Hochhausbrand in London

Wie feuerfest Dämmmaterial sein kann - und wie man es noch sicherer macht

Nach dem Brand des Grenfell-Towers in London mit mindestens 79 Toten richtet sich die Aufmerksamkeit der Ermittler auf die Materialien, die zur Wärmedämmung an der Fassade verwendet wurden. Doch wie brennbar ist eine solche Wärmedämmung wirklich?

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Die britische Premierministerin Theresa May hat derzeit keinen guten Lauf. Die Unterhaus-Wahlen verloren, das Tauziehen um die Bedingungen eines Brexit schwieriger denn je und nun auch noch der Zorn vieler Briten auf eine vielleicht mangelnde Ausführung von Renovierungsarbeiten beim Grenfell-Tower in London, die unter Umständen mitverantwortlich gewesen sein könnten für die schnelle Ausbreitung des Feuers, das den 24 Stockwerke hohen Wohnturm zerstört und nach derzeitigem Stand 79 Todesopfer gefordert hat.

War die Fassade schuld?

Ins Zentrum der Aufmerksamkeit der Ermittler ist die Fassade des Wohnturms geraten, auf der die Flammen recht schnell hochgekrochen sind in der Nacht auf vergangenen Mittwoch.

Viele Brandschutz-Experten sind sich sicher: in Österreich könnte eine solche Katastrophe nicht passieren. Polystyrol-Fassaden dürfen bei Hochhäusern hierzulande nur eingeschränkt verwendet werden: ab einer Höhe von 22 Metern und damit mehr als sieben Stockwerken ist Schluss.

Doch selbst, wenn die Styropor-Wärmedämmung aus Erdöl doch zum Einsatz kommt, gilt es, bereits beim Verbauen Vorschriften zu beachten. Die Fassade wird ebenso wie das Gebäude im Inneren in einzelne Brandabschnitte unterteilt. Das bedeutet, dass die Geschoße durch Brandriegel aus nicht brennbarem Material wie Steinwolle getrennt werden.

Diese Schutzschicht verläuft rund um das Gebäude und soll ein Übergreifen auf andere Ebenen verhindern. Auf über 22 Metern Gebäudehöhe darf ohnehin nur mehr nichtbrennbares Material wie Steinwolle zur Gebäudedämmung eingesetzt werden.

Polystyrol wird hierzulande auch niemals alleine verwendet, sondern immer mit Brandschutzmitteln versetzt. Diese sorgen dafür, dass der Dämmstoff in eine andere Brandschutzklasse fällt. Auch eine entsprechende Putzschicht von einigen Millimetern Stärke erhöht die Widerstandsfähigkeit von Polystrol-Dämmungen gegen die Feuer-Einwirkung.

Polystyrol muss in Österreich ebenfalls Brandschutzrichtlinien erfüllen und einem Feuer auf bestimmte Zeit standhalten.

Berstende Fensterscheiben

Laut Brandexperten dauert es bei einem Wohnungsbrand rund acht bis zwölf Minuten, bis die Hitze innen so groß ist, dass auch die Fensterscheiben bersten. Dann ist auch ein Übergreifen der Flammen auf die Fassade möglich. Ob und wie schnell es zu einer etwaigen Brandausbreitung auf darüberliegende Stockwerke kommen könnte, hängt dann eben von der Fassadenausführung ab. Auf jeden Fall ist im Brandfall der umliegende Gebäudebereich zu meiden – herabstürzende Glasteile stellen eine tödliche Gefahrenquelle dar.

Zur Absicherung gibt es bei den Fassadenöffnungen wie Fenstern einen Sturzschutz. Dieser wird zunehmend durch umlaufende Brandriegel ersetzt.

Fluchtwege und Brandabschnitte

Gerade bei Hochhäusern ist es wichtig, auch im Gebäudeinneren gewisse Sicherheitsmaßnahmen umzusetzen und einzuhalten. Es muss mindestens ein zweites Stiegenhaus als Fluchtmöglichkeit geben.

Das Haus wird in einzelne Brandabschnitte unterteilt, die durch entsprechende Maßnahmen wie etwa Brandschutztüren für Sicherheit sorgen, sodass sich der Brand nicht ungehindert ausbreiten kann.

Brandmeldeanlagen, am besten direkt mit der Feuerwehr verbunden, Druckbelüftungs- und Sprinkler-Anlagen sind weitere wertvolle technische Brandschutzmaßnahmen zur Steigerung der Sicherheit - in Wohn(hoch)häusern sind sie allerdings nicht vorgeschrieben. Wichtig ist auch die richtige Ausführung und Abdichtung von Schächten und Mauerdurchbrüchen, da sich Feuer und Rauch auch auf diesem Weg ausbreiten können.