Schlechte Umsetzung verhindert Optimierungspotenzial(e) : Kunden-Erlebnisse beim Umstieg auf eine Wärmepumpe

Fehlerhaft abgedichtetes Bohrloch mit Leitungen der Außeneinheit einer Wärmepumpe ins Gebäudeinnere; 800-Liter Speicher im Keller des sanierten Gebäudes

Gesprächsstoff für die Branche: Dieses Praxis-Beispiel der Installation einer neuen Wärmepumpe zeigt, welche unliebsamen Überraschungen es für den Kunden gab/ gibt.

- © Dr. Georg Benke

In den Medien und der Branche wird immer wieder betont, welch wichtigen Beitrag Wärmepumpen zur Energiewende leisten können. In der Praxis kann sich jedoch ein anderes Bild zeigen — insbesondere, wenn Fachunternehmen mit den Anforderungen einer Wärmepumpen-Anlage überfordert sind. Besonders die Regelung und/oder die korrekte hydraulische Einbindung stellen für manche eine komplexe Herausforderung dar. Das praxisnahe Beispiel bei einem Kunden zeigt, wie unerwartet negativ die Umsetzung einer Wärmepumpe ausfallen kann. Zwar ist dieses Beispiel nicht repräsentativ, aber dennoch äußerst aufschlussreich. Es soll dazu beitragen, Fehler im Vorfeld zu vermeiden. Denn jede fehlerhafte Installation einer Wärmepumpen-Anlage ist ein Negativbeispiel, das durch Mundpropaganda und soziale Medien schnell verbreitet werden kann – mit potenziell schädlichen Folgen für die gesamte Branche.

Praxis-Beispiel bei einem Kunden

Dr. Georg Benke zählt zu denjenigen, die sich – wie viele andere auch (aufgrund der großzügigen Förderungen in Österreich) – entschieden haben, ihr Heizsystem zu erneuern. „Von Seiten meiner Kinder und meiner Frau, kam immer wieder der Wunsch nach einem klimafreundlicheren Heizsystem. Der Gaskessel, der vermutlich noch weitere 20 Jahre zuverlässig funktioniert hätte, wurde 2025 durch ein alternatives Heizsystem ersetzt. Mein Favorit war eine Grundwasser-Wärmepumpe, da ich mir von ihrer höheren Effizienz eine bessere Absicherung gegen die künftig vermutlich steigenden Strompreise im Winter erhofft hatte. Da sich der Brunnenbauer jedoch nicht meldete und Mehrkosten von bis zu 10.000 Euro anstanden, fiel die Entscheidung letztlich auf eine Luft-/Wasser-Wärmepumpe in Kombination mit einem 800-Liter-Kombispeicher“, erklärt Dr. Georg Benke.
Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass Dr. Georg Benke ein ausgewiesener Energieexperte ist. Er ist Gründungsgesellschafter des Beratungs- und Forschungsunternehmens e7, das auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz spezialisiert ist und großen Unternehmen dabei hilft, energieeffizienter zu werden.
In den 800-Liter-Kombispeicher sollten nicht nur die modulierende Luft-/Wasser-Wärmepumpe, sondern auch eine thermische Solaranlage sowie ein zweites Heizsystem auf Basis von Scheitholz einspeisen. Dies war ein ausdrücklicher Wunsch des Bauherrn, um bei der Wärmebereitstellung flexibler zu sein. Der Speicher war zwar großzügig dimensioniert, ermöglichte jedoch die Integration weiterer Energiequellen wie Solarthermie und Biomasse.

Installateur-Suche

Nachdem sich der Brunnenbauer (wie erwähnt) nicht meldete, begann die Suche nach einem Fachhandwerker, der die Luft-/Wasser-Wärmepumpe installieren und einen neuen 800-Liter-Kombispeicher ins sanierte Bestandsgebäude integrieren sollte.
Schon bei der Suche nach dem Installateur des Vertrauens erlebet man so einiges: Für mein saniertes Haus mit einer erforderlichen Heizleistung von 8,5 kW lag ein Angebot über 12 kW vor – mit der Begründung, dass es für Wärmepumpen nicht gut sei, dauerhaft unter Volllast zu laufen. Dabei ist zu beachten, dass sich die 8,5 kW auf eine Tagesdurchschnittstemperatur von −12° C beziehen. Mit 12 kW ist man dann vermutlich meist in einem Leistungsbereich von 30 bis 40 % der WP-Anlage“, erinnert sich Benke
Ein Blick in den Sicherungskasten erfolgte oftmals ebenfalls nicht. Dabei ist beim Umstieg auf ein neues Heizsystem häufig auch eine Erneuerung des Sicherungskastens gesetzlich erforderlich. Da fallen dann auch schnell zusätzliche Kosten von 2.000 bis 3.000 Euro an. 

Überraschungen und Problemliste

Beim letztlich beauftragten Fachunternehmen schien zunächst alles zu passen. Dass am ersten Tag der falsche Speicher und das falsche Innengerät geliefert wurden, kann passieren. Auch die Installation entsprach zunächst den Erwartungen: Absperrventile an sinnvollen Stellen, Thermosyphone zur Reduktion von Wärmeverlusten – all das ließ darauf schließen, dass die richtige Wahl getroffen wurde“, erinnert sich Benke.
Doch dann begannen die Probleme: ein fehlerhaft übernommenes Regelschema, falsch positionierte Sensoren für die Regelung, eine undichte Solarleitung, unzureichend betrachtete Leitungsdämmung, getrennte Sensorkabel der thermischen Solaranlage, frei schwebende Leitungen und ein falsch angeschlossener Heizkreis am Speicher – dies sind nur einige der Mängel, die nicht erkannt oder behoben wurden. Allein die mangelhafte Dämmung – auch im Außenbereich – reduzierte „wie meine Nachrechnung ergab, die Leistung um fast 4 Prozent,“ so Benke.
Durch den fehlerhaft montierten Heizkreis wurde der Warmwasserbereich des Speichers zu schnell entleert – das Duschen wurde so zur Herausforderung: „Wir mussten das Duschen 60 Minuten vorher planen und dabei gleichzeitig auf die Heizung verzichten“, erläutert Benke die praktischen Einschränkungen.
Das erste Mängelschreiben an den Installateur umfasste laut Benke sechs Seiten samt Bilddokumentation. Beim Abarbeiten der Fehlerbehebung wurden weitere Mängel an der Anlage entdeckt und behoben.
Weitere große Überraschungen erlebte Benke schließlich bei der Inbetriebnahme durch den Experten des Wärmepumpen-Herstellers. Zwar war die Anlage vom Installateur montiert worden, die Inbetriebnahme erfolgte jedoch durch den Hersteller.
Überraschung 1: Die Systemkombination „Luft-/Wasser-Wärmepumpe und Kombispeicher“ wurde vom Herstellervertreter als „sehr komplex“ eingestuft – der Inbetriebnahmetechniker war zunächst nicht in der Lage, die Anlage vollständig in Betrieb zu nehmen.
Überraschung 2: Eine Schulung des Kunden zur möglichst effizienten Betriebsweise blieb (bislang) aus. Die Einstellung der Wärmepumpe erfolgte anhand von Standardparametern, ohne dass der Kunde über deren Bedeutung informiert wurde. „In meinem Fall kein Problem, aber wie geht es da anderen Haushalten?“, fragt sich Benke zu Recht.
Überraschung 3: „Ernüchternd war auch, dass die Regelung nicht all das kann, was in den Erstgesprächen als Wunsch geäußert wurde. Das schränkt meine Möglichkeiten ein, die Anlage energie- und kosteneffizienter zu betreiben. Ich war davon ausgegangen, dass die Fachfirma mir ein Produkt entsprechend der geäußerten Wünsche anbietet oder mich andernfalls auf mögliche Einschränkungen hinweist“, erklärt Benke.
Überraschung 4: Von einem Mitarbeiter des Installateurs wurde dem Kunden im Rahmen der Mängelfeststellung mitgeteilt, dass die Installationsfirma nicht mehr zuständig sei. Bei Fragen zur Regelung und Optimierung solle er sich ab sofort an den Wärmepumpen-Hersteller wenden (eine Hotline wurde ihm genannt). Doch Benke hat einen Vertrag mit dem Installateur und nicht mit dem Wärmepumpen-Hersteller.
Überraschung 5: Beim Anschluss des Außengeräts der Wärmepumpe trat eine Leckage auf, wodurch der Druck im System sank. Dies führte zu einer Störmeldung, die (samt Video der Leckage) dem Hersteller sofort gemeldet wurde. Die Leckage wurde jedoch erst 30 Tage (!!) später beseitigt, und die Störmeldung besteht bis heute.
Überraschung 6: Die Warmwasserzirkulation endet im Warmwasserkreis (!!!). Dies ist technisch möglicherweise nachvollziehbar, aber wenn der Kunde darüber nicht aktiv informiert wird, kann es zu falschen Regelungen kommen. Der Umbau auf eigene Kosten mit einer Programmanpassung ist seitens des Bauherrn geplant.
Überraschung 7: Extreme Schwächen bei der Regelung(-ssoftware), als auch bei der Hardware sowie dem Regelungssystem selbst. Denn die Bedienung und Auswertung über Raumthermostat, Handy und das Gerät im Keller sind bei den jeweiligen Zugängen nicht identisch. Zudem wird ein Internetzugang im Keller erwartet.
Dank eines laufenden Monitorings und seiner langjährigen Expertise ist Dr. Georg Benke (mit Unterstützung seines Sohnes) dabei, die Anlage selbst Schritt für Schritt effizienter einzustellen bzw. über eine externe Steuerung (Home System) das System zu regeln. Dass dies nicht jeder Endkunde leisten kann oder möchte, da er ein Anrecht auf eine funktionierende Anlage hat, sei an dieser Stelle betont.
Außerdem gehen viele Konsumenten davon aus, dass mit der Inbetriebnahme eines neuen Geräts die Optimierung abgeschlossen ist und es dann energieeffizient läuft. Das ist jedoch meist nicht der Fall, da einige Betriebsparameter bei der Erstinbetriebnahme noch nicht berücksichtigt wurden. Hier liegen erhebliche Effizienzpotenziale, die wenig bis gar nichts kosten und leicht umzusetzen sind – ein Bewusstsein dafür fehlt jedoch häufig.

800-Liter Wärmespeicher im Keller des sanierten Gebäudes von Familie Benke
Der 800 Liter große Wärmespeicher im Keller von Familie Benke hat 12 Ein- und Ausgänge. Die Regelung des Biomassekessels und der Solarthermieanlage erfolgt letztlich nicht über die Wärmepumpensteuerung, da der Bauherr durch seine Erfahrungen mit der Regelungstechnik der Wärmepumpe dieser nicht mehr vertraute - © Dr. Georg Benke

Optimierungspotenzial(e)

Das Drängen der Familie und die staatliche Förderung waren für Dr. Georg Benke Anreiz, die Modernisierung der Heizung vorzuziehen. „Persönlich bin ich als Experte ernüchtert, da ich im Kleinen erlebe, womit ich beruflich im Großen gut vertraut bin: Es mangelt erheblich an der richtigen Installation und Einstellung der Regelungstechnik. Es wird stark technologiebezogen gefördert, aber ohne ausreichend auf die Qualität der Umsetzung zu achten. Dabei kann eine schlecht eingestellte Regelung den Verbrauch unnötigerweise um 10 Prozent und mehr erhöhen“, resümiert Benke
Für ihn wäre es Wünschenswert, dass Förderungen an klare Qualitätskriterien nicht nur bezüglich der technischen Geräte, sondern auch hinsichtlich des Einbaus geknüpft sind. Dazu gehören auch vollständig gedämmte Leitungen und Armaturen, korrekte Dimensionierung, ausreichend Absperrventile und eine Überprüfung der Einstellungen nach etwa sechs Monaten Betrieb
Qualitätsvoll gut arbeitende Betriebe hätten solche Vorgaben, wenn sie denn überhaupt als Vorgabe kommen sollten, nicht zu fürchten: diese setzen das vorhin Genannte ohnehin bereits um.
Aber dieses Praxis-Beispiel zeigt auch, dass nicht nur manche Wärmepumpen-Anlage Optimierungspotenzial hat.

Fehlerhaft abgedichtetes Bohrloch mit Leitungen der Außeneinheit einer Wärmepumpe ins Gebäudeinnere
Das Bohrloch durch die Wand war am Anfang nicht Licht- und Winddicht. Nach der Reparatur u. a. mit blauem Brunnenschaum wurde es so übergeben bzw. belassen. Dass dies so nicht korrekt ausgeführt ist (und in weiterer Folge zu Problemen führen kann), sei der Form halber angemerkt. - © Dr. Georg Benke

Wärmepumpe im Winter

Bei allen Arten von Wärmepumpen wird durch Kompression Wärme erzeugt, die zum Heizen oder zur Warmwasserbereitung genutzt wird. Anschließend entspannt sich das Medium, kühlt dabei ab und wird anschließend mithilfe von Umweltwärme (Außenluft, Grundwasser oder Abwärme) erneut erwärmt, bevor es wieder verdichtet wird.
Bei Luft-/Wasser-Wärmepumpen nimmt die Effizienz mit sinkender Außentemperatur deutlich ab. Im Extremfall kann es an sehr kalten Tagen passieren, dass eine Luftwärmepumpe nur noch geringe Effizienzvorteile gegenüber einer Stromdirektheizung bietet. Für den Einzelnen mag das verkraftbar sein, da die Mehrkosten (noch) überschaubar sind. Am Gesamtmarkt jedoch, mit einer großen Anzahl an Luftwärmepumpen, bringt dieser Effekt das Stromnetz als auch die Erzeugung im Winter an seine Grenzen. Verstärkt wird dies dadurch, dass bei vielen Anlagen an kalten Tagen ein Heizstab unterstützend einspringen soll.
Die Energiewirtschaft wird bzw. muss darauf über kurz oder lang reagieren. „Während mein Haushalt im Sommer täglich etwa 5 bis 7 kWh benötigt, sind es im Winter 40 bis 50 kWh. Mit dem neuen ElWG und dem flächendeckenden Einsatz von Smart Metern ist die Tür für zeitlich flexible Tarife geöffnet worden. Es ist durchaus denkbar, dass flexible Tarife künftig zum Standard werden: Während im Sommer die Kilowattstunde Strom nur wenige Cent kostet, könnte der Preis im Winter ein Vielfaches davon betragen. Zusätzlich wird die Leistungsfrage relevanter. Während bisher jedem Haushalt pauschal „Bezugsrechte“ von 4 kW zugestanden wurden, wird durch die Smart Meter der Leistungsmehrbedarf sichtbarer. Bei höherem Leistungsbedarf – verursacht in dem Fall durch die Wärmepumpe – ist diese zusätzliche Leistung auch zu bezahlen – sowohl auf der Netz- als auch bei der Anbieterseite“, gibt Energieexperte Dr. Georg Benke zu bedenken (er ist Gründungsgesellschafter des Beratungs- und Forschungsunternehmens e7, das sich auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz spezialisiert hat und große Betriebe dabei unterstützt, energieeffizienter zu werden).
Derzeit wird auf diese Problematik und die damit verbundene, potenzielle Kostensteigerung (im Winter) für die Konsumenten noch kaum eingegangen. Es ist daher davon auszugehen, dass es mit einer der nächsten Tarifreformen zu erheblichen Überraschungen für Besitzer von Wärmepumpen kommen könnte. Es würde dann wohl auch zu Leistungspreisen für Haushalte kommen. Wie die bestimmt werden, ist aber noch offen.
In den letzten Jahren lag bei e7 ein besonderer Schwerpunkt auf der HLK-Technik bei größeren Gebäuden. Durch die Überprüfung und anschließende Optimierung der bestehenden (!) Gebäudeleittechnik lassen sich oft erhebliche Kosten-Einsparungen bei der Energie erzielen – Einsparungen von 20 % und mehr sind dabei keine Seltenheit. Viele bestehende HLK-Anlagen erfüllen zwar ihre Grundfunktionen (Frischluft, Wärme, Kälte), doch auf die Effizienz der Bereitstellung wird oftmals im Betrieb wenig Wert gelegt. Für e7 ein durchaus lukratives Geschäftsfeld.