ÖSTERREICHISCHE ENERGIEAGENTUR

Vollkostenvergleich – was Heizen 2016 kostet

Die Österreichische Energieagentur veröffentlicht jedes Jahr einen Vollkosten-Heizsystemvergleich. Im Gegensatz zum Vergleich der Brennstoffpreise stellt die Energieagentur alle anfallenden Kosten der Heizsysteme inklusive Investitionskosten einander gegenüber.

Heizungstechnik

Das Heizsystem mit den günstigsten Vollkosten

ist im Wesentlichen das Erdgas-Brennwertsystem. Lediglich im

thermisch unsanierten Gebäude wird es (in der Maximalvariante)

vom Scheitholzkessel überholt.

Bild: HLK/Herrmann

Die Auswahl der zu vergleichenden Heizsysteme erfolgt mit dem Fokus den Stand der Technik – derzeit am häufigsten neu installierte Heizsysteme in Einfamilienhäusern in Österreich – abzubilden. Folgende Heizsysteme und deren Energiekosten werden miteinander verglichen: Fernwärme, Erdgas-Brennwert, Öl-Brennwert, Scheitholz, Pellets, Wärmepumpe - Luft/Wasser, Wärmepumpe - Sole/Wasser mit Erdsonde.

Orientierung für Konsumenten

Der Heizkostenvergleich der Österreichischen Energieagentur ist ein Vollkostenvergleich, welcher Brennstoff-, Investitions- sowie Wartungs- und Instandhaltungskosten berücksichtigt (Förderungen werden nicht angerechnet). Doch nicht nur die Kosten werden verglichen, sondern auch durch Heizsysteme verursachte CO2-Emissionen, welche einen direkten Einfluss auf die Umwelt haben.

Da Heizkosten nicht nur vom gewählten Heizungssystem sondern auch maßgeblich von der thermischen Qualität des Gebäudes abhängig sind, wird ein charakteristisches Einfamilienhaus (Nutzfläche 118 m2) als Referenzgebäude definiert und die Vollkosten für die Beheizung für folgende Fallbeispiele ermittelt:

unsaniert, mit einem Heizwärmebedarf von 175 kWh/m2a

thermisch saniert, mit einem Heizwärmebedarf von 75 kWh/m2a

Neubau, mit einem Heizwärmebedarf von 50 kWh/m2a

Da die tatsächlichen Investitionskosten von Heizsystemen im Einzelfall sehr stark variieren, werden die Investitionskosten in einer Maximal- und einer Minimalvariante berechnet.

Die Maximalvariante basiert auf einer kompletten Neuausstattung des Gebäudes mit einem neuen Heizsystem. Es wird also davon ausgegangen, dass das gesamte Heizungssystem – vom Heizkessel bis zum Wärmeabgabesystem – neu installiert wird und keine vorhandenen Altkomponenten des bisherigen Heizsystems weiter genutzt werden können.

Im Unterschied dazu basiert die Minimalvariante auf der Annahme, dass der gleiche Energieträger weiter genutzt wird und funktionsfähige Komponenten (z.B. Wärmeabgabesystem, Gasanschluss bei Gasheizungen oder Öl-Tank bei Ölheizungen) weiter verwendet werden können.

Die aktuellen Berechnungen erfolgen auf Basis aktueller Energiepreise.

Vollkosten des Erdgas-Brennwertsystems grundsätzlich am niedrigsten

Das Heizsystem mit den günstigsten Vollkosten ist grundsätzlich das Erdgas-Brennwertsystem. Dies ist im Wesentlichen auf die in Relation zu anderen Heizungssystemen geringen Investitions- und Instandhaltungskosten von Erdgas-Brennwertsystemen zurückzuführen. Die jährlichen Vollkosten liegen im Neubau bei rund 2.900 Euro, im sanierten Gebäude bei rund 3.000 Euro und im unsanierten Gebäude bei über 4.500 Euro. Lediglich im thermisch unsanierten Gebäude wird das Erdgas-Brennwertsystem (in der Maximalvariante) vom Scheitholzkessel überholt. Das liegt daran, dass in diesem Referenzfall das Scheitholzsystem mit seinen niedrigen Energiekosten punkten kann.

Das teuerste Heizsystem ist im unsanierten Einfamilienhaus die Wärmepumpe auf Basis Sole/Wasser mit Erdsonde, im sanierten Einfamilienhaus und im Neubau der Pelletskessel. Die jährlichen Mehrkosten gegenüber dem Erdgas-Brennwertsystem liegen zwischen 1.000 und 1.400 Euro.

Individuelle Gegebenheiten/Wünsche wichtig

Beim einem Vollkosten-Heizsystemvergleich ist natürlich auch zu bedenken, dass die Realisierbarkeit eines bestimmten Heizsystems abhängig vom Standort bzw. von der Anschlussmöglichkeit des Gebäudes ist und regional unterschiedliche Energiepreise für alle Energieträger gelten. Und natürlich sind aus Kundensicht auch die individuellen Wünsche und Möglichkeiten punkto Finanzeinsatz, Komfort/Bedienungswillen und Platz (Lagermöglichkeit) nicht außer acht zu lassen – jeder genannte Punkt für sich genommen kann und wird mitunter für oder gegen ein Heizsystem sprechen.

Wärmepumpen mit geringsten, Fernwärme mit höchsten Energiekosten

Werden nur die Energiekosten verglichen, d.h. Investitionskosten plus Kosten für Wartung und Instandhaltung nicht berücksichtigt, so erweisen sich Wärmepumpen am günstigsten. Systeme, die aufgrund der Nutzung von Erdwärme (Sole/Wasser mit Erdsonde) sehr gute Jahresarbeitszahlen erzielen, haben dabei Vorteile gegenüber Luft/Wasser-Wärmepumpen. Die höchsten Energiekosten weisen Fernwärmesysteme auf. Die Energiekosten von Fernwärmesystemen können gegenüber der Wärmepumpe auf Basis Sole/Wasser mit Erdsonde fast doppelt so hoch ausfallen (Neubau). Diese Technologie erfordert allerdings relativ hohe Investitionskosten. Im Maximalfall betragen sie bis zu doppelt so viel wie für ein Gas-Brennwertsystem.

Stark wirkt sich naturgemäß die thermische Qualität des Gebäudes auf die Heizkosten aus: Die jährlichen Energiekosten des thermisch sanierten Einfamilienhauses sinken – im Vergleich zum thermisch unsanierten Gebäude bei allen Heizsystemen im Durchschnitt um 44 %. Im Neubau reduzieren sich die jährlichen Energiekosten im Durchschnitt sogar um 57 %.

Scheitholz und Pellets punkto Klimaschutz vorne

Eindeutig am emissionsärmsten sind die untersuchten Biomassesysteme auf Basis von Scheitholz oder Pellets. Die höchsten CO2-Emissionen weisen die auf fossilen Energieträgern basierenden Öl- und Gas-Brennwertsysteme auf. Gegenüber Scheitholz liegen die CO2-Emissionen des Öl-Brennwertsystems um bis zu 43-fach höher (bis zu 10 t CO2/a).

Ähnlich wie bei den Voll- und Energiekosten spielt auch hier die thermische Qualität des Gebäudes eine wichtige Rolle. Im Vergleich zum thermisch unsanierten Gebäude liegen die jährlichen CO2-Emissionen des thermisch sanierten Einfamilienhauses im Durchschnitt um 45 % niedriger, beim Neubau sogar um 56 %.

Werden sowohl finanzielle Kriterien (Vollkosten) als auch Klimaschutzaspekte (CO2-Emissionen) berücksichtigt, so schneidet das Scheitholz-System, bei den untersuchten Fallbeispielen für den Einfamilienhaus-Bestand, sehr gut ab. Im Vergleich zu den anderen Heizsystemen erfordert das Scheitholz-System jedoch immer einen erhöhten Betriebsaufwand für den Nutzer.

Mit Solarthermiesystemen zu niedrigen Energiekosten und CO2-Emissionen

Der Einsatz von solarthermischen Systemen führt grundsätzlich zu einer hohen Reduktion der Energiekosten und CO2-Einsparungen. Die Implementierung von durchschnittlichen Solarsystemen zur Warmwasserunterstützung (ca. 6 m² Kollektorfläche) geht mit Heizkosteneinsparungen von bis zu 25 % und CO2-Einsparungen von bis zu 27 % (im Neubau) einher. Die höchsten Energiekostenreduktionen sowie CO2-Emissionseinsparpotenziale ergeben sich für fossile Heizsysteme (Öl- und Gasbrennwertsystemen) aufgrund der relativ hohen Energiekosten sowie der hohen CO2-Emissionen von fossilen Energieträgern. Noch weiter sinken die Energiekosten beim Einsatz thermischer Solarsysteme zur Heizungsunterstützung (ca. 16 m² Kollektorfläche). Beim Einsatz eines Solarsystems zur Heizungsunterstützung in Kombination mit einem Gas-Brennwertsystem sinken die Energiekosten um bis zu 65 % und die CO2-Emissionen um bis zu 42 % (im Neubau).

Der Einsatz von solarthermischen Systemen führt jedoch auch immer zu einer Steigerung der Investitionskosten bzw. der Vollkosten des Heizungssystems. Daher ist zu empfehlen, vor der Installation eines solarthermischen Systems immer eine Energieberatung vor Ort in Anspruch zu nehmen, um die beste Lösung für die spezifische Situation und die persönlichen Prioritäten – zu denen nicht immer (nur) „geringe Heizungskosten“ gehören − zu erzielen.

Der Heizkostenvergleich mit entsprechenden Grafiken findet sich online auf der Website der Österreichischen Energieagentur.