Fünf Parameter zum Selbsttest für Hausbesitzer : Ist das eigene Haus bereit für eine Wärmepumpe?

renoviertes Haus mit Wärmepumpen-Außeneinheit von WOLF davor

Wer an eine neue Heizung für das eigene Haus denkt, kann anhand von fünf Parametern selbst checken, ob eine Wärmepumpe dafür die geeignete Variante ist.

- © Wolf Klima- und Heiztechnik GmbH

Wenn Öl und Gaspreise gestiegen sind, weil es an der Zeit ist oder es sinnvoll erscheint, erwägen viele Österreicher (m/w/d) das Heizsystem zu erneuern. Eine Wärmepumpe ist für viele Hausbesitzer eine mögliche Option in Richtung nachhaltiges Heizen. Doch davor gilt es zu klären, ob das Haus überhaupt dafür geeignet ist. „Ein einfacher und schneller Selbsttest kann hier Abhilfe schaffen“, so Martin Kloboucnik, Co-CEO von WOLF Klima- und Heiztechnik in Österreich. Er erklärt welche Parameter sich Hausbesitzer im Eigenheim anschauen sollten, um zu eruieren, ob das eigene Gebäude wärmepumpenfit ist. 

Parameter 1: Vorlauftemperatur mit „55-Grad-Check“ testen

Der „55-Grad-Check“ ist ein einfacher Praxistest, um zu überprüfen, ob ein Haus bereits mit niedriger Vorlauftemperatur warm wird, was für den Betrieb einer Wärmepumpe ideal wäre/ ist. Die Vorlauftemperatur bezeichnet dabei die Temperatur, auf die das Heizungswasser erwärmt wird, bevor es durch die Heizkörper in die Räume gelangt. So funktioniert der Test:
1.)       Die maximale Vorlauftemperatur an der Heizungssteuerung auf 55 Grad einstellen.
2.)       Die Heizung normal weiterlaufen lassen (idealerweise an einem kalten Tag).
3.)       Die Räume beobachten:
a.         Werden alle Wohnräume warm?
b.         Bleibt die Temperatur angenehm?
c.         Gibt es Räume, die spürbar zu kühl bleiben?
4.)       Man sollte dem Haus „Zeit geben“, sich der niedrigeren Temperatur anzupassen und das Verhalten über mindestens zwei Tage beobachten.

Was sagt das Ergebnis?

Wenn alle Räume im Haus warm werden – sehr gute Voraussetzungen für eine Wärmepumpe. In vielen Fällen ist keine große Umrüstung nötig – oftmals reicht der Austausch der Heizung. 
Einzelne Räume bleiben kühl – das Gebäude ist grundsätzlich geeignet, allerdings sind kleinere Optimierungen notwendig, beispielsweise ein größerer Heizkörper, ein hydraulischer Abgleich oder eine Dämmmaßnahme.
Das Haus ist deutlich zu kalt – in diesem Fall sollte zuallererst das Gebäude optimiert werden, beispielsweise gilt es die Dämmung zu überprüfen oder modernere Heizkörper einzubauen. 
Der „55-Grad-Check“ ist einer der schnellsten Wege, um selbständig eine Einschätzung zu bekommen, ob ein Haus bereit für eine Wärmepumpe ist und ob noch Maßnahmen davor notwendig sein könnten“, betont Martin Kloboucnik

Parameter 2: Dämmung prüfen

Eine gute Gebäude-Dämmung sorgt dafür, dass die Wärme im Haus bleibt und die Wärmepumpe entsprechend effizient arbeiten kann. Dach, Wände und Fenster sollten daher gut isoliert sein. 
 Prüfen, ob Dach, oberste Geschoßdecke und Kellerdecke gedämmt sind.
 Wie fühlen sich die Außenwände im Inneren des Gebäudes an (bei einem kalten Tag): eher kalt oder spürbar warm?
 Prüfen, ob die Fenster dicht sind (im besten Falle dreifach verglast). 
Wenn alle Punkte zutreffen, bringt das Haus bereits sehr gute Voraussetzungen für den Einsatz einer Wärmepumpe mit. Als Faustregel gilt: Ein Gebäude mit einem Heizwärmebedarf von unter 100 – 120 kWh/m²a (Kilowattstunden pro Quadratmeter im Jahr) ist in der Regel wärmepumpentauglich. 

Parameter 3: Das bestehende Wärmesystem prüfen

Schauen, ob alle Räume gleichmäßig warm werden.
Die Größe der Heizkörper prüfen (größere Heizkörper sind empfehlenswert). 
Werden die Heizkörper bei niedriger Temperatur warm genug?
Dazu muss man wissen: Wärmepumpen harmonieren besonders gut mit Flächenheizsystemen wie Fußboden- oder Wandheizung, da diese bei niedrigen Vorlauftemperaturen betrieben werden können. Es gibt aber auch moderne Heizkörper, die speziell für den Betrieb mit einer Wärmepumpe ausgelegt sind.

Parameter 4: Platz für Wärmepumpe? Lärmschutz beachten!

Draußen: Man sollte prüfen, ob im Garten oder an der Hauswand genug Platz für die Außeneinheit einer Wärmepumpe vorhanden ist – die benötigte Grundfläche entspricht in etwa einer Euro-Palette
Für den Lärmschutz ist es wichtig, dass ein ausreichender Mindestabstand zu Nachbargrenzen eingehalten wird, um geltende Schallschutzanforderungen zu erfüllen.
Innen: Gibt es einen geräumigen Technikraum oder Keller, in dem eine Wärmepumpe (Inneneinheit) aufgestellt werden kann?

Parameter 5: Der Stromanschluss-Check

Ist der Sicherungskasten modern und nicht älter als 20 Jahre?
Gibt es einen Starkstromanschluss im Keller oder Heizraum?
Sind im Verteilerkasten noch freie Plätze für neue Sicherungen/ Leitungsschutzschalter?
Ist der Stromanschluss neueren Datums und ausreichend dimensioniert, steht der Installation einer Wärmepumpe in der Regel nichts im Weg. 
Ist die Elektrik aber bereits älter oder der Verteilerkasten voll, sollte der Anschluss vor einem etwaigen Umstieg überprüft und gegebenenfalls angepasst werden!

Kleine Maßnahmen – große Wirkung

Selbst wenn nicht alle Parameter des selbst durchgeführten Gebäudechecks positiv ausfallen sollten, bedeutet das nicht, dass keine Wärmepumpe eingebaut werden kann. Oft können schon kleinere Anpassungen genügen, um eine Wärmepumpe effizient betreiben zu können: Der Tausch der Heizkörper, die Teilsanierung der Gebäudehülle (beispielsweise die Optimierung der Dachdämmung) oder der hydraulische Abgleich (= das Einstellen der Heizungsanlage, damit alle Räume gleichmäßig warm werden) kann schon helfen. „Selbst ältere Häuser lassen sich mit überschaubaren Optimierungen wärmepumpenfit machen. Der Gebäudecheck gibt Hausbesitzern eine erste Einschätzung und zeigt auf, welche Bereiche man sich vor einer Installation noch einmal genauer anschauen sollte“, unterstreicht Martin Kloboucnik, Co-CEO von WOLF Klima- und Heiztechnik GmbH.
Man könnte auch eine hybride Nutzung in Betracht ziehen (Gas- oder Ölkessel werden weiter betrieben, aber mit Wärmepumpe kombiniert) – viel Gas oder Heizöl sind dadurch einsparbar und man hätte zugleich auch eine gewisse Ausfallsicherheit, wenn eines der Heizsysteme „streiken“ sollte (Anm.: für die hybride Nutzung einer Wärmepumpe gibt es aber derzeit keine Förderung, denn nur der Tausch fossiler Heizungen wird vom Staat finanziell gefördert; die alte Heizung muss also rausgerissen werden). Aus den vorgenannten Gründen (Brennstoff-Einsparung, Ausfallsicherheit) könnte eine Hybrid-Heizung aber auch ohne Förderung überlegenswert sein
Dieser Selbstcheck dient natürlich nur einer ersten Einschätzung, ob ein Wärmepumpensystem für das eigene Haus überhaupt in Frage käme – sollte es mit der neuen Wärmepumpe ernst werden, müssen alle Details mit einem Installationsprofi abgeklärt werden.

Martin Kloboucnik, Co-Geschäftsführer der WOLF Klima- und Heiztechnik in Österreich
Martin Kloboucnik (Co-Geschäftsführer der WOLF Klima- und Heiztechnik in Österreich) gibt Tipps zum Selbsttest, ob das eigene Haus wärmepumpenfit ist. - © Wolf Klima- und Heiztechnik GmbH/ Fotostudio Eder Linz