70 % der Messstellen meldeten im April 2026 niedrige Pegel : Grundwasserstände in Österreich bedenklich
Grundwasserstand am 30.04.2026 in Österreich in Prozent im Vergleich zum langjährigen Mittelwert Ende April (Datengrundlage: Hydrographie Österreich).
- © BMLUK/ Wasserhaushalt Österreich/ Monatsbericht April 2026Haushalte, (Land-)Wirtschaft, Industrie benötigen es – Wasser. Österreich ist zwar im Vergleich zu anderen Ländern weltweit sehr gut mit Wasser versorgt. Das österreichische Trinkwasser wird zu 100 % aus Grundwasser (Brunnen und Quellen) gewonnen. Rund 92 % der Bevölkerung werden über öffentliche Anlagen versorgt. Wasser ist in Österreich zwar ausreichend vorhanden, aber nicht unbegrenzt zur gleichen Zeit am gleichen Ort verfügbar. Und wenn der der Segen von oben länger ausbleibt, kann es auch hierzulande problematisch werden.
Der Wasserhaushaltsbericht 2026 des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz (BMLUK) zeigt eine alarmierende Lage.
Trockenheit verschärft die Lage
Rund 70 % der Messstellen in Österreich wiesen im April 2026 unterdurchschnittliche Grundwasserstände auf. Geringe Niederschlagsmengen und sinkende Grundwasserstände setzen die Trinkwasserversorgung somit zunehmend unter Druck.
Die aktuellen Klimadaten verschärfen die Sorgen: Der April 2026 war laut GeoSphere Austria einer der trockensten seit Beginn der Messungen 1858. In sieben Bundesländern lagen die Niederschlagsdefizite zwischen -65 und -75 %. Teilweise fiel nicht einmal 15 % der durchschnittlichen Regenmenge eines Aprilmonats. Bereits Ende März 2026 wiesen rund 65 % der Grundwassermessstellen niedrige Niveaus auf. Auch der in den letzten Tagen gefallene Niederschlag entschärft die aktuelle Situation nicht wesentlich.
ÖVGW fordert Vorrang für Trinkwasserversorgung
„Niedrige Grundwasserpegel und geringe Quellschüttungen sind heute kein regionales Phänomen mehr, sondern können mittlerweile in ganz Österreich auftreten“, warnt Mag. Nikolaus Sauer, Vizepräsident der ÖVGW (Österreichische Vereinigung für das Gas- und Wasserfach) und Sprecher des Wasserfaches. Die Versorgung der Haushalte mit rund 130 Litern Trinkwasser pro Person und Tag müsse „unter allen Umständen gewährleistet werden“. Die ÖVGW, die über Kooperationen mit Landesverbänden mehr als 2.000 Wasserversorger in Österreich vertritt, fordert deshalb klare gesetzliche Rahmenbedingungen. „Im Fall einer temporären Wassermangelsituation muss die Trinkwasserversorgung jedenfalls Vorrang vor anderen Nutzungen haben“, so Sauer.
„Blindflug“ bei Wasserentnahmen
Besonders dringlich sei zudem die verpflichtende Aufzeichnung aller Wasserentnahmen. Derzeit könne nicht festgestellt werden, wie viel Wasser insgesamt aus Grundwasserkörpern entnommen werde. „Wir sind hier im Blindflug unterwegs“, erklärt Sauer. „Wir müssen jetzt ins Handeln kommen. Es ist eine zügige legistische Umsetzung des im Regierungsprogramm verankerten Entnahmeregisters und die entschädigungsfreie Vorrangstellung der Trinkwasserversorgung notwendig.“
Die ÖVGW appelliert in einer Aussendung eindringlich an die Bundesregierung, rasch zu handeln. Um die langfristige Versorgungssicherheit mit Trinkwasser für die Bevölkerung sicherzustellen, seien zusätzliche Investitionen in die bestehende Infrastruktur notwendig (Ausbau von Rohrnetzen, Speicheranlagen, Verbindungsleitungen).
„Gleichzeitig ist es wichtig, die Versorgung breiter aufzustellen, etwa durch die Erschließung zusätzlicher Wasserspender wie Quellen und Brunnen, sowie der Bau von größeren Transportleitungen, die das Wasser von wasserreicheren Regionen in wasserärmeren Regionen transportieren“, betont Mag. Nikolaus Sauer, Vizepräsident der ÖVGW. Der Ausbau und Erhalt der Infrastruktur sei jedoch kostenintensiv und erfordere gezielte Anreize sowie Kofinanzierungen durch die öffentliche Hand.
„Nicht zuletzt ist auch ein stärkeres Bewusstsein in der Bevölkerung und bei anderen Wassernutzern (Industrie und Landwirtschaft) für einen verantwortungsvollen Umgang mit der wertvollen Ressource Wasser entscheidend für die langfristige Versorgungssicherheit“, so Sauer.
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