Weniger Verbrauch

Coronavirus lässt Strom-Großhandelspreise sinken

Die Coronavirus-Pandemie lässt die Großhandelspreise für Strom sinken. Sie ist aber nicht der einzige Grund dafür.

Strom Energie Coronavirus

Die Großhandelspreise für Strom sinken derzeit.

Die Strom-Großhandelspreise sinken angesichts des niedrigeren Stromverbrauchs wegen der Coronavirus Pandemie, aber auch wegen der niedrigeren Preise für Gas und CO2-Zertifikate, sagte Johannes Mayer, Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der Energieregulierungsbehörde E-Control, am Montag zur APA. Wann sich diese Rückgänge bei den Verbrauchern auswirken, hängt auch vom jeweiligen Tarif ab. 

Niedrigere Preise in Industrie spürbar

Relativ rasch kommen Preisänderungen in der Industrie an. Auch Haushalte, die einen sogenannten Floater-Tarif haben, der an die Börsenpreisentwicklung gebunden ist, profitieren schon bald. Bei diesen Tarifen erfolgt die Anpassung automatisch. Die Rechnungen werden sich relativ stark nach unten bewegen, ähnlich wie in der Industrie, erwartet Mayer. Diese Senkungen könnten dann ab Mai kommen. Auf der reinen Energiekomponente könnten das zwischen zehn und 15 Prozent sein, für die Gesamtrechnung inklusive Netzkosten sowie Steuern und Abgaben drei bis fünf Prozent.

Bei allen anderen Verträgen geht Mayer davon aus, dass es frühestens Preissenkungen in der zweiten Jahreshälfte geben wird, falls es weiterhin so niedrige Großhandelspreise gibt wie derzeit. Hier wirken sich Veränderungen der Großhandelspreise weniger rasch aus als bei Tarifen, die an die Entwicklung der Börsenstrompreise gebunden sind. 

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Energieverbrauch sinkt

Der Stromverbrauch in Österreich ist rückläufig - in den Bundesländern dürften es zwischen zehn und 20 Prozent weniger sein als im Jahr davor, so Mayer. Die Wien Energie hat gestern bekanntgegeben, dass Wien derzeit bis zu 20 Prozent weniger Energie verbraucht wird, auf 24-Stunden-Basis liege der Bedarf rund zehn bis 15 Prozent niedriger. 

Die Strom-Großhandelspreise in Österreich lagen laut Mayer am 24. Februar und auch am vergangen Montag noch knapp über 30 Euro pro Megawattstunde (MWh). Seither ging es bergab, heute, Montag, waren es nur mehr 17 Euro/MWh. Ob das nun ein Ausreißer sei oder ein konstant niedriger Wert, lasse sich noch nicht sagen, dafür sei es noch etwas zu früh. Auch die niedrigen Gaspreise sind deutlich niedriger: Am 24. Februar waren es noch 10,24 Euro/MWh. Am Freitag lag der Großhandelspreis nur mehr bei 9,20 Euro/MWh. Das verbilligt auch die Stromerzeugung in den Gaskraftwerken. Stark gefallen sind auch die Preise für CO2-Zertifikate. Am Freitag waren es rund 16,4 Euro pro Tonne, am 24. Februar rund 24,8 Euro/Tonne. 

Auch für die nächsten Monate wird an den Strombörsen mit weiterhin relativ niedrigen Strom-Großhandelspreise gerechnet - für April und Mai mit unter 20 Euro pro Megawattstunde. (apa/red)

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