Nachhaltiges Heizen

Warum es sich lohnt, erneuerbare und fossile Heizsysteme zu kombinieren

Der Ausstieg aus Öl- und Gasheizungen und ein Umstieg auf erneuerbare Heizsysteme sind notwendige, aber auch teure Maßnahmen der Wärmewende. Die Kombination erneuerbarer Energieträger mit Öl und Gas könnte für eine kostengünstige CO2-Reduktion im Wärmesektor sorgen – zumindest teilweise.

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Die Kombination von erneuerbaren und fossilen Energieträgern eignet sich für den schrittweisen Ausstieg aus Öl- und Gasheizungen.

Wind-, Solar- und Wasserkraft machen derzeit rund 72 Prozent der gesamten österreichischen Energieerzeugung aus. Das ist beachtlich, wenn man bedenkt, dass der europäische Durchschnitt gerade einmal bei 29 Prozent liegt. Mit diesem Erfolg schmückt sich die Bundesregierung gerne, lässt dabei aber außer Acht, dass im Wärmesektor gerade einmal 43 Prozent der Energie aus erneuerbaren Energiequellen stammt.

Umstieg auf erneuerbare Energie ist notwendig

Damit die Wärmewende gelingt und der CO2-Ausstoß aus dem Wärmesektor deutlich reduziert werden kann, ist ein Umstieg auf erneuerbare Wärme notwendig. Die Technologien dafür gibt es zur Genüge: Wärmepumpe, Solarthermie oder Biomassesysteme sorgen bereits jetzt für ein warmes Eigenheim mit geringem CO2-Ausstoß. Doch wenn die richtigen Technologien bereits vorhanden sind, warum werden sie dann nicht genutzt? „Die Technologie ist zwar schon da, aber die Preise sind derzeit noch viel zu hoch. Eine Hochtemperaturwärmepumpe mit 20 Kilowatt für ein Einfamilienhaus kostet rund 21.000 Euro. Und das ist nur der Preis für die Wärmepumpe. Installation und weitere Kosten sind da noch nicht eingerechnet“, sagt Walfried Blumauer, Geschäftsführer des niederösterreichischen Heizungsinstallations-Anbieters Lehner Tank- und Haustechnik.

Ölheizung und Erneuerbare kombinieren

Eine gute Übergangslösung und damit einen schrittweisen Ausstieg aus den fossilen Heizsystemen bietet die Kombination aus bestehender Gas- oder Ölheizung und einer erneuerbaren Energiequelle. Die Solarthermie ist bereits jetzt eine beliebte und etablierte Energiequelle, die gerne ergänzend zur Ölheizung installiert wird. „Zusammen mit einem Pufferspeicher und eventuell einem Frischwassermodul bietet die Solarthermie die ideale Ergänzung zur Öl- und Gasheizung“, meint Blumauer.

Aber auch Wärmepumpen eigenen sich als ergänzende Energiequelle. Verbunden mit einem Pufferspeicher und einer hydraulischen Weiche kann genügend Wärmeenergie mittels Wärmepumpe gewonnen werden. So kann bis zur Unterschreitung des Bivalenzpunkts die Wärmepumpe genutzt werden, danach schaltet sich die Ölheizung dazu. Wird das Heizsystem entsprechend programmiert, kann es auch je nach Öl- und Strompreisen zwischen Wärmepumpe und Ölheizung wechseln. Für den Kunden ergeben sich dadurch sehr niedrige Energiepreise bei vollem Wärmekomfort. Auch die Anschaffungskosten einer kombinierten Lösung sind, verglichen zum Komplettsystem, gering. Laut Blumauer liegen die Kosten für ein kombiniertes Gerät bei rund 10.000 Euro. „Und diese Kosten amortisieren sich sehr schnell“, so der Heiztechnik-Experte.

Erneuerbare sparen Geld

Die Kombination von fossilen und erneuerbaren Heizsystemen bringt laut Blumauer einen entscheidenden Vorteil: Der Kunde spart Geld. „Mit einer Solarthermieanlage können rund 50 Prozent Warmwasserabdeckung erreicht werden. Das spart Heizkosten. Bei der Wärmepumpe können insgesamt rund 30 Prozent Energiekosten gespart werden“, so der Heiztechnik-Experte. Außerdem kann sich der Kunde bei einem bivalenten System immer auf die Heiztechnik verlassen. Fällt ein Energieträger aus, läuft das Medium trotzdem weiter, sodass die Sockeltemperatur stets erhalten bleibt. Mit der Integration von erneuerbaren Energiequellen werden außerdem CO2 und Energie gespart.

Kombination ist nicht die Lösung aller Probleme

Florian Maringer, Geschäftsführer von Erneuerbare Energie Österreich, sieht die Kombination von Ölheizung und erneuerbarer Energie dennoch kritisch: „Eine Kombination mit erneuerbaren Energiequellen dämpft das Problem zwar, ändert aber nichts daran, dass der falsche Energieträger verbrannt wird. Grundsätzlich macht es auf jeden Fall Sinn, eine Öl- oder Gasheizung zu ersetzen.“ Der Wärmesektor ist derzeit für mehr als die Hälfte des österreichischen Energieverbrauchs verantwortlich. Knapp 60 Prozent der Wärmeenergie stammen aus fossilen Quellen. Für das Gelingen der Wärmewende muss auf fossile Heizsysteme verzichtet und auf umweltfreundliche Heizmethoden umgestiegen werden. Ein synthetischer Energieträger könnte hier ein Lösungsansatz sein.

„Sinnvollerweise achtet man gleichzeitig darauf, dass das Ersetzen des Heizsystems in Kombination mit einer Sanierung geplant wird“, empfiehlt Maringer. Dabei soll unter anderem auch der Raus aus Öl Bonus der österreichischen Regierung helfen. Betriebe und Privatpersonen können auf diesen Bonus Anspruch erheben, wenn sie im Rahmen der Sanierung eine fossile Heizung durch ein klimafreundliches Heizsystem ersetzen. Die Antragsteller werden mit einem Bonus von 5.000 Euro unterstützt. Außerdem sollen Förderungen von thermischen Sanierungen zur Verringerung des Heizwärmebedarfs anregen.

Blumauer sieht indes eine Chance in der Kombination zweier Energieträger: „Dass wir langfristig auf Erneuerbare umsteigen müssen, ist klar. Ich sehe die Kombination aus Ölheizung und Wärmepumpe oder solarthermischen Anlagen als schrittweisen Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen. Ein vollkommener Umstieg auf erneuerbare Heizsysteme ist derzeit noch sehr teuer und wir wollen nicht, dass der Kunde sich das Heizen nicht mehr leisten kann.“

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