Vorzeigeprojekt AHEAD von AIT und Takeda ging in Betrieb : Wärmepumpe liefert erstmals Dampf für Arzneimittelproduktion
Mit viel Prominenz fand am 22. September 2025 die offizielle Inbetriebnahme von AHEAD (Advanced Heat Pump Demonstrator) bei Takeda in Wien statt. Ohne fossile Energieträger wird hier erstmals Prozessdampf mit einer Hochtemperatur-Wärmepumpe erzeugt.
- © HLK/ E. HerrmannDas japanische Unternehmen Takeda erzeugt lebensverbessernde und -erhaltende Arzneimittel und ist auch in Wien mit mehreren Standorten vertreten. Neben Medikamenten steht der Name von nun aber auch für eine gänzlich andere Novität: Am Takeda-Standort in Wien 22 steht nämlich die erste industrielle Anwendung eines innovativen Hochtemperatur-Wärmepumpensystems mit 100 % natürlichen Kältemitteln, das im Zuge des Projektes AHEAD (Advanced Heat Pump Demonstrator) geschaffen wurde!
Das Projekt wurde/ wird von Takeda gemeinsam mit dem AIT Austrian Institute of Technology durchgeführt und zeigt die Wichtigkeit der Zusammenarbeit zwischen Industrie und Forschungsinstituten.
Vor rund einem Jahr erfolgte der Baustart (HLK berichtete hier) – am 22. September 2025 erfolgte die feierliche, offizielle Inbetriebnahme von AHEAD mit viel Prominenz. Denn dieses Vorzeigeprojekt setzt nicht nur einen neuen Standard zur nachhaltigen Arzneimittelproduktion, sondern kann bzw. wird auch als skalierbares Beispiel für andere Industrien, wo Dampf benötigt wird, dienen.
Nachhaltigkeit als gemeinsame Aufgabe
Wolfgang Hattmannsdorfer, Bundesminister für Wirtschaft, Energie und Tourismus, betonte bei der Inbetriebnahme-Feier: „Österreich braucht einen Wirtschaftsaufschwung, um Jobs, Wohlstand und unseren Sozialstaat abzusichern. Diesen Aufschwung schaffen wir nur, wenn wir uns auf unsere Stärken besinnen: den Fleiß, den Erfindergeist und der Internationalität. AHEAD zeigt, wie aus diesen Stärken Innovation entsteht, die Wertschöpfung schafft und unseren Standort international sichtbar stärkt. Meine Gratulation gilt allen, die zu diesem Vorzeigeprojekt beigetragen haben.“
Thomas Wozniewski, Global Manufacturing & Supply Officer bei Takeda, meint bei feierlichen Inbetriebnahme: „Wir sind davon überzeugt, dass die Voraussetzung für ein gesundes Leben ein gesunder Planet ist. Daher haben wir uns ambitionierte Umweltziele für eine nachhaltigere Arzneimittelproduktion gesetzt, die Netto-Null-Treibhausgasemissionen bis 2040 entlang unserer Wertschöpfungskette beinhalten. Für die Erreichung dieser Ziele evaluieren und implementieren wir stetig neue Technologien. Umweltschutz ist eine gemeinsame Aufgabe und AHEAD ist ein hervorragendes Beispiel, wie die Zusammenarbeit von Industrie und Forschungsinstituten zum Erfolg führen und richtungsweisend über die eigene Industrie hinaus sein kann.“
Vorbild für andere Industrien mit Prozesswärmebedarf
Volker Schaffler, Leiter der Abteilung Energie- und Umwelttechnologien des BM für Innovation, Mobilität und Infrastruktur: „Mit dem aus nationalen Mitteln des Klima- und Energiefonds geförderten Forschungsprojekt AHEAD wird ein wichtiger Meilenstein für die Energiewende in der industriellen Wärmeversorgung in Österreich gesetzt. Dieses Konzept kann CO₂-Emissionen um bis zu 80 Prozent reduzieren und so einen bedeutenden Beitrag leisten, fossile Energieträger wie Erdgas in industriellen Prozessen zu ersetzen. Das eröffnet neue Perspektiven für Schlüsselbranchen wie Papier, Chemie, Petrochemie und Lebensmittel. AHEAD steht exemplarisch für den Innovationsgeist und die technologische Kompetenz österreichischer Produktionsunternehmen in Kooperation mit der heimischen Forschungslandschaft.“
Andreas Kugi, Scientific Director des AIT, erklärte u. a.: „Industrielle Hochtemperatur-Wärmepumpen haben enormes Potenzial, da 39 Prozent des Prozesswärmebedarfs der europäischen Industrie unter 200 °C liegen. Dank des Innovationsnetzwerks NEFI können wir als Forschungspartner Schlüsseltechnologien wie diese in enger Zusammenarbeit mit Unternehmen erproben und so das technische wie wirtschaftliche Risiko auf dem Weg zu energieeffizienten Industrieprozessen senken. Die erfolgreiche Umsetzung von Projekten wie AHEAD zeigt, wie entscheidend die Verbindung von Industrie und Forschung sowie der Einsatz digitaler Methoden für eine wettbewerbsfähige und nachhaltige Produktion der Zukunft ist.“
Bernd Vogl, Geschäftsführer des Klima- und Energiefonds: „Innovative Technologien Made in Austria sind der Schlüssel zur Klimaneutralität. Sie zeigen, dass eine Energieversorgung mit erneuerbaren Energien machbar, wirtschaftlich sinnvoll und ökologisch vorteilhaft ist – und sie stärken zugleich Standort und Arbeitsplätze in Österreich. Takeda hat das mit dem Projekt AHAED eindrucksvoll bewiesen. Mit unserer FTI-Initiative für die Transformation der Industrie gehen wir nun den nächsten Schritt: Wir suchen Projekte, die klimaneutrale Produktion ermöglichen und Österreich dauerhaft resilient und zukunftssicher machen.“
Technologische Innovation von AHEAD
Die am Takeda Standort in Wien eingesetzte Hochtemperatur-Wärmepumpe ermöglicht es erstmals, Prozessdampf vollständig ohne fossile Energieträger zu erzeugen.
Veronika Wilk (AIT Austrian Institute of Technology) und Harald Erös (Takeda) leit(et)en AHEAD und präsentierten bei der offiziellen Inbetriebnahme einige Eckpunkte des bisher einzigartigen Projekts (das bis Ende 2026 wissenschaftlich begleitet wird). Das Kernstück von AHEAD (Advanced Heat Pump Demonstrator) ist die dampferzeugende Wärmepumpe mit 1,7 MW Leistung der SPH Sustainable Process Heat GmbH, die mit 100 % natürlichen Kältemitteln (n-Butan/ R600) betrieben wird und mit einem COP von ca. 4,4 arbeitet.
In Kombination mit Dampfverdichtern können so Prozesstemperaturen von über 200° C erreicht werden – mehr als die für die pharmazeutische Produktion bei Takeda benötigten 184 °C bei 11 bar.
Mit der neuen Wärmepumpenanlage können bis zu 2,5 Tonnen Dampf pro Stunde hergestellt werden.
Ein wesentliches Merkmal von AHEAD ist die Nutzung der bereits vorhandenen Kälteanlagen und deren saisonal verfügbare Abwärme. Dadurch hat die Anlage das Potenzial über einen Zeitraum von mehr als sieben Monaten CO₂-freien Dampf zu erzeugen. Das jährliche Einsparpotenzial beträgt bis zu 1.600 Tonnen CO₂, was einer Reduktion von etwa 80 % für den Takeda-Standort Wien (Lange Allee 24) entspricht.
Aus Wien für die Welt
Im Österreich-Pavillon auf der Expo 2025 in Osaka, Japan, wird AHEAD als Beispiel für zukunftsweisende Technologien gezeigt. Dies unterstreicht die Bedeutung langfristiger Partnerschaften und zeigt, wie gemeinsames Wissen zur Lösung globaler Klima- und Energiefragen beitragen kann. AHEAD setzt ein starkes Signal für die Innovationskraft österreichischer Industrieprojekte im globalen Kontext.
Mit der nun erfolgten Inbetriebnahme geht AHEAD in den Standardbetrieb über. AHEAD dient als Pilotprojekt für eine mögliche globale Skalierung: Die im Monitoring gewonnenen Daten sollen nicht nur für den Wiener Standort, sondern auch für andere Produktionszentren von Takeda nutzbar gemacht werden und so als Vorbild für CO₂-freie Prozesswärme in der pharmazeutischen Industrie und darüber hinaus dienen. Auch andere interessierte Industrien sollen von diesem Projekt Nutzen ziehen.
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