Fernwärme für Wien

Geothermie-Forschung zeigt Heißwasser-Potenzial

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© Wien Energie/APA-Auftragsgrafik

Die Wärmeversorgung ist ein wesentlicher Schlüssel für erfolgreichen Klimaschutz in der Stadt Wien. Im Fokus steht dabei auch die Geothermie.

„Wien heizt heute schon sehr umweltfreundlich! Um unser Ziel zu erreichen, die Wärmeversorgung bis 2040 komplett zu dekarbonisieren, brauchen wir weitere erneuerbare Wärmequellen. An einer davon forscht Wien Energie mit dem Projekt ‚GeoTief Wien‘ – und das mit Erfolg. Das 3D-Modell vom Wiener Untergrund ist ein Paradebeispiel für interdisziplinäre Forschung. Gemeinsam arbeiten wir nachhaltig an einer klimaneutralen Energiezukunft!“, erklärt Peter Hanke, Stadtrat für Wirtschaft, Finanzen und Wiener Stadtwerke.

Geothermie für Wärmewende entscheidend

Fernwärme ist für die Wärmewende – also den Umstieg auf erneuerbare Wärmeversorgung – ein zentrales Element. 2040 sollen rund 56 % des Wärmebedarfs der Stadt Wien über Fernwärme, der Rest im Wesentlichen über Wärmepumpen gedeckt werden. Die Fernwärme soll dann gänzlich klimaneutral sein. Neben der Müllverbrennung und der Abwärmenutzung spielt dabei Geothermie eine wichtige Rolle. „Damit Klimaschutz in Wien erfolgreich ist, müssen wir unsere Wärmeversorgung noch umweltfreundlicher aufstellen. In der Tiefen Geothermie – also Heißwasservorkommen mehrere tausend Meter unter der Stadt – liegt dabei großes Potenzial“, ist Michael Strebl, Vorsitzender der Wien Energie-Geschäftsführung, überzeugt. „Unter Wien schlummert ein riesiges Wärmevorkommen! Dieses wollen wir in Zukunft für die Wärmeversorgung nutzen. Mit dem 3D-Modell haben wir jetzt ein detailliertes Bild vom Wiener Untergrund in der Hand und können uns an die Planung von konkreten Projekten machen. Bis 2030 wollen wir bereits bis zu 125.000 Haushalte mit Wärme aus der Tiefe versorgen können!“, so Strebl weiter.

Das „Aderklaaer Konglomerat“

Seit 2016 erforscht der Energiedienstleister Wien Energie im Projekt GeoTief Wien gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Industrie umfassend den geologischen Untergrund im Großraum Wien. durchgeführt. Dafür wurden 2017 auf einem Gebiet von rund 175 Quadratkilometern 16.000 kabellose Sensoren ausgelegt, die seismische Reflexionen aus dem Untergrund aufgezeichnet haben. Mit speziellen Fahrzeugen wurden dafür Schwingungen – ähnlich wie bei einem Ultraschall – in den Erdboden geschickt. 50 Terabyte Daten wurde anschließend mit modernster Rechentechnik analysiert und mit den Bestandsdaten zusammengeführt.

Jetzt liegen konkrete Ergebnisse der 3D Seismik Messungen in Form eines umfassenden geologischen 3D-Modells von GeoTief Wien vor: In rund 3.000 Metern Tiefe liegt ein vielsprechendes Heißwasservorkommen mit bis zu 100° C, das sogenannte „Aderklaaer Konglomerat“ (Anm.: Aderklaa ist eine kleine Ortschaft in NÖ unweit von Wien).

Das Potenzialgebiet erstreckt sich oberirdisch von Wien-Donaustadt bis -Simmering. In diesen Gebieten sieht Wien Energie auf Basis des 3D-Modells Chancen, die Heißwasservorkommen für die erneuerbare Fernwärme nutzen zu können. Die Forschungen schätzen ein Potenzial von bis zu 120 Megawatt thermischer Leistung.

Mit einem praktischen Test in Wien-Essling ist das Forschungsprojekt GeoTief Wien in seiner vorerst letzten Phase. Seit Oktober bis Ende des Jahres 2021 werden am ehemaligen Erkundungsbohrplatz von Wien Energie Untersuchungen durchgeführt, die weitere Informationen zu den Gesteins- und Heißwasser-Eigenschaften im Aderklaaer Konglomerat liefern sollen.