Erneuerbare Energie

So gelingt die Wärmewende in Österreich

Um Klimaneutralität zu erreichen – vor allem im festgelegten Zeitrahmen bis 2040 – muss noch an einigen Stellschrauben gedreht werden. Welche das sind und warum die Wärmewende ein regelrechter Jobmotor sein kann, erfahren Sie hier.

Branchenfokus DVEK EEÖ Wärmewende

Das Anfang Juli beschlossene Erneuerbaren Ausbau Gesetz (EAG) soll Österreich den Weg zu einer 100 Prozent erneuerbaren Stromerzeugung ebnen. Den größten Energiebedarf hat Österreich allerdings im Bereich der Wärme, nämlich ganze 50 Prozent. Der nächste logische Schritt, um bis 2040 klimaneutral zu sein, ist daher eine ausgeklügelte Wärmewende. „Mit einem offensiven Ausbau erneuerbarer Wärmetechnologien ist eine vollständige Dekarbonisierung der Wärmeversorgung in Österreich bis 2040 erreichbar“, betont Gerhard Oswald, Obmann des Dachverband Energie-Klima (DVEK) in der WKÖ. Damit sollten aber auch passende Gesetze für den Wärmesektor einhergehen, die den Unternehmen die nötige Planungssicherhit bieten.

Richtige Rahmenbedingungen schaffen

Um die Wärmewende zeitgerecht zu bewältigen, bedarf es geeigneter Rahmenbedingungen. Aus Sicht des EEÖ (Erneuerbare Energie Österreich), sind dies vor allem eine dringend erforderliche ökologische Steuerreform und ein Wärmegesetz, das einen konkreten Ausstiegsplan aus fossiler Energie für die nächsten Jahren festlegt. Da die Wärmeversorgung zum Teil im Kompetenzbereich der Bundesländer liegt, müsse der Ausstieg aus fossiler Wärme auch in Ländergesetzen verankert und umgesetzt werden. Flankierend brauche es zudem Maßnahmen zur sozialen Abfederung. 
In der Broschüre „Wärmewende Made in Austria – Wertschöpfung und Beschäftigung auf dem Weg zur Wärmewende 2040“ zeigt der DVEK auf, welche konkreten Rahmenbedingungen dafür erforderlich sind:

  • Technologievielfalt bei der Planung, Umsetzung sowie Förderbarkeit von erneuerbaren Wärmetechnologien (singulär und in Kombination)
  • Konkreter Maßnahmenplan für das sozial- und standortverträgliche Phase-Out fossiler Wärmeerzeugung im Gebäudesektor
  • Umsetzung der Sanierungsziele im Gebäudesektor
  • Maßnahmen zur Sicherung der Anlagenqualität
  • Planungssicherheit für Investoren durch zügige Genehmigungen, weniger Bürokratie und mehr Effizienz bei den Genehmigungsverfahren
  • Langfristige, stabile Förderprogramme für private und unternehmerische Planbarkeit
  • Fachkräfteinitiativen für Produktion und Installation der Anlagen
  • Ökologische Steuerreform

Die Potentiale der Wärmewende 

Der DVEK hat mit Unterstützung seiner Mitglieder zudem berechnet, welche Potentiale der Wärmewende in den Bereichen Klimazielerreichung, Wertschöpfung und Beschäftigung realisierbar sind – unter der Voraussetzung, dass die richtigen Rahmenbedingungen dafür geschaffen wurden. „Die Wärmewende ist ein Jobmotor, entscheidender Beitrag zur Klimaneutralität und Wertschöpfungsfaktor in Österreich. Diese Potentiale auch tatsächlich zu heben sollte Anspruch an das kommende Wärmegesetz sein, welches die Bundesregierung angekündigt hat“, so Oswald. 
Martina Prechtl-Grundnig, die Geschäftsführerin des EEÖ, ist ähnlicher Ansicht: „Die Wärmewende ist ein enormer Jobmotor, sie schafft Wertschöpfung und Arbeitsplätze, die wir in der aktuellen wirtschaftlichen Situation dringend brauchen. Immer größere Teile der Wirtschaft sehen nicht nur die wirtschaftlichen Chancen von Klimaschutz und dem Umstieg auf erneuerbare Energieversorgung, sondern haben sich unternehmensintern längst darauf ausgerichtet.“

Anzahl der Jobs in dem Bereich könnte sich verdoppeln

Laut dem DVEK könnte es bis zum Jahr 2040 knapp 66.000 Jobs im Sektor erneuerbare Wärme geben (zum Vergleich: 2010 waren es rund 23.300 Jobs). Das würde einer Steigerung von 180 Prozent entsprechen. Die sogenannten Green Jobs bei erneuerbarer Wärme werden beispielsweise durch Solarthermie, Wärmepumpe, Holzheizungen, Geothermie und Stromdirektheizungen geschaffen. Und: „Vor allem Planer und Ingenieurbüros, Technologieproduzenten, Handel und Anlageninstallateure profitieren von einer gut umgesetzten Wärmewende“, betont Prechtl-Grundnig. 
Gesetzliche Maßnahmen und verlässliche Förderprogramme sollten den Betrieben hier langfristig Planungssicherheit geben, damit sie die benötigten Fachkräfte ausbilden und beschäftigen können: „Um dieses Jobpotenzial auch gut zu nutzen, braucht es eine unterstützende Fachkräfteinitiative. Wir sind zuversichtlich, dass die Betriebe bei langfristig klaren Rahmenbedingungen in die Ausbildung investieren werden“, so Prechtl-Grundnig. 

Gesetzesentwurf liegt bereits vor

Das erneuerbare Wärmegesetz liegt inzwischen im Entwurf vor, auf den sich das Klimaschutzministerium und die Bundesländer weitgehend geeinigt haben. Das Finanzministerium muss dem Entwurf noch zustimmen, um den Weg zu Klimaneutralität 2040 freizugeben. Wenn alle beteiligten Entscheidungsträger konstruktiv daran mitarbeiten und vor allem umsetzen, was vereinbart worden ist, könnte das Gesetz sogar noch heuer vom Parlament beschlossen werden.