Studie der Universität für Bodenkultur Wien : Kühlbedarf in Österreich wird rasant wachsen

Hochhaus mit vielen Klimageräten

Die Hitze wird zur Herausforderung, insbesondere für Städte. Die Studie „Urbaner Kältebedarf Österreich 2030/2050“ der BOKU analysiert, wie stark der Kühlbedarf in Österreich ansteigen könnte.

- © HLK/ E. Herrmann

Die Studie „Urbaner Kältebedarf Österreich 2030/2050“ der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) gemeinsam mit Forschungspartnern liefert erstmals eine umfassende (und geografisch detaillierte) Analyse des künftigen Kühlbedarfs von Gebäuden in Österreich. Dabei weisen die alpin geprägten Bundesländer eine deutlich stärkere relative Zunahme auf als der Osten Österreichs, denn künftig werden sich auch die höher gelegenen Regionen stärker als bisher erwärmen. Die eigens entwickelte Kältematrix dient als Werkzeug für Politik und Wirtschaft.

Energiehunger für Kühlung wächst rasant

Die Hitze wird zur Herausforderung, insbesondere für Städte. Der steigende Kühlbedarf wird getrieben durch Klimawandel, räumliche Dynamik und Urbanisierung sowie wachsenden Wohlstand und den damit verbundenen höheren Komfortansprüchen. „Besonders stark betroffen sind Ostösterreich bzw. die größeren Städte unseres Landes“, betont Lore Abart vom Institut für Raumplanung, Umweltplanung und Bodenordnung an der BOKU. „Je nach Szenario wird für das Jahr 2050 ein absoluter Kältebedarf von bis zu 6,3 Terawattstunden prognostiziert – verglichen mit dem aktuellen Kältebedarf von 2,5 Terawattstunden (2021) ist dies ein erheblicher Anstieg, der sowohl ökologische als auch ökonomische Konsequenzen hat“. 
Die Monate mit den höchsten Kältebedarfensind Juli und August mit einem Anteil von jeweils 34 bis 35 % an den jährlichen Kältebedarfen insgesamt.
Der Anstieg des Kältebedarfs äußert sich auch in einer Zunahme der Kälteleistung: Für das Jahr 2050 wird österreichweit – je nach Szenario – eine maximale absolute Kälteleistung von bis zu 18,6 Gigawatt prognostiziert (zum Vergleich: 2021 lag die Kälteleistung rd. 12,6 Gigawatt). Dabei entfallen rund drei Viertel der Kälteleistung auf Wohnungen, ein Viertel ist den Büros zuzuordnen.

Gebäudequalität ist Schlüsselfaktor

Neben dem jeweiligen Wetter und dem Ausmaß an Wohn- und Büroflächen beeinflussen vor allem Fensterqualität und Sonnenschutz, Glasanteil der Fassade sowie Wärmedämmung der Außenwand den Kühlbedarf. Weiters hat das angestrebte Komfortniveau in Innenräumen einen erheblichen Einfluss. Auch die Gebäudenutzung spielt eine große Rolle – etwa im Hinblick auf innere Wärmelasten aus Geräten oder Personenbelegung, die in Bürogebäuden erheblich höher sind als in Wohngebäuden.
In der Studie wird betont, dass nachhaltige, passive Kühlmaßnahmen wie Verschattung, Möglichkeiten der Lüftung oder Sonnenschutzverglasung immer Vorrang vor aktiver Kühlung haben sollten. Erst wenn diese Möglichkeiten ausgeschöpft sind, sollen  energieintensivere Systeme wie Kompressionskältemaschinen oder Fernkälte in Betracht kommen.

Kältematrix: Werkzeug für Wirtschaft und Politik

Mit einer eigens entwickelten Kältematrix, die der Bestimmung des Kältebedarfs und der Kälteleistung verschiedener Gebäudetypen in Abhängigkeit von den Kühlgradtagen dient, und dank umfangreichem Kartenmaterial zu Kältebedarf und Kälteleistung aller österreichischen Städte und Gemeinden liefert die Studie konkrete Entscheidungsgrundlagen für:

  • Klimaschutzmaßnahmen und Klimawandelanpassungsstrategien
  • Städteplanung und Bauvorschriften
  • Energieversorger und Technologiehersteller
  • Kluge Kühltechnologien als Schlüssel für Klimaschutz und Kostenersparnis

Die Sommer in Österreich werden heißer – und insbesondere unsere Städte müssen darauf vorbereitet sein. Wer jetzt in Gebäudestandards, Stadtplanung und kluge Kühltechnologien investiert, kann Kosten sparen, den Energieverbrauch senken und den Klimaschutz voranbringen“, so Lore Abart. „Dabei ist angesichts der räumlichen Verteilung von Kältebedarf und Kälteleistung innerhalb Österreichs die Problemlage differenziert zu beurteilen und erscheint für die Formulierung strategischer Überlegungen zum Umgang mit dem Kältebedarf eine räumlich differenzierte Herangehensweise zielführend“.
Weitere Informationen und Grafiken zur Studie „Urbaner Kältebedarf in Österreich 2030/2050 samt Kältematrix finden sich auf der Online Plattform Nachhaltig Wirtschaften des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) unter www.nachhaltigwirtschaften.at.

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