Universität Rostock und HZDR gründen HEDI : Fusionsforschung startet bei unseren Nachbarn
Symbolische Gründung von HEDI zur Fusionsforschung (v. l.): Michael Zimmermann, Michael Kretschmer, Elizabeth Prommer, Manuela Schwesig, Sebastian M. Schmidt.
- © HZDR | Kalina ZheynovaFusionsreaktionen sind die Ursache dafür, dass die Sonne und alle leuchtenden Sterne Energie liefern bzw. abstrahlen. Dass Fachhandwerker kleine Fusionsreaktoren bei Gebäuden installieren, ist bis dato zwar reinste Utopie - aber in ferner Zukunft? Vorerst müssen aber die Mechanismen noch genau verstanden werden (ehe man sich an praktikable, technische Lösungen wagt).
Die Fusionsforschung gilt weltweit als eine der vielversprechendsten Perspektiven für eine sichere, klimaneutrale und langfristig verfügbare Energieversorgung. Auch die Bundesregierung unseres Nachbarn misst ihr in der Hightech-Agenda Deutschland eine zentrale strategische Bedeutung bei. Um die Grundlagen dieser Zukunftstechnologie entscheidend voranzubringen, bündeln die Universität Rostock und das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) nun ihre Expertise auf dem Gebiet der Hochenergiedichtephysik und haben im Juni 2026 in Anwesenheit der Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern (Manuela Schwesig) und des Sächsischen Ministerpräsidenten (Michael Kretschmer) sowie weiterer Vertreter (m/w/d) aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft die High Energy Density Initiative (HEDI) gegründet.
Das HZDR baut im Rahmen dieser Initiative zudem das Anfang Juni gegründete Institut für Hochenergiedichtephysik am Standort Rostock auf, das zu 90 % von Bund und zu 10 % vom Freistaat Sachsen finanziert wird. Mit einer Investition von 20 Mio. Euro unterstützt das Land Mecklenburg-Vorpommern den Aufbau von HEDI und finanziert einen Forschungsneubau, dessen Fertigstellung bis 2030 vorgesehen ist.
Damit entsteht in Rostock ein Standort für Spitzenforschung, der dauerhaft hochqualifizierte Wissenschaftler (m/w/d) anziehen und zusätzliche Forschungsinvestitionen in die Region bringen soll.
Forschung unter Bedingungen wie im Inneren von Sternen
Im Mittelpunkt der Forschung stehen extreme Materiezustände, wie sie sonst nur im Inneren von Planeten und Sternen vorkommen. Die Wissenschaftler (m/w/d) untersuchen, wie sich Materie unter enormen Drücken und Temperaturen verhält und welche physikalischen Prozesse dabei ablaufen.
Diese Erkenntnisse sind entscheidend für die Weiterentwicklung der sogenannten Trägheitsfusion, bei der Kernfusion durch hochintensive Laserpulse ausgelöst wird. Für die spätere Nutzung der Fusionsenergie ist ein tiefes Verständnis der komplexen Vorgänge während der Kompression und Zündung des Fusionsbrennstoffs unerlässlich.
Gemeinsam mit internationalen Partnern wird HEDI (High Energy Density Initiative) insbesondere die Eigenschaften warmer dichter Materie und heißer dichter Materie erforschen. Zu den ersten wissenschaftlichen Schwerpunkten gehören die Projekte „Mischungen leichter Elemente bei Megabar-Drücken“ sowie „Dynamische Eigenschaften heißer dichter Materie bei Gigabar-Drücken“.
International vernetzt für die Energietechnologien von morgen
Die beiden HEDI-Gründungsdirektoren, Prof. Ronald Redmer und Prof. Dominik Kraus, haben bereits ihre ersten Forschungsteams aufgebaut und internationale Projekte gestartet. Darüber hinaus wird derzeit eine dritte Professur für Angewandte Hochenergiedichtephysik vorbereitet, die 2027 besetzt werden soll.
HEDI arbeitet eng mit dem European XFEL in Schenefeld sowie weiteren Partnern im In- und Ausland zusammen. Darüber hinaus wird sich HEDI an der Hightech Agenda Deutschland und am Förderprogramm „Fusion 2040“des deutschen Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) beteiligen, das die Entwicklung eines Fusionskraftwerks in Deutschland vorantreiben soll. Bereits heute besteht eine Zusammenarbeit mit dem Fusionsunternehmen Marvel Fusion, das an laserbasierter Kernfusion zur zukünftigen Energiegewinnung arbeitet.
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