Internationaler Vergleich

Warum Europa im Ausbau der Erneuerbaren nicht nachlassen darf

Seit 2011 investieren die europäischen Länder immer weniger in den Ausbau der Erneuerbaren. Wie dadurch der Anschluss an die Weltspitze verpasst wird und was dagegen getan werden kann.

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In Europa stagniert der Ausbau der Erneuerbaren seit mittlerweile sieben Jahren. Politik und Industrie müssen nun entscheidende Maßnahmen ergreifen.

Europa war bisher der große Vorreiter der Energiewende. 2011 wurden rund 137,8 Milliarden US-Dollar in erneuerbare Energien investiert. Seither wurden die Investitionen in Erneuerbare in Europa jedoch stark gekürzt, wodurch nun der Anschluss an die Weltspitze verloren gehen könnte. Dabei bringt der Ökostrom-Markt einige Vorteile mit sich: Fast 1,3 Millionen Arbeitsplätze existieren in der EU nur dank der erneuerbaren Energien. In Österreich gab es Ende 2017 rund 41.600 sogenannte Green Jobs. Vor allem im Bereich der Biomasse wurden einige Arbeitsplätze geschaffen. Weltweit gibt es rund 10,3 Millionen Jobs in Ökostrom-Branche.

Die Regierung will bis 2030 einen EE-Anteil von 45 bis 50 Prozent realisieren. Dabei wären weitaus mehr möglich. Bis zu 60 Prozent des Gesamtanteils könnten die Erneuerbaren bis 2030 ausmachen. Und auch in der EU geht der Ausbau nur schleppend voran: Gerade einmal 13 Prozent der in der EU verbrauchten Energie stammt aktuell aus erneuerbaren Energiequellen. Der Großteil der Energie stammt immer noch aus fossilen Energieträgern wie Kohle, Gas und Atom.

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„Europa hat es geschafft einen sehr guten Markt rund um die erneuerbaren Energien aufzubauen. Mit den nun geringen Investitionen stagniert die Marktposition Europas und China ist auf dem Vormarsch“, erklärt James Watson, Geschäftsführer der belgischen Organisation Solar Power Europe, im HLK-Interview. Mit riesigen Solarparks hat China in den letzten Jahren aufgerüstet. Unter anderem steht in China der Longyangxia-Park. Mit einer Spitzenleistung von 850 Megawatt ist er der weltweit größte und leistungsstärkste Solarpark.

Markt muss attraktiver werden

Beim kürzlich stattgefundenen Vienna Forum on the Energy Transition VFEET diskutierten Energieexperten über die weitere Zukunft der Erneuerbaren und stellten Ideen vor, die den Markt der erneuerbaren Energien attraktiver gestalten sollen. Bei der Podiumsdiskussion ist man sich einig: Es braucht neue Geschäftsmodelle, um die Erneuerbaren noch stärker zu fördern. Andreas Jahn, Gesellschafter bei Regulatory Assistance Project RAP und Referent am VFEET, spricht dabei von einem kurzfristigen Marktsystem. Der Markt müsse demnach flexibler werden und sich an die Energieproduktion aus erneuerbaren Quellen anpassen. „Faktisch haben wir das heute zum Teil schon. Die Fristen des Energiehandels werden bereits immer weiter nach hinten geschoben, sodass die Energieproduktion aus Erneuerbaren besser und genauer vorhergesagt werden kann. Wir sind da also schon auf einem guten Weg, aber das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange“, so Jahn im Interview mit HLK.

© HLK

Beim Vienna Forum on the Energy Transition diskutierten Energieexperten über die weitere Zukunft der Erneuerbaren und mögliche Innovationen am Ökostrom-Markt.

Laut Jahn ist zudem nicht nur ein sektorenübergreifendes, sondern auch ein länderübergreifendes Denken wichtig: „Wenn der Wind in Ungarn stark weht, ist es doch besser diesen stärker zu nutzen und die Energie ins Salzburger Land zu transportieren, wenn dort Flaute herrscht.“

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