5. November 2013

Zweiter Sanierungstag im Architekturzentrum Wien

Der Ausschuss Nachhaltiges Bauen der Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten veranstaltet gemeinsam mit dem Fachverband Steine-Keramik der Wirtschaftskammer Österreich zum zweiten Mal einen Sanierungstag.

Unternehmen

Veranstalter sind die Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten (bAIK) und der Fachverband Steine-Keramik in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO). Auf der Fachtagung referieren und diskutieren ExpertInnen aus Architektur, Bauwesen, Industrie und Politik. Ihr Thema: Welche Forderungen müssen an die Politik gestellt werden, um Österreich im Immobiliensektor für die Zukunft zu rüsten – im volkswirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Interesse?

Neue Mittelschule Langenzersdorf: Sanierung und Erweiterung im Passivhausstandard, Planer: AH3 Architekten ZT GmbH © Dieter Schewig
Neue Mittelschule Langenzersdorf: Sanierung und Erweiterung im Passivhausstandard, Planer: AH3 Architekten ZT GmbH

Immobilien haben einen wesentlichen Anteil am Ressourcenverbrauch. Da der jährliche Neubau in Österreich im Verhältnis zum Bestand nur rund ein Prozent ausmacht, muss der Bestand verbessert werden. Das Problem: Die sich in den letzten dreißig Jahren zunehmend verschärften Vorschriften beziehen sich vorrangig auf Neubauten. Verpflichtende Vorgaben für den Gebäudebestand fehlen größtenteils. Diesen Herausforderungen widmen sich ExpertInnen am Sanierungstag mit Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Best-Practice-Beispielen. Das Fachpublikum ist eingeladen, sich in den Diskussionsrunden einzubringen und den Sanierungstag als kostenfreie Netzwerkplattform zu nutzen.

Nachhaltig orientierte Werterhaltung

Österreich fehlt eine Nachhaltigkeitsstrategie in der Werterhaltung von Immobilien. Die Bildung von Eigentum wurde in Österreich in den letzten sechzig Jahren politisch gefördert, jedoch ohne eine langfristige und nachhaltige Werterhaltung ausreichend und verpflichtend einzufordern.

Flächendeckende CO2-Reduktion

Im Wohnbereich verursachen kleine Gebäude, die bis 1970 errichtet wurden, bei 28 Prozent Nutzflächenanteil, 44 Prozent der CO2-Emissionen; große Gebäude ab 2001 verursachen bei 9 Prozent Flächenanteil nur 3 Prozent. Erschwerend kommt hier auch die konstante Erhöhung des motorisierten Individualverkehrs hinzu – eine Folgewirkung der Zersiedelung. Hinsichtlich der Klimaziele und zu erwartende Strafen erfordert das einen zusätzlichen Ausgleich.

Von der Privatsache zur gesellschaftlichen Verpflichtung

Immobilien sind nicht nur „Privatsache“, sondern auch von volkswirtschaftlichem und gesellschaftlichem Interesse. Dem müssen politische Vorgaben und Förderungen Rechnung tragen. Die Veranstalter des Sanierungstags 2013 haben daher einen Forderungskatalog erstellt:

1. Baukultur

Nachhaltige Sanierungen müssen auf baukulturelle Herausforderungen antworten. Dazu ist die Entwicklung von baukulturellen Leitbildern in der Sanierung notwendig.

2. Sanierung mit Kreislaufwirtschaft

Gebäudesanierung muss einen wesentlichen Beitrag zur Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft leisten.

3. Zur Emissionsreduktion verpflichtet

Das EU-Gesamtziel, die Emissionen aus dem Gebäudebestand bis 2050 um 90 Prozent zu verringern, ist nur mit Niedrigstenergiestandard und energieproduktiven Gebäuden zu erreichen. Verpflichtend sein soll die Reduktion der Emissionen des Gebäudebestands um 50 Prozent bis 2030.

4. Von ein auf drei Prozent

Eine rasche Anhebung und langfristige Stabilisierung der umfassenden Sanierungsrate auf 3 Prozent aller Gebäude Österreichs.

5. Wohn- und förderrechtliche Maßnahmen

Die erforderliche Erhöhung der thermischen Sanierungsrate ist nur mit differenzierten wohn- und förderungsrechtlichen Maßnahmen zu erreichen. Es muss ein Aufwand von 1,3 Mrd. Euro aus öffentlichen Mitteln finanziert werden. Wohnrecht muss neben der sozialpolitischen Orientierung auch für umwelt- und wirtschaftspolitische Ziele in Anspruch genommen werden.

6. Finanzierung über Lebenszyklusbeitrag

Ein von Immobilienbesitzern geleisteter Lebenszyklusbeitrag dient als neue Finanzierungsform für nachhaltige Sanierungen. Der jährliche Beitrag soll zur Finanzierung aller erforderlichen Wartungs- und Instandhaltungsmaßnahmen zur lebenszyklusweiten Werterhaltung beitragen.

7. Gesamtkonzept

Forciert werden sollen umfassende Gesamtkonzepte, die auch die funktionale, soziale und baukulturelle Werterhaltung umfassen, statt rein thermischer Maßnahmen. Qualitätssicherung durch allgemein anerkannte Gebäudezertifikate muss gewährleistet werden.

Sanierungstag 2013

Dienstag, 5. November 2013, von 9.30 bis 17.30 Uhr

Architekturzentrum Wien, Museumsplatz 1, 1070 Wien

Anmeldung für Teilnehmer/-innen bis 31.10.2013 erbeten unter