherpreisindex in Österreich 2025: +3,6 %])
▪ Voraussichtlich leichtes nominelles Plus für Fahrzeugtechnik (v.a. Kfz-Techniker), Lebensmittelgewerbe, Friseure, Mode und Bekleidungstechnik (v.a. Bekleidungsgewerbe)
▪ Schwieriges Jahr (weiterhin) für Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker, Bauhilfsgewerbe, Kunststoffverarbeiter, Elektro-, Gebäude-, Alarm und Kommunikationstechniker.
In den ersten drei Quartalen 2025 gab es eine heterogene Umsatzentwicklung: 24 % meldeten Steigerungen, 44 % gleichbleibende, 32 % Rückgänge bei Auftragseingängen/ Umsätzen.
Im 4. Quartal 2025 konnte z. B. das Baugewerbe Zuwächse im Auftragsbestand verzeichnen (+9,7 %). Allerdings meldeten z. B. die Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechniker -19,2 % bei den Auftragsbeständen; auch bei den Sanitär-, Heizungs-, Lüftungstechnikern gab es einen Rückgang bei der Auftragsbeständen (-16,6 %).
Gesamt gesehen geht man bei KMU Forschung Austria davon aus, dass die Sparte Gewerbe und Handwerk auch das Jahr 2025 mit einem realen Minus abschließen wird – die vorläufige Schätzung geht von einer realen Umsatzentwicklung von voraussichtlich -4,3 % aus.
Mst. Ing. Manfred Denk, MBA, Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der WKÖ: „Wir hätten uns eine bessere Entwicklung erhofft, ganz überraschend kommt diese Tendenz aber nicht. Für die konjunkturelle Erholung wäre vor allem ein Anziehen der Bauleistung entscheidend. Und gerade das ist im Winter saisonal schwierig.“
Dass es die letzten positiven Umsatzentwicklungszahlen im Gewerbe und Handwerk in Österreich im Jahr 2019 gab (also vor sechs Jahren!), ist höchst bedenklich! Bei den politischen Akteuren sollten deswegen eigentlich die Alarmglocken schrillen – aber tun sie das?
Erwartungen für 1.Quartal 2026
Der Ausblick auf das 1. Quartal 2026 fällt unterkühlt aus. Nur 15 % der Betriebe erwarten Steigerungen ihrer Aufträge bzw. Umsätze. 27 % befürchten weitere Rückgänge – somit ergibt sich ein negativer Saldo (Überhang) von 12 Prozentpunkten.
Die Erwartungshaltung in den investitionsgüternahen Branchen, die überwiegend vom Baubereich abhängig sind, fällt mit einem Saldo von -14 Prozentpunkten deutlich negativer aus als in den konsumnahen Branchen (Saldo -6 Prozentpunkte).
„Die Erwartungen zeigen eine geringe Dynamik und sind weiterhin im negativen Bereich“, sagt dazu Christina Enichlmair von KMU Forschung Austria: „Ein nachhaltiger Aufwärtstrend ist derzeit noch nicht in Sicht.“
Mst. Ing. Manfred Denk: „Hoffnung macht, dass die Nachfrage an privaten Wohnbaukrediten deutlich gestiegen ist.“ Einen Aufschwung im Neubaubereich haben die Bauwirtschaft und die nachgelagerten Gewerbebereiche auch dringend nötig.
Für das Installateur-Gewerbe erwartet sich Denk in der zweiten Hälfte des Jahres 2026 wieder eine positive Entwicklung.
Erfreulicher und wichtiger Aspekt: Die Erhebung der KMU Forschung Austria zeigt, dass die Betriebe im Gewerbe und Handwerk ihr Personal halten will.
„Das zeigt zwei Dinge: Das Thema Fachkräftemangel beschäftigt die Betriebe weiterhin stark. Und es ist ein erfreuliches Indiz, dass unsere Unternehmen den Glauben an den Aufschwung nicht verloren haben“, so Spartenobmann Manfred Denk.
Forderungen: KMU-Strategie, Energiepreis-Gleichstellung…
Die an die Politik gerichtete Forderungen und Wünsche des Gewerbe und Handwerks:
- Eine Strategie für die produzierende Wirtschaft, welche die vielen Klein- und Mittelbetriebe im Land inkludiert
- Bürokratie-Abbau
- Valorisierung der Lehrstellenförderung
Spartenobmann Manfred Denk fordert: „Österreich ist ein KMU-Land. 99,6 Prozent der heimischen Betriebe fallen in diese Kategorie, sie bilden das Rückgrat der Wirtschaft. Wenn Österreich auf die Überholspur gebracht werden soll, müssen ihre Bedürfnisse berücksichtigt werden.“
Die hohen Personal- und Energiekosten und der hohe bürokratische Aufwand trübten im Vorjahr auch die Aussichten des Gewerbe und Handwerks ein.
Deshalb fordert die Sparte Gewerbe und Handwerk eine Gleichstellung bei den geplanten begünstigten Energiekosten (Stichwort Industriestrompreis). Schließlich sei von der Kostenexplosion jeder Betrieb betroffen; und auch im Gewerbe und Handwerk gibt es besonders energieintensive Branchen, etwa das Lebensmittelgewerbe (Bäcker, Fleischer, Konditoren, Nahrungs- und Genussmittelgewerbe, Müller und Mischfuttererzeuger) oder die Textilreiniger.
…Valorisierung der Lehrstellenförderung
Mehr als 45 % der heimischen Lehrlinge werden in Betrieben der Sparte Gewerbe und Handwerk ausgebildet. Angesichts der demografischen Entwicklung, der schulischen wie sozialen Defizite vieler jungen Menschen, der steigenden Bürokratiebelastungen und der mittlerweile jahrelangen Rezession sei der steigende Aufwand für viele (vor allem kleinere) Betriebe kaum noch zu stemmen. Für den Staat hingegen, ist ein Lehrling im Betrieb die mit Abstand günstigste Ausbildungsform. Ein Lehrling verursacht der öffentlichen Hand im Jahr 6.700 Euro Kosten (für Berufsschule und Förderung, abzüglich Rückflüssen aus SV-Beiträgen und Lohnsteuer). Ein Schüler (m/w/d) einer berufsbildenden Schule (BMS, BHS) schlägt für den Staat hingegen mit 12.000 Euro zu Buche. Und eine überbetriebliche Ausbildung im Auftrag des AMS kostet pro Person sogar mehr als 23.000 Euro, also mehr als das Dreifache.
„Wir fordern deshalb, dass die Lehrstellenförderung als Beitrag zu den Investitionskosten der Ausbildungsbetriebe gesehen und jährlich valorisiert wird, so wie das bei den Kosten von Schulen und Universitäten schließlich auch der Fall ist. Eine Kürzung kommt für uns nicht in Frage, das wäre ein fatales Signal,“ so Mst. Ing. Manfred Denk, MBA, Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der WKÖ.
…Bürokratie-Abbau (leider zugleich -Ausbau)
Das erste Bürokratie-Abbaupaket, das die österreichische Bundesregierung am 3. Dezember 2025 präsentiert hatte, wird seitens der Sparte Gewerbe und Handwerk begrüßt. Damit werden langjährige Forderungen erfüllt, etwa Erleichterungen bei Betriebsgenehmigungen oder der Errichtung von PV-Anlagen, eine verlängerte „Schonfrist“ bei Betriebsübergaben (Grace-Period), höhere Schwellenwerte für die Buchführungspflicht; auch die Aufhebung der Wärmepumpen- und Kälteanlagen-Verordnung ist geplant.
„Das kann aber nur der erste Schritt gewesen sein. Bürokratie-Abbau ist keine Momentaufnahme, sondern ein Dauerauftrag“, betont Sparten-Obmann Manfred Denk und weist auf neue, weitere bürokratische Mehrbelastungen im neuen Jahr 2026 hin: Die neue Hitzeschutz-Verordnung und die Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie.
Die eine bringt viel Arbeitsaufwand für Betriebe, ohne echten Mehrwert für Beschäftigte bei Hitze (die das in der Praxis meist ohnehin schon von alleine geregelt haben). Die andere (EU-Entgelttransparenzrichtlinie) soll die Einkommen für Beschäftigte einfacher vergleichbar machen. Allerdings gibt es allein in den Kollektivverträgen im Gewerbe und Handwerk ohnehin mehr als 600 Lohn- und Verwendungsgruppen, welche Branchenspezifika bestmöglich abbilden. Manfred Denk: „Wir haben in Österreich ein bewährtes und transparentes System. Warum wird das über den Haufen geworfen für ein bürokratisches Modell, das die betriebliche Realität gar nicht erfassen kann?“
Der Sparten-Obmann erinnert die Bundesregierung an ihr im Dezember 2025 getätigtes Versprechen: Damals hieß es, dass es künftig in Österreich kein „Gold Plating“ mehr geben werde.