Schwimmende Solarmodule

„Unsere Photovoltaik-Anlage kann sich jeder leisten“

Eine schwimmende Solaranlage, die Hotels auf Inselstaaten mit erneuerbarer Energie versorgen soll. Klingt erstmal nach einer abwegigen Idee, wurde aber vom Wiener Unternehmen Swimsol realisiert. Geschäftsführer Martin Putschek erklärt im Interview mit HLK, warum die Anlage für jeden finanzierbar sein soll.

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Mit schwimmenden Solaranlagen will das Wiener Unternehmen Swimsol für eine saubere Energieerzeugung auf den Malediven sorgen.

Die Malediven. Ein Eiland mitten im Indischen Ozean und Hotspot für sonnenhungrige Touristen aus aller Welt. Hier treibt seit kurzem eine Solaranlage vor der Küste. Die gehört meistens nicht in das typische Bild, das man von einer Urlaubswoche auf den Inseln hat, soll jedoch bald weit verbreitet sein. Zumindest, wenn es nach Swimsol-Geschäftsführer Martin Putschek geht

Wie kommt man denn auf die Idee, eine schwimmende Photovoltaik-Anlage zu entwickeln?

Die Idee ist schon 2009 entstanden. Genau genommen sind wir ein Spin-off eines deutschen Unternehmens und haben damals ganz gewöhnliche PV-Anlagen fürs Dach gebaut. Die deutschen Kollegen bekamen dann eine Anfrage aus Sri Lanka bekommen. Jedoch wollte niemand aus Deutschland diese Anfrage ernst nehmen und wirklich nach Sri Lanka fliegen. Darum habe ich mich angeboten. Dort war ich dann einige Wochen bei einer Partnerfirma und hab mir die Lage dort angesehen. Im Zuge dessen haben wir auch die Malediven besucht und wollten schauen, wie Photovoltaik-Anlagen dort realisiert werden können. Sie müssen wissen, dass dort Strom meist mit Diesel-Generatoren produziert wird, was einerseits teuer und andererseits natürlich sehr umweltschädlich ist. Wir haben uns dann eben einige Hotelanlagen auf den Malediven angesehen und schnell erkannt, dass die kleinen Dächer nicht ausreichen, um genügend PV-Leistung zu installieren. Da entstand die Idee, die Solaranlage ins Meer zu bauen.

© Swimsol

Ein Solarmodul umfasst circa 1,7 Quadratmeter. Es können jedoch beliebig viele Module zusammengefasst werden, sodass die Grenze nach oben hin offen ist. 

War Ihnen von Anfang an klar, dass diese Idee umsetzbar ist?

Nicht zu einhundert Prozent. Wir haben einfach angefangen, erste Konzepte zu entwickeln, um zu schauen ob das überhaupt geht. Uns wurde aber schnell klar, dass die Idee realisierbar ist und somit haben wir dann mit der Entwicklung begonnen. Wir sind dann eine Kooperation mit dem Institut für Fertigungstechnik der TU Wien eingegangen. Dort konnten wir im Wellenkanal – übrigens heute noch mein Lieblingsspielzeug – die ersten Prototypen testen. Vor ziemlich genau dreeinhalb Jahren haben wir die erste Anlage auf den Malediven installiert. Die ist zwar relativ klein, läuft aber bis heute noch wunderbar. Mittlerweile haben wir sieben Anlagen auf den Malediven installiert.

Und warum schwimmt das Solarmodul nun auf dem Wasser? Welche Technologie steckt dahinter?

Wir haben ein spezielles Gerüst entwickelt, das mit Schwimmkörpern ausgestattet ist. Diese Schwimmkörper befinden sich großteils unter der Wasseroberfläche, weswegen die Wellen einfach darüber marschieren und die Anlage so sehr ruhig auf über dem Wasser stehen kann. Sie wird dabei weder an der Unter- noch an der Oberfläche vom Meerwasser berührt. Durch die tiefliegenden Schwimmkörper konnten wir die Plattform auch verhältnismäßig filigran bauen. Die tragenden Teile bestehen aus Edelstahl mit einer speziellen Aluminiumlackierung.  Dadurch wird die Oberfläche durch das Salzwasser nicht beschädigt. Die restlichen Stangen bestehen aus Aluminium.

Und welche Photovoltaik-Technologie befindet sich auf dem Konstrukt?

Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit kommen hier Doppelglas-Module zum Einsatz. Wären die Module auf der Rückseite nicht durch Glas geschützt, würde der Wasserdampf mit dem hohen Salzgehalt in das Solarmodul eindringen und die Komponenten zum Verrosten bringen.

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Die kleinen Solar-Inseln werden weit genug vom Strand entfernt angebracht, damit sich die Touristen nicht daran stören. 

Ein Megawatt der schwimmenden Anlage kostet ja rund 2,5 Millionen Euro. Für wen lohnt sich das?

Für jeden, da die Photovoltaik auf lange Sicht eine der günstigsten Stromerzeugungstechnologie ist – die Sonne kostet ja nichts und ist in den Inselstaaten reichlich vorhanden. Jedoch muss man sich am Anfang die Investitionskosten leisten können. Durch unser Finanzierungssystem ist eine Anlage fürs Meer eigentlich von jedem nutzbar. Wir finanzieren die Photovoltaik-Anlage vor, zum Beispiel über Crowdinvesting. Das heißt wir sammeln vorher das Geld ein, um die Investition zu machen. Dann verkaufen wir den Strom des Swimsol-Systems günstiger als den Diesel-Strom, bis es zum Break Even kommt. Wenn Investition und Zinsen dann abgebaut sind, dann schenken wir den Nutzern die Anlage oder den Strom quasi. Das hat zweierlei Vorteile: Für die Kunden ist der Strom günstiger und für die Umwelt schonender. Unsere aktuelle Crowdinvesting-Kampagne wird eben genau dafür verwendet. Wir rechnen aber mit einer starken Entwicklung unseres Unternehmens, sodass wir zukünftig nicht mehr auf private Gelder angewiesen sind, sondern Unterstützung durch öffentliche Förderungen und große Unternehmen sowie Banken erhalten.

https://youtu.be/YRacDoXnB4A

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