ÖBV und FGW warnen

Strom- und Wärmeerzeugungs-Anlagen vor dem Aus

Aufgrund mangelnder bzw. auslaufender gesetzlicher Regelungen stehen Biomasse- und Gas-KWK-Anlagen in Österreich kurz vor dem Aus, warnen der Fachverband Gas Wärme (FGW) und der Österreichische Biomasse-Verband (ÖBV). Der Handlungsbedarf ist dringend und die Politik entsprechend gefordert.

Energieversorger Biomasse- und Gas-KWK Strom- und Wärmeversorgung

Ernste Stimmung angesichts vor der prekären Situation heimischer Biomasse- und Gas-KWK-Anlagen herrscht nicht nur bei (v. l.). Ök.-Rat Franz Titschenbacher (Präsident des ÖBV und der LWK Stmk.), DI Christoph Pfemeter (GF des ÖBV), DI Peter Weinelt (Obmann des FGW und Generaldir.-Stv. der Wiener Stadtwerke GmbH), Mag. Michael Mock (GF des FGW).

Sie ist eine Erfolgsgeschichte ‑ die Entwicklung der Nah- und Fernwärmeversorgung in Österreich. Seit 1990 hat sich der Nah- und Fernwärmeverkauf verdreifacht, jede vierte Wohnung in Österreich wird heute mit Nah- oder Fernwärme beheizt. Rund 70 % aller Haushalte Österreichs werden durch Mitgliedsbetriebe des Fachverbandes Gas Wärme (FGW) und des Österreichischen Biomasse-Verbandes (ÖBV) mit Energie versorgt.
Maßgeblich verantwortlich für diese Zunahme war der Ausbau der Strom- und Wärmeerzeugung mit Biomasse- und Gas-KWK-Anlagen.
Die Versorgung von rund 600.000 heimischen Haushalten durch diese Anlagen ist aber nun in Gefahr, warnen der Fachverband Gas Wärme (FGW) und der Österreichische Biomasse-Verband (ÖBV) bei einer Pressekonferenz am 11. Juli 2018 in Wien. Ök.-Rat Franz Titschenbacher, Präsident des ÖBV: „Aufgrund mangelnder gesetzlicher Regelungen stehen die Biomasse- und Gas-KWK-Anlagen leider kurz vor dem Aus. Kommt es hier nicht rasch zu einer Korrektur, verlieren wir 20 Prozent der Ökostromproduktion und ein Drittel der erneuerbaren Fernwärme“.
Auch DI Peter Weinelt, Obmann des FGW und Generaldirektor-Stv. der Wiener Stadtwerke GmbH, sieht die Lage dramatisch, wenn nicht bald etwas passiert. Auf die Frage der HLK, ob es zu Kraftwerksabschaltungen kommen könnte, meinte Weinelt sinngemäß, dass jeder Geschäftsführer eine wirtschaftlich defizitär laufende Anlage abschalten muss – alles andere wäre fahrlässig. Bis Oktober 2018 müsse die Politik handeln. Falls dies nicht geschieht, kann man sich ausmalen was passiert: Heimische Kraftwerke müssten abgeschaltet werden und das könnte zu prekären und unangenehmen Situationen bei der Versorgung im Herbst und Winter führen.
Daher fordern der FGW und der ÖBV von der Politik eine „umgehende Lösung zum Weiterbetrieb der Biomasse und Erdgas-KWK-Anlagen“ ein, aber auch „passende Rahmenbedingungen zur Einspeisung von Biogas ins Erdgasnetz“, damit entsprechende Rahmenbedingungen vorhanden sind, die die Dekarbonisierung begünstigen.

Versorgungssicherheit durch Sektorkopplung

Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien und dem vorgesehenen rückläufigen Stromimport erhöht sich der Bedarf an saisonaler Energiespeicherung. Die rohstoffabhängige Energieerzeugung ist wie kein anderer Garant für Versorgungssicherheit. Denn die Strom- und Wärmebereitstellung durch Biomasse und erneuerbarem Gas in Zusammenhang mit bereits vorhandener Fernwärme- und Gasinfrastruktur steht immer zur Verfügung – auch dann, wenn andere volatile Erneuerbare ausfallen.