Fernkälte ist gefragt

Hitzewelle: Fernkälte-Markt erzielt Absatzrekord

Energieversorger erwarten ein fortschreitendes Wachstum des Fernkälte-Markts. In den vergangenen Jahren hat sich der Markt bereits versechsfacht. In 20 Jahren soll genau so viel Kühl- wie Heizenergie benötigt werden.

Mit den steigenden Temperaturen steigt auch die Nachfrage nach Fernkälte.

147 Gigawattstunden Kälte wurden im Rekordsommer 2017 abgesetzt, rund 6,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Seit 2009 hat sich der Verkauf von Fernkälte auf dem österreichischen Markt demnach nahezu versechsfacht. Die installierte Fernkälteleistung lag Ende 2017 bei 134 Megawatt – gegenüber 2016 war das ein Plus von 3,9 Prozent. Auch dieses Jahr sorgt die anhaltende Hitzewelle für einen Absatzrekord der österreichischen Fernkälte. Energieversorger erwarten, dass der Markt für Fernkälte gegenüber 2017 bis 2023 um 53 Prozent zulegen wird. Von heuer bis 2023 sind Investitionen in Höhe von 83 Millionen Euro für den Fernkälteausbau geplant. Vor einem Jahr war die Branche von einer Investitionssumme von rund 50 Millionen ausgegangen. Neue Fernkälteprojekte in Linz, St. Pölten und Wien sorgen für einen weiteren Schub beim Absatz von Fernkälte.

Ausbau der Fernkälte

Der neue Zubau beim Universitätsklinikum St. Pölten ist an das Fernkältenetz angeschlossen. Das sorgt heuer in der niederösterreichischen Landeshauptstadt bei einer Anschlussleistung von 8,5 Megawatt für eine Absatzsteigerung bei Fernkälte um etwa ein Drittel – auf acht Gigawattstunden Kälteabsatz. 

In Linz wurden zuletzt ein Unternehmensgebäude und der neue LUX-Tower mit einer Leistung von knapp 500 Kilowatt an das Fernkältenetz angeschlossen. Kommendes Jahr soll auch die Fernkälteleistung der Linzer Tabak Fabrik von derzeit rund 0,5 auf 1,1 Megawatt ausgebaut werden. Damit wird die Linz AG ihre Anschlussleistung um etwa ein Megawatt auf insgesamt 12,1 Megawatt Fernkälte ausbauen.  

© FGW, Statistik Austria

2017 wurden in Österreich 147 Gigawattstunden Kälte abgesetzt. Das waren 6,6 Prozent mehr als im Jahr davor.

Ein neues Wiener Projekt, das ebenfalls mit Fernkälte versorgt wird, ist der Austria Campus. Auf diesem Gelände des ehemaligen Nordbahnhofs hat der neue Campus eine Bruttogeschoßfläche von rund 300.000 Quadratmetern. Hier versorgt Wien Energie als Komplettenergieanbieter den Kälteleistungsbedarf von zwölf Megawatt. Für die Kälteversorgung wurde am Austria Campus eine Kältezentrale mit Kompressionskältemaschinen errichtet, mit denen fünf Objekte über eigene Kälteleitungen versorgt werden. 

Fernkälte immer stärker im Kommen

„Diese Beispiele zeigen: Fernkälte ist immer stärker im Kommen“, sagt Peter Weinelt, Obmann des Fachverbands Gas Wärme, „weil wir überzeugt sind, dass die Zukunft der umweltschonenden Fernkälte gehört.“ Aufgrund des Klimawandels steigen Kühlbedarf und damit auch die Nachfrage nach der sauberen, klimaschonenden Fernkälte weiter stark an. Auch aufgrund der für Österreich ungewöhnlich langen, fast durchgehenden Wärmeperiode von April und Mai bis Ende Juni und der heißen Sommermonate rechnet Michael Mock, Geschäftsführer des FGW, mit einem neuerlichen Absatzrekord bei Fernkälte. Langfristige Prognosen des Fachverbands zeigen, dass in Österreich aufgrund der Klimaerwärmung in 20 Jahren in etwa genauso viel Kühlenergie benötigt werden könnte wie Heizenergie. 

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