Crowdinvesting

"Mindestens zwei Millionen Kapital pro Jahr"

ÖGUT und Projektentwickler Energy Changes starten die Crowdinvesting-Plattform Crowd4Energy. Im HLK-Interview spricht Energy Changes-Geschäfsführer Gottfried Heneis über nächste Projekte, die Motivation von Investoren, sich zu engagieren und seine Finanzierungsziele.

Unternehmen

Warum sollte man denn eigentlich bei Ihnen investieren, Herr Heineis?

Gottfried Heneis: Jeder einzelne Bürger muss zu den Klimaschutzzielen beitragen. Crowdinvesting über unsere Plattform ermöglicht den Bürgern, zum Klimaschutz beizutragen und dies zu einem attraktiven Zinssatz ohne, dass der einzelne selbst Maßnahmen setzt. Es können auch Projekte, die von Banken nicht finanziert werden oder bei denen die Eigenmittelquote zu gering ist, über die Crowd finanziert werden.

Warum haben Sie sich zum Start für ein Kleinwasserkraftwerk entschieden?

Heneis: Das Kleinwasserkraftwerk am Wiener Neustädter Kanal war jenes Projekt, das am besten aufbereitet war und unmittelbar nach der Fertigstellung der Plattform umgesetzt werden konnte. Wir interessieren uns sowohl für erneuerbare Energie- als auch Energieeffizienzprojekte.

Was sind die nächsten Projekte? Welche Kriterien müssen sie erfüllen?

Heneis: Die nächsten Projekte werden vermutlich Photovoltaikanlagen sein. Das wichtigste Kriterium ist ein plausibler Businessplan, in dem die Rückführung des investierten Kapitals (Nachrangdarlehen) dargestellt wird. Außerdem müssen die Projekte dem Grundsatz der Nachhaltigkeit und der Energieeffizienz entsprechen.

Wie hoch schätzen Sie die Investitionsbereitschaft ein?

Heneis: Nachdem wir schon positive Erfahrungen mit Klimaschutzprojekten in Entwicklungsländern mit der Schwesterplattform Crowd4Climate gewonnen haben, bin ich für österreichische Projekte sehr optimistisch. Das Kleinwasserkraftwerk hat bereits die Fundingschwelle erreicht und es ist damit zu rechnen, dass vor Ablauf der Laufzeit das Gesamtvolumen von 300.000 Euro geschafft wird.

Wer wird Ihrer Meinung nach investieren?

Heneis: Da unsere Plattform sowohl am österreichischen als auch deutschen Markt berechtigt ist, Kapital zu akquirieren, wird die Zusammensetzung der Investoren sehr heterogen sein. Wir hoffen natürlich, dass wir gemeinsam mit unserem Projektbetreiber auch viele regionale Investoren aus der Umgebung von Kottingbrunn und Pfaffstätten überzeugen und motivieren können.

Dabei ist man mit mindestens 250 Euro. Was ist der maximale Wert?

Heneis: Im österreichischen Alternativfinanzierungsgesetz sind aus Konsumentenschutzgründen maximal 5.000 Euro festgeschrieben. Dieser Wert soll verhindern, dass jemand zu viel Geld in ein Einzelprojekt steckt und seine Existenz - insbesondere bei Start-up-Finanzierungen – gefährdet.

Sollen Projekte in Zukunft im Vorfeld finanziert werden?

Heneis: Uns interessieren sowohl realisierte Projekte, wo durch Crowdfunding Eigenmittel oder Kreditlinien für neue Projekte frei werden, als auch die Finanzierung von neuen Projekten, denen Eigenkapital fehlt.

Gibt es Vergleichbares in anderen Ländern? Und wie klappt das dort?

Heneis: In Deutschland gibt es etwa LeihDeinerUmweltGeld. Crowdfunding ist aber bereits in vielen Ländern gut entwickelt und erlebt durch die strikten Kreditvergaberichtlinien der Banken eine rasante Aufwärtsentwicklung.

Was ist Ihr Ziel?

Heneis: Unser Ziel ist in unseren beiden Crowdfunding-Plattformen Crowd4Energy und Crowd4Climate zusammen jährlich mindestens zwei Millionen Euro an Kapital aufzustellen.

Danke für das Gespräch.