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Umbau des Kraftwerks Spullersee geht in die heiße Phase

Fast hundert Jahre alte Druckrohrleitungen werden im Zuge des Umbaus des Kraftwerks Spullersee erneuert. Wie viel die ÖBB dafür investiert, lesen Sie hier.

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Die ÖBB beginnen mit Hauptphase des Umbaus des Kraftwerks Spullersee.

 

Die ÖBB haben am Donnerstag mit der Hauptphase des Umbaus des Kraftwerks Spullersee begonnen. Im Zentrum steht die Erneuerung der fast hundert Jahre alten Druckrohrleitungen, die unter die Erde verlegt werden. Ab Februar 2021 soll das Kraftwerk mit 36 Megawatt Ausbauleistung in den Probebetrieb gehen, so hieß es am Donnerstag beim Spatenstich in Wald am Arlberg (Bezirk Bludenz).

Das Kraftwerk Spullersee wurde in den Jahren 1919 bis 1925 als Bahnstromkraftwerk errichtet. Nun soll es mit Investitionen von 31 Mio. Euro modernisiert werden. Mit der Umsetzung und Vorarbeiten begannen die ÖBB bereits in den Wintermonaten, Anfang Jänner wurde der Speicher Spullersee kontrolliert entleert. Zudem wurden ein 480 Meter langer Zugangstunnel und eine neue Apparatekammer ausgebrochen, die alte Werksseilbahn abgetragen, ein 8-Tonnen-Kabelkran errichtet und die alten Druckrohrleitungen abgebaut. Im Zuge der Hauptarbeiten sollen nun das Stollenrohr am Speichersee und der Einbau der erdverlegten Stahldruckleitung am Dürrenberg umgesetzt werden.

Das neue Stahldruckrohr ist 1.460 Meter lang, es hat über einen Meter Durchmesser und eine Wanddicke von 2,5 Zentimetern. Die Arbeiten seien für die Spezialisten herausfordernd, weil diese in bis zu 40 Grad steilem, unzugänglichen, hochalpinen Gelände durchgeführt werden müssen, so die ÖBB. Parallel unternehme man umfangreiche Wartungsarbeiten am Kraftwerk. Darunter falle die Inspektion der Generatoren, die Erneuerung der Leittechnik und der mechanischen Turbinenregler. Der Abschluss dieser Arbeiten und damit des Gesamtprojekts ist für 2022 vorgesehen. Angesichts der Covid-19-Pandemie musste der Baustellenbetrieb den neuen Umständen angepasst werden, die Arbeiten könnten aber im vorgesehenen Zeitraum durchgeführt werden, hieß es.

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ÖBB-Infrastruktur-Vorstand Johann Pluy erklärte am Donnerstag, man stelle am Beispiel Spullersee unter Beweis, dass Klimaschutz eine Kompetenz der ÖBB sei. Man betreibe in Österreich zehn Wasserkraftwerke und sieben Frequenzumformer. Die ÖBB-Infrastruktur sei durch die Versorgung mit 100 Prozent grünem Bahnstrom eine der umweltfreundlichsten Eisenbahn-Infrastrukturbetreiber in Europa. Als Vertreter der Landesregierung betonten Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) und Landesrat Johannes Rauch (Grüne) die Bedeutung der Revitalisierung für die regionale Wirtschaft und den Beitrag der ÖBB zum Ziel der Energieautonomie bis 2050 des Landes. Die Gemeinden profitierten von den Investitionen durch die damit gesicherten Arbeitsplätze in der Region, so Martin Burtscher, Bürgermeister von Dalaas (Bezirk Bludenz), als Vertreter der drei Standortgemeinden.

Laut ÖBB-Angaben sichert das Kraftwerk Spullersee gemeinsam mit dem Vorarlberger Kraftwerk Braz bei Bedarf die gesamte Bahnstromversorgung in Vorarlberg. Es könne Lastspitzen ausregeln und diene der Stabilität des ÖBB-Stromnetzes. In der Region West (Tirol und Vorarlberg) betreiben die ÖBB zudem das Kraftwerk Fulpmes im Stubaital. Diese drei Kraftwerke produzierten jährlich rund 220.000 Megawattstunden (MWh) Strom. Der Verbrauch der ÖBB in Tirol und Vorarlberg liege bei rund 275.000 MWh. 80 Prozent des Stroms erzeugten die ÖBB also selbst, der Rest werde von Partnerkraftwerken und der Kraftwerksgruppe Stubachtal bezogen. (apa/red)

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