Branchenstreit

Vorarlberger Photovoltaik-Unternehmen: "Unfairer Wettbewerb!"

18 Unternehmen der Vorarlberger Photovoltaikbranche fordern den Rückzug der landeseigenen illwerke-vkw-Gruppe aus dem Photovoltaikmarkt. In einem Offenen Brief werfen sie dem Unternehmen vor, seine Marktmacht als Stromnetz-Monopolist zu missbrauchen und prüfen eine Beschwerde bei der Bundeswettbewerbsbehörde.

Mathias Muther, Aerocompact (links), und Andreas Müller (Hansesun Austria) übten scharfe Kritik am Einstieg der der illwerke-vkw-Gruppe bei Doma Solartechnik.

Die geplante Beteiligung der illwerke-vkw-Gruppe am Photovoltaikgeschäft des Satteinser Unternehmens Doma Solartechnik lässt die Gemüter hochgehen. „In einem fairen Wettbewerb ist uns jeder Mitbewerber willkommen. Gegen die unfairen und nach unserer Einschätzung rechtlich fragwürdigen Methoden der illwerke-vkw-Gruppe wehren wir uns entschieden“, heißt es in dem Offenen Brief an die Landesregierung, der von 18 Vorarlberger Photovoltaikunternehmen verfasst wurde. Diese würden nach eigener Einschätzung über zwei Drittel des Marktvolumens der Vorarlberger Photovoltaikbranche ausmachen. Sie erheben nun schwere Vorwürfe gegen den Mitbewerber illwerke vkw: „Eine Fülle von Indizien bringen uns zur Überzeugung, dass die gesetzliche vorgeschriebene Trennung von Energieversorgung und Netz bewusst missachtet wurde und wird.“

Netzanschluss beim Mitbewerber

Die Anbieter müssen vor dem Bau einer Photovoltaikanlage eine Anschlussanfrage an eine Tochterfirma der illwerke-vkw-Gruppe stellen. „In einer Reihe von Fällen sind unsere Kunden kurz nach dieser Anschlussanfrage von Mitarbeitern der illwerke-vkw-Gruppe kontaktiert worden“, schildert einer der Initiatoren des Offenen Briefs, Andreas Müller von Hansesun Austria. „Ein-, zwei- oder dreimal kann das Zufall sein. Wenn das immer wieder vorkommt, ist es ein Indiz, dass die Daten widerrechtlich intern weitergegeben werden.“
Müller erzählt von einem Fall, in dem die vkw selbst eine Photovoltaikanlage angeboten haben. Nachdem sich der Kunde für den privaten Mitbewerber entschied, sei aber plötzlich kein Netzanschluss mehr möglich gewesen. In einem anderen Fall hätten illwerke vkw einen neuen Wechselrichter bereits angeboten, bevor dieser überhaupt zugelassen war – und dem vom Mitbewerber installierten Wechselrichter sei die Zulassung gestrichen worden. Deswegen könne die Großanlage eines Industriebetriebs seit Wochen nicht ans Netz. Dass die Zulassung ebenfalls in den Händen der illwerke-vkw-Gruppe liegt, führt zu einer etwas schiefen Optik.  

Marktmacht und politischer Einfluss

Müller liegen Aussagen von Kunden vor, dass ihnen günstigere Tarife oder technische Infrastruktur in Aussicht gestellt worden seien, wenn sie ihre Photovoltaikanlage bei der illwerke-vkw-Gruppe ordern. „Auch da missbraucht der Netz-Monopolist seine marktbeherrschende Stellung“, so der Sprecher der Initiative.

Ohnehin gebe es durch die Marktmacht und die Nähe von illwerke vkw zum Land keine Möglichkeit auf einen fairen Wettbewerb: „Niemand will es sich mit den vkw verscherzen, niemand will es sich mit dem Land verscherzen – besonders, wenn man den Netzbetreiber in anderen Projekten wieder als Partner braucht“, ist Müller überzeugt. Seiner Ansicht nach werden die vkw auch von weiteren, dem Land nahestehenden Einrichtungen, wie etwa der Dornbirner Messe oder dem Energieinstitut, bevorzugt.

Partnerschaft mit Mitbewerber bereite den Boden für die Schweizer Konkurrenz 

Auch wirtschaftspolitisch halten die 18 Unterzeichner des Briefs den Einstieg bei Doma Solartechnik für einen Fehler. Der Mehrheitseigentümer des geplanten Joint Venture ist die Firma Schweizer, ein Anbieter von Montagesystemen bei PV-Anlagen. In Vorarlberg stellt die Aerocompact GmbH mit 100 Mitarbeitern aber genau solche Montagesysteme her. „Die illwerke-vkw-Gruppe geht gerade eine Partnerschaft mit unserem wichtigsten Mitbewerber ein. Sie bereitet mit diesem Schritt den Boden für unseren Konkurrenten aus der Schweiz“, ärgert sich Mathias Muther, Geschäftsführer von Aerocompact und Initiator des Offenen Briefs. „Sowohl bei den Montagesystemen als auch bei den Photovoltaikanlagen stellt sich das Land als Eigentümer gegen die privaten Anbieter. Für uns ist damit eine rote Linie überschritten.“ Er kenne die Schwierigkeiten der Branche mit den vkw seit Jahren.

Kooperation mit privaten Anbietern

Muther fragt sich, weshalb man nicht die Zusammenarbeit mit der Branche gesucht habe: „Traut das Land Vorarlberg der Branche den Ausbau der Photovoltaik nicht zu? Die Branche leistet Hervorragendes, um die Ziele der Energieautonomie zu erfüllen.“  Der Aerocompact-Geschäftsführer ortet die einzige Limitation beim Bau von Photovoltaikanlagen beim leidigen Thema Fachkräfte: „Es gibt aber keine einzige Fachkraft zusätzlich, wenn sich das Land Vorarlberg an der Doma Solartechnik beteiligt. Es wird keine einzige Photovoltaikanlage zusätzlich montiert, wenn man keine zusätzlichen Fachkräfte gewinnt. Hier müsste sich das Land engagieren.“

Rückzug der vkw aus dem Photovoltaikgeschäft gefordert

Für die 18 Unterzeichner des Offenen Briefs ist klar: „Die illwerke-vkw-Gruppe muss sich aus dem Photovoltaikmarkt zurückziehen.“ Der Netzbetreiber solle „für alles bis zum Zähler“ Verantwortung übernehmen, für die gesamten elektrischen Anlagen im Netz des Hauseigentümers sind dann Elektroinstallateure und Photovoltaikunternehmen verantwortlich.
Beim Ausbau des Stromnetzes gebe es aus Branchensicht zudem Nachholbedarf: „Die illwerke-vkw-Gruppe muss ihre Kernaufgabe wahrnehmen und das Netz für die steigenden Anforderungen von Photovoltaik und E-Mobilität aufrüsten. Immer öfter werden Engpässe im Netz zum Hindernis beim Ausbau der Photovoltaik“, schildert der Sprecher der Gruppe, Andreas Müller. Auch den Rückzug aus dem Energieinstitut fordert der Offene Brief.

Fairer Wettbewerb, oder…

Die Branche habe nach jahrelangen Diskussionen mit den vkw genug, so Müller: „Wir werden keine Ruhe geben, bis unsere Forderungen umgesetzt sind.“ Deshalb prüft die Gruppe nun rechtliche Möglichkeiten, um den Einstieg der illwerke vkw bei Doma Solartechnik zu verhindern, darunter eine Beschwerde bei der Bundeswettbewerbsbehörde. Man werde in Zukunft außerdem jeden Fall eines Missbrauchs der Marktstellung dokumentieren und bei Bedarf rechtliche Schritte einleiten. Allerdings hoffe man noch auf ein Einsehen des Landes als Eigentümer: „Wir bringen gerne die Expertise von 18 Unternehmen ein, wie wir die Energiewende schaffen, wie wir in Vorarlberg möglichst rasch die Klimaneutralität erreichen. Dazu brauchen wir aber faire Rahmenbedingungen. Dazu brauchen wir fairen Wettbewerb. Der ist derzeit nicht gegeben“, sagt Müller.