Förderungen

Wie Handwerksbetriebe von der Digitalisierung profitieren können

...und welche Förderungen es für innerbetriebliche Digitalisierungs-Projekte gibt, zeigt der Wiener IT-Dienstleister und Unternehmensberater KMU.DIGITAL auf.

Kleine und mittelgroße Unternehmen könnten durch KMU.DIGITAL bis zu 9.000 Euro an Förderungen für Digitalisierungs-Projekte bekommen, davon bis zu 3.000 Euro für Beratung und bis zu 6.000 Euro für die Umsetzung. Vor allem klassischen Handwerksbetrieben würde oftmals entgehen, wie sie ihren Workflow durch Digitalisierung revolutionieren können - das will das Beratungsunternehmen ändern.

Förderprogramm zeitnah nutzen

„KMU.DIGITAL wurde vor Kurzem um weitere 15 Millionen Euro aufgestockt. Allerdings ist das Fördervolumen erfahrungsgemäß rasch ausgeschöpft. Ich appelliere daher an alle KMU aus sämtlichen Branchen, dass sie diese hervorragende Chance zur Digitalisierung möglichst zeitnah nutzen“, betont Martin Puaschitz, Obmann der Wiener Wirtschaftskammer Fachgruppe UBIT. Den Förderkriterien entsprechend sind zertifizierte IT-Dienstleister und Unternehmensberater die perfekten Ansprechpartner und können KMU individuell beraten. Wie zum Beispiel Rüdiger Linhart, Berufsgruppensprecher IT in der Wiener Wirtschaftskammer: er erklärt anhand praktischer Beispiele, welche technischen Möglichkeiten es zur Digitalisierung es gibt und zeigt einige der häufig anzutreffenden Schwachstellen in der bereits vorhandenen IT-Ausstattung auf:

1. Mit Online-Termin-Tools zu Wettbewerbsvorteilen

Der aktuellen Situation ist geschuldet, dass beispielsweise Termine für einen neuen Haarschnitt derzeit ein heikles Thema sind. Frisöre, die ihren Kunden die Möglichkeit bieten, einen Termin per Internetmaske zu buchen, könnten aber nicht nur jetzt, sondern auch in der Post-Corona-Ära einen klaren Wettbewerbsvorteil haben: das zwischen Schultern und Ohr eingeklemmte Telefon für Terminvereinbarungen während dem Haarschnitt könnte dann endgültig der Vergangenheit angehören. Auch in anderen Branchen werden Terminbuchungen mittels Telefon oder E-Mail zunehmend als veraltet wahrgenommen, angefangen von der Essens-Bestellung bis zum Arztbesuch. „Ein großer Vorteil von sicheren Web-Lösungen ist auch, dass Kunden ihre Kontakt-Daten nicht ständig neu eingeben müssen“, erklärt Linhart.

© Lukas Lorenz

Rüdiger Linhart, Berufsgruppensprecher IT in der Wiener Wirtschaftskammer

2. Digitale Systeme für Zeit- und Leistungserfassung

Vor allem bei Handwerksbetrieben, deren Mitarbeiter Kundentermine wahrnehmen, können digitale Zeit- und Leistungserfassungssysteme sinnvoll sein. „Die Mitarbeiter müssen in der Früh und am Abend nicht mehr zum Ein- und Ausstempeln in den Betrieb fahren und können zugleich die Leistungen und Anfahrtswege beim Kunden viel exakter protokollieren“, sagt Linhart. Dadurch würde die Fehleranfälligkeit abnehmen und zugleich die Ressourcen-Planung erleichtert werden, indem Kunden in einer Online-Maske beispielsweise einen fixen Termin bei einem bestimmten Handwerker buchen können. Für eine weitere Arbeitserleichterung, wie etwa bei der Verrechnung, kann eine Anbindung des Systems an das Warenwirtschaftsprogramm des Unternehmens sorgen.

3. Sicherheit mittels Server-Verlagerung und Zwei-Faktor-Authentifizierung schaffen

Etliche KMU mussten zu Beginn der Pandemie binnen weniger Tage behelfsmäßig Homeoffice-Lösungen aus dem Boden stampfen, um wirtschaftlich überleben zu können. Aber wie heißt es so schön: nichts hält länger als ein Provisorium. „Zuweilen arbeitet der Papa am Vormittag für die Firma und die Tochter macht am selben Gerät am Nachmittag ihre Hausübungen. Da braucht es sauber getrennte Lösungen. Zudem sollten die Server nicht mehr irgendwo in einem Kammerl im Betrieb stehen, sondern in ein sicheres Rechenzentrum verlagert werden, wo es unter anderem Back-up-Lösungen für den Notfall gibt“, erklärt Linhart. Ganz wichtig sei auch eine Zwei-Faktor-Authentifizierung beim Login, indem man zum Beispiel Einmalpasswörter mit biometrischen Daten kombiniert.

4. Online-Shops und Websites auf Vordermann bringen

Die meisten KMU haben mittlerweile eine eigene Website und – je nach Branche – auch einen Online-Shop. In der Praxis trifft man aber nicht selten auf veraltete Codes, nicht DSGVO-konforme Umsetzungen oder mangelnde bzw. nicht vorhandene Firewalls. Digitale Prozessoptimierung bedeutet allerdings viel mehr als nur die Behebung von offensichtlichen Mängeln. Eine Möglichkeit wäre beispielsweise die Anbindung des eigenen Online-Shops an einen Partner, der künftig die Verpackung, Auslieferung und den Versand übernimmt. Möglich ist aber auch, dass Lebensmittelhändler oder Gastronomiebetriebe den umgekehrten Weg gehen. Statt an Lieferdienste hohe Provisionen für die Auslieferung ihrer Produkte zu zahlen, könnten sie diese Dienstleistung künftig eventuell selbst erbringen und den Webshop entsprechend adaptieren.

5. An Unternehmensberater und IT-Experten wenden

„Damit Digitalisierungsprojekte gefördert werden, müssen sich KMU an IT-Dienstleister und Unternehmensberater wenden, die für das jeweilige Themengebiet eine Zertifizierung aufweisen. Eine ausgezeichnete Filterfunktion dafür bietet das UBIT Firmen A-Z“, so Linhart. Zur Strategieberatung und Potenzialanalyse zum Schwerpunkt Geschäftsmodelle & Prozesse sind „Certified Digital Consultant“ berechtigt, für den Schwerpunkt IT- und Cybersecurity sogenannte „Certified Data & IT Security Expert“ und für E-Commerce & Online-Marketing kommen „Certified eCommerce & Social Media Consultants“ und „Certified eCommerce & Social Media Experts“ in Frage. Die perfekten Ansprechpartner im Bereich Digitale Verwaltung sind wiederum „Certified Digital Public Administration Experts“. Das UBIT Firmen A-Z ist hier zu finden.

Finanzplanung und weitere Förderungen einbeziehen

© Anja-Lene Melchert

Claudia Strohmaier, Berufsgruppensprecherin der Wiener UnternehmensberaterInnen

Claudia Strohmaier, Berufsgruppensprecherin der Wiener UnternehmensberaterInnen gibt noch einen anderen Punkt zu bedenken: „KMU.DIGITAL ist eine enorm wichtige Chance für KMU, aber nicht die einzige. Vor allem in Wien gibt es ausgezeichnete Fördermöglichkeiten zu allen möglichen Spezial-Themen, die unbedingt im Rahmen eines Gesamtkonzepts individuell geprüft werden sollten. Zudem braucht es ein ausgeklügeltes Finanzierungskonzept, weil die Projekte natürlich in der Regel nicht zur Gänze durch die jeweiligen Fördergeber finanziert werden.“