Plan A

Warum künftig kein Gerät mehr die Energieeffizienzklasse A erreichen wird

A bis G, Grün bis Rot: wie es um die Energieeffizienz eines Gerätes steht, kann jeder Verbraucher sofort sehen. Doch weil die Effizienzklassen weiter hinten im Alphabet kaum mehr besetzt sind, plant die EU-Kommission eine komplette Neuordnung des Systems.

Unternehmen

Ein A muss es schon sein. Oder besser noch ein A+. Vielleicht sogar ein A++. Oder im besten Fall ein A+++. Die Kennzeichnung der Energieeffizienzklasse eines Gerätes treibt zweierlei: erstens die meisten Hersteller dazu, Geräte für die obersten Effizienzklasse A zu entwickeln, weil der Verbraucher das als Nachhaltigkeitskriterium für die Kaufentscheidung berücksichtigt. Und zweitens: Blüten. Denn zum A kamen in den letzten Jahren immer mehr Plus-Zeichen dazu. Rund 85 Prozent der europäischen Verbraucher berücksichtigen bei der Kaufentscheidung die Energieeffizienz der Geräte.

In den nächsten Jahren aber werden sich Verbraucher umgewöhnen müssen. Nach Plänen der EU-Kommission soll das Klassensystem völlig neu aufgesetzt und damit die Anforderungen an die Hersteller von Kühlschränken, Klimaanlagen oder TV-Geräten nochmals steigen.

Keiner soll das A bekommen

Der zuständige EU-Kommissar Maroš Šefčovič zur Maßstabänderung: „Der technische Fortschritt ermöglicht es den Bürgern in Europa, die modernsten Produkte auf dem Markt zu nutzen; es war daher höchste Zeit, auch unsere Kennzeichnungsskala an diese Fortschritte anzupassen. Die neuen Labels stärken die Stellung der Verbraucher, da sie die Energieeffizienz beim Kauf von Elektrogeräten nun besser vergleichen können."

Um die Kennzeichnung zukünftig zu vereinfachen und die Plus-Klassen abzuschaffen, wurde die rechtliche Basis bereits gelegt. Bis 2020 ist eine Übergangsphase festgelegt. Dann werden sechs Produktgruppen wie Waschmaschinen, Geschirrspüler, Wäschetrockner und Kühlschränke sowie Fernseher und Leuchtkörper als erste mit dem neuen Energielabel versehen. Danach folgen auch andere Produkte wie etwa Klimaanlagen.

Die auffälligste Änderung neben dem Ende des Plus: Die Kommission wird sich bei Einführung der neuen Regelung vergewissern, dass keines der Produkte die Energieeffizienzklasse A erreicht. Erst in zehn Jahren sollen die Hersteller von Geräten wieder in der Lage sein, die Bestimmungen der neuen A-Klasse zu erreichen. Sollte sich die Technik rascher entwickeln als derzeit angenommen, wird auch die Energieeffizienzklasse B vorerst nicht besetzt.

Keiner soll es mehr bekommen, zehn Jahre lang: das A. Bild: Fotolia

Neue Datenbank

Die Hersteller der betroffenen Geräte, bisher vor allem in der A-Klasse zu fínden, nehmen die neue Klassengesellschaft eher gelassen: „Aufgrund der ständigen Weiterentwicklung der Geräte wird die Übersicht über die Energieeffizienz für den Endverbraucher wieder einfacher und klarer, die Plusklassen sorgten teilweise für Verwirrung beim Kauf", so Martin Bekerle, Sprecher von Electrolux, gegenüber HLK.

Vom Kunden erfordert diese Maßstabänderung beim Kauf nunmehr ein Umdenken, denn die typische „Greif-zur-Klasse-A"-Strategie wird fortan, bis neue Geräte den Platz einnehmen, nicht mehr möglich sein. Um dem Verbraucher den Vergleich der Energieeffizienz von Geräten zu vereinfachen, wird nun eine öffentliche Datenbank angelegt, die alle Energieeffizienzkennzeichen erläutert.

Welche bisher ursprünglichen Klassifizierungen zukünftigen entsprechen, ist noch nicht explizit definiert, da man noch darüber diskutiert, ob die Testverfahren zur Bestimmung nicht ebenfalls angepasst werden sollten. Somit wäre ein direkter Vergleich der Effizienzklassen aber nicht mehr durchführbar. Derzeit scheint wahrscheinlich, dass es tatsächlich neue Testverfahren zur Bestimmung der Effizienzklassen von Geräten geben wird.

Die Hersteller werden den Händlern vier Monate vor Inkrafttreten des neuen Klassensystems die neuen Energielabels übermitteln müssen, nach Inkrafttreten der neuen Regelung sollen die Händler dann zwei Wochen Zeit haben, die neue Klassifizierung auf den Geräten zu platzieren.