Stromlos heizen

Stromausfall: Frieren muss nicht sein

Ein Stromausfall ist ohnehin ärgerlich, dauert er aber länger an, kann er sogar gefährlich werden. Durch den winterlichen Schneefall werden häufig Stromleitungen beschädigt, manche Haushalte müssen dadurch mehrere Tage ohne Strom auskommen – und ohne Heizung.

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Durch beschädigte Stromleitungen müssen Bürger teilweise mehrere Tage ohne elektrische Energie ausharren.

Wenn die Straßenlaternen plötzlich erlöschen und auch die elektrischen Geräte im Haus den Geist aufgeben, ist das meist einem Stromausfall geschuldet. 48,32 Minuten musste jeder Österreicher 2018 durchschnittlich ohne Strom verbringen. Realistisch betrachtet teilen sich Stromausfälle aber nicht gerecht auf jeden einzelnen Einwohner auf. So kann es passieren, dass manche Bürger längere Zeit vom öffentlichen Stromnetz getrennt sind. Derzeit betrifft das vor allem Osttirol, wo 5.400 Haushalte aufgrund einer durch Schneefall ausgelösten Überspannung ohne Strom auskommen mussten. Noch schlimmer traf es kürzlich Südtirol: Der anhaltend starke Schneefall nahm 39.000 Abnehmern die Stromzufuhr. Einige Haushalte mussten über mehrere Tage hinweg ohne elektrische Energie auskommen. 

Ein Stromausfall bringt dabei nicht nur Dunkel ins Licht, sondern auch Kälte ins Haus. Egal ob Wärmepumpe oder Ölheizung – ohne Strom sind die Systeme nutzlos. Für den Betrieb ist sogenannte Hilfsenergie notwendig, die dafür sorgt, dass Heizungspumpe, Regelung und Brennstoffzuführung gewährleistet werden können. Um für den Notfall gerüstet zu sein, lohnt sich deshalb die Investition in eine alternative Stromversorgung oder in eine zusätzliche Wärmequelle.

Heizen mit Diesel

Die wohl konventionellste Lösung für eine durchgehende Stromversorgung ist ein Dieselaggregat. Grundsätzlich können die meisten Heizsysteme über das Notstromaggregat versorgt werden. Beachtet werden sollte, dass der Generator genug Leistung erzeugen kann, um alle elektrischen Verbraucher zu versorgen. Um sicherzugehen, empfiehlt sich deshalb vorab eine Leistungsbemessung des Generators. Außerdem muss beachtet werden, dass der Generator absolut sicher in die Elektroschaltung der Heizung eingebunden werden wird. Hier sollte ein Elektroniker zur Beratung herangezogen werden. 

Christian Ulrich vom Institut für Wärme und Öltechnik sieht Dieselaggregate als sinnvolle Unterstützung des Heizsystems und weist dabei auf einen wesentlichen Vorteil einer Ölheizung hin: „Ein Diesel-Stromgenerator kann in Extremsituationen auch mit dem Heizöl der Öl-Heizungsanlage betrieben werden, womit auch Strom für andere Verbraucher im Haushalt verfügbar ist“, meint er gegenüber HLK. Dabei ist das Dieselaggregat jedoch nicht sonderlich umweltfreundlich und sollte somit nur im äußersten Notfall genutzt werden. 

Notstrom dank Salzwasser

Im Burgenland ist man vorbereitet: In der Gemeinde Ollersdorf werden wichtige Gebäude wie Gemeindeamt, Feuerwehrhaus oder Ordination über einen Salzwasserspeicher mit Energie versorgt. Dieser wird mit erneuerbarer Energie aus einer Photovoltaikanlage aufgeladen und kann im Falle eines Blackouts das Dieselaggregat ersetzen. Bis zu vier Stunden kann jeder Gebäudekomplex durch den Salzwasserspeicher mit Strom versorgt werden. 

Für die Salzwasser-Batterie hat sich die Gemeinde vor allem wegen seiner Umweltverträglichkeit entschieden. Die Speicher gelten als sicherste und umweltfreundlichste Speicherlösung und sind zudem nicht brennbar oder explosiv, erklärt Bürgermeister Bernd Strobl gegenüber dem ORF. In die sichere Stromversorgung dank Salzwasserspeicher investierte die Gemeinde 25.000 Euro.  

Im Privathaushalt muss es aber kein ausgefallener Salzwasserspeicher sein, auch herkömmliche Batteriespeicher ermöglichen eine autarke Stromversorgung. Die Stromspeicher lohnen sich vor allem, wenn eine hauseigene Photovoltaikanlage vorhanden ist. Überschüssige Energie aus sonnenreichen Tagen kann dann gespeichert und bei Bedarf jederzeit verwendet werden - nicht nur im Falle eines Stromausfalls. Ein Energiespeicher bietet dem Nutzer die Möglichkeit, rund ums Jahr erneuerbare Energie aus der eigenen PV-Anlage zu speichern und diese jederzeit im Haushalt zu verwenden. 

Altmodische Wärmeversorgung

Die einfachste Heizmethode im Falle eines Blackouts ist der Kachelofen. In Österreich sind die altmodischen Wärmespender nach wie vor sehr beliebt: Derzeit gibt es hier rund 460.000 Kachelöfen – das sind 12 Prozent der 3,8 Millionen Haushalte in Österreich. Jährlich werden rund 10.000 neue Anlagen von den Ofenbaubetrieben errichtet. Der Kachelofen ist längst nicht nur für rustikale Landhäuser geeignet, auch im Neubau und sogar im Passivhaus sorgt er für angenehme Wärme. 

Alternativ zum Kachelofen kann auch auf einen Schwedenofen gesetzt werden. Im Gegensatz zum Kachelofen, der aufwendig vor Ort aufgemauert wird, ist der Schwedenofen ein vorgefertigtes Produkt. „Man muss dabei häufiger Holz nachlegen und sobald das Feuer erloschen ist, gibt er auch keine Wärme mehr ab“, erklärt Thomas Schiffert, Geschäftsführer des Österreichischen Kachelofenverbands. Der vorgefertigte Metallofen ist dafür auch um einiges günstiger als ein handwerklich gesetzter Kachelofen. Kleine Kachelöfen gibt es ab einer Leistung von 800 Watt. 

Ursprünglich waren in Kachelöfen keine Sichtfenster vorhanden. Heute hat fast jeder neu errichtete Kachelofen eine kleine Glasscheibe. „Der Trend geht deutlich zum Feuerschauen“, so Schiffert. Den Grund, warum Kachelöfen auch nach Jahrhunderten noch immer in Österreich populär sind, kennt Schiffert: „In Zeiten von Wärmepumpen sehnen sich die Menschen wieder nach einer spürbaren Wärmequelle im Haus, an der man sich nach einem kalten Wintertag anlehnen und aufwärmen kann.“


 

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