SMART METER

Steiermark steigt auf intelligente Strom-Zähler um

Ab Herbst 2017 wird damit begonnen, alle steirischen Kunden mit „Intelligenten Stromzählern“ auszurüsten: 30 EVU-Partner arbeiten dazu in der Steiermark zusammen. Bis zu 150 Mio. Euro fließen während der 3-jährigen Installationsphase direkt in die steirische Wirtschaft.

Unternehmen

Arbeiten bei der Stromzähler-Umrüstung zusammen (v.l.):

Erich Rybar (GF Feistritzwerke Steweag), Vorstandsdirektor Martin Graf (Energie Steiermark), Vorstandssprecher Christian Purrer (Energie Steiermark), Geschäftsführer Boris Papousek (Energie Graz),

Vorstandsvorsitzender Manfred Wehr (Stadtwerke Judenburg),

Martin Brunner (GF Energy Services).

Bild: Energienetze Steiermark GmbH

In rund einem Jahr (Herbst 2017) wird damit begonnen alle steirischen Stromzähler durch neue, digitale „Smart Meter“ zu ersetzen.

Unter der Führung der Energie Steiermark und ihres Tochterunternehmens Energienetze Steiermark haben sich 30 steirische Energieunternehmen gemeinsam zu einer Kooperations-Partnerschaft zusammengeschlossen, um dieses Groß-Projekt - das mehr als drei Jahre laufen wird - umzusetzen. Diese Unternehmen (einige davon haben ihren Sitz außerhalb der Landesgrenzen) decken 90 % der weiß-grünen Haushalte ab.

Warum Smart Meter?

Mit der Umrüstung der Stromzähler wird einerseits ein europaweiter gesetzlicher Auftrag (ElWOG 2010) erfüllt. Andererseits können die Kunden mit den neuen „intelligenten“ Stromzählern, ihren persönlichen Energieverbrauch auch leichter kontrollieren und senken. Die „Smart Meter“ ersetzen die seit dem Jahre 1886 verwendeten mechanischen Ferraris-Zähler und sind ein Bestandteil der Energiewende. Mit einem Smart Meter rückt der Eigenstrom-Verbrauch mehr ins Bewusstsein der der Kunden – in der Regel führt dies zu einer Senkung des Energieverbrauchs.

Die Montage des neues Geräts vor Ort dauert rund 20 Minuten, für die Kunden entstehen keine zusätzlichen Kosten, versichert man seitens der Energieunternehmen. Der elektronische Zähler wird am Platz des bisherigen mechanischen Zählers angebracht, im Normalfall kommt es zu keinen Verschmutzungen oder Staubentwicklung, Umbauten sind in der Regel nicht erforderlich.

Datensicherheit ist das Um und Auf

Der Fokus bei den Vorbereitungsarbeiten – sie haben bereits vor mehr als acht Jahren begonnen – liegt bei der Datensicherheit. Bis dato wurden österreichweit bereits rund 500.000 Smart Meter installiert, Interesse und Akzeptanz der Kunden sind dabei überaus groß. Von der Möglichkeit einer Ablehnung der automatisierten Datenübermittlung haben bis dato weniger als 0,7 % Gebrauch gemacht. Bei der Umstellung in der Steiermark wird es dennoch im Sinne einer proaktiven, umfassenden Information eine enge Abstimmung mit der Arbeiterkammer und anderen Konsumentenschutzorganisationen geben. Auch die Energieversorger selbst müssen ein vitales Eigeninteresse an der Sicherheit der Netze und Daten haben, zumal auch die neue EU Datenverordnung drakonische Strafen bei Datenmissbrauch vorsieht.

Künftig werden die Verbrauchsdaten der Kunden verschlüsselt und gesichert täglich über die Stromleitung zum Netzbetreiber gesendet. Dieser darf Daten nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Kunden auslesen, übertragen und verarbeiten. Der Kunde selbst kann über das Internet seine Verbrauchsverläufe beobachten und analysieren, das gilt auch für die Einspeisung durch eigene Photovoltaik-Anlagen. Unnötige Stromfresser oder Stand-by-Verbräuche können von den Kunden so rasch aufgespürt und eliminiert werden. Monatlich gibt es eine übersichtliche Auswertung, aufwendige Ablesungen mit Terminvereinbarungen entfallen künftig. Kunden können eine stichtagsbezogene Abrechnung vornehmen lassen, eine (Wieder-)Einschaltung kann künftig aus der Ferne vorgenommen werden. Bei vergleichbaren flächendeckenden Einführungen von Smart Metern in Europa haben Kunden durch das konsequente Eigen-Monitoring teilweise Einsparungen des Stromverbrauchs von bis zu 10 % erzielt.

Auftrag für 1 Million Geräte/Wertschöpfung auch im Land

Das Ergebnis einer europaweiten Ausschreibung der 30 steirischen „Smart Meter Partner“ liegt nun vor: Der Auftrag für die Lieferung von einer Million Geräte geht an die Unternehmen Sagemcom (Frankreich) und Landis+Gyr (Schweiz). Die verwendete Technologie ist eng mit dem steirischen Halbleiter-Konzern ams in Unterpremstätten verknüpft. Hier wurde das Innenleben der „Intelligenten Stromzähler“ für Landis+Gyr konzipiert und maßgeblich entwickelt.

Der gemeinsame Liefer-Auftrag für die sogenannten „Smart Meter“ hat ein Volumen von rd. 70 Mio. Euro, das Gesamtinvest für die Einführung der Smart Meter inkl. der Montage, der Infrastruktur für Datenübertragung und Datenverarbeitung wird für die Kooperationspartnerschaft rd. 250 Mio. Euro betragen. Zwischen 2017 und 2021 werden unmittelbar durch das Umrüstungs-Projekt über 200 steirische Arbeitsplätze gesichert.

Vorstandssprecher Christian Purrer, Energie Steiermark: „Bis zu 150 Millionen Euro aus diesem Projekt fließen direkt in die steirische Wirtschaft, während der 3-jährigen Installationsphase werden landesweit mehr als 200 Arbeitsplätze gesichert. Auch das „Innenleben“ der Smart Meter wurde in unserem Bundesland entwickelt. Der Vertrieb wird in den kommenden Jahren neue Produkte und Tarife entwickeln, um interessierten Kunden noch flexiblere Möglichkeiten anzubieten und auch alternative Einspeisungsvarianten gemeinsam besser zu nützen. Mit dem Smart Meter gehen wir in eine neue Ära, sie ist nicht von Versorgern und Abnehmern, sondern von einer fairen Energie-Partnerschaft bestimmt. Die bisherigen Test-Kunden sind von den neuen Möglichkeiten überaus positiv angetan, wir nehmen Sicherheitsfragen jedenfalls sehr ernst und haben uns auch deshalb für die modernste Technologie in diesem Bereich entschieden.“

Zusammenarbeit in der Steiermark

Vorstandsdirektor Martin Graf, Energie Steiermark: „Die Kooperation der Energie Steiermark mit den regionalen EVUs in Sachen Smart Meter ist ein klares Bekenntnis zu einer Zusammenarbeit, um die Herausforderungen der neuen Energiewelt gemeinsam für die Steiermark effizient umsetzen zu können. Ein Projekt dieser Größenordnung erfordert ein fein abgestimmtes Miteinander. Auch wenn es vordergründig rein um die Umsetzung einer gesetzlichen Vorgabe geht, so wollen wir die Dialog- und Effizienz-Potenziale der neuen Zähler gemeinsam mit unseren Kunden offensiv nützen – hier wird auch eine enge Zusammenarbeit mit der AK und anderen Konsumentenschutzorganisationen stattfinden. Die Beispiele aus anderen Bundesländern zeigen, dass die Akzeptanz bei den Kunden überaus groß ist, neue Transparenz und Eigenkontrolle sorgen für ein neues Energie-Verständnis.“

Geschäftsführer Boris Papousek, Energie Graz: „Durch Smart Metering eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten betreffend Energieeffizienz, sowohl für Energiedienstleister als auch für unsere Kunden. Bereits vor der gesetzlichen Einführung startete die Stromnetz Graz im Jahr 2009 mit einem Smart Meter Pilot, im Rahmen des Klima- und Energiefonds-Leitprojektes €CO2 Management. Allein durch die Anpassung des Nutzerverhaltens der teilnehmenden Kunden konnte eine jährliche Energieeinsparung von rd. 6,8 % erreicht werden. Die Vorteile dieses intelligenten Zähler-Systems liegen auf der Hand: Kunden lernen die eigenen Verbrauchsgewohnheiten besser kennen und können diese detailliert analysieren. Zusätzlich ermöglicht Smart Metering Energiedienstleistern künftig weitere innovative, kundenorientierte Tarifmodelle anzubieten. Damit werden Energie, CO2 und nicht zuletzt Kosten gespart.“

Geschäftsführer Martin Brunner, Energy Services: „Wir als Energy Services verstehen uns als Handels- und IT Dienstleister für EVUs. In dieser Rolle durften wir 26 mittlere und kleine Stromnetzbetreiber in der Steiermark – aber auch über die Landesgrenzen hinaus (Oberösterreich, Niederösterreich, Burgenland) im Zuge des gemeinsamen Vergabeverfahrens vertreten und konnten so ein Maximum an Synergiepotential erzielen. Wir freuen uns, auch in die Umsetzung des Rollouts – insbesondere durch die Zurverfügungstellung der zentralen IT-Systeme für die 26 Netzbetreiber - eingebunden zu sein. Wiewohl der Zählertausch bzw. Roll Out lokal durch die einzelnen Stromnetzbetreiber durchgeführt werden wird.“

Vorstandsvorsitzender Manfred Wehr, Stadtwerke Judenburg: „Es freut uns als mittelgroßer Stromnetzbetreiber an diesem gemeinsamen Smart Meter Projekt teilnehmen zu dürfen – wovon wir jetzt die erste Etappe – die Vergabe der Smart Meter – erfolgreich abschließen konnten. Für uns ist es von besonderer Bedeutung, hier Teil dieser nahezu gesamt steirischen Lösung zu sein – die wiederum bei uns in der Region – wie auch in den Regionen der anderen Netzbetreiber nachhaltig Arbeitsplätze sichert und regionale Wertschöpfung erzielt. Insbesondere wird der Smart Meter Zählerwechsel in den Netzgebieten von Eigenpersonal und Fachkräften regionaler Elektrobetriebe durchgeführt werden. Wir sind überzeugt, mit allen Partnern in der Kooperations-Gemeinschaft auch den Rollout und laufenden Betrieb bestmöglich für unsere Kunden sicher zu stellen.“

Geschäftsführer Erich Rybar, Feistritzwerke Steweag: „Zuerst muss die Straße gebaut werden, bevor gefahren werden kann. Mit dem Smart Meter-Projekt haben wir in der Zukunft die Möglichkeit, die Autobahn zu nutzen und können Informationen in hoher Qualität und Geschwindigkeit für Kunden über eine sichere Internetverbindung zur Verfügung stellen. Für den Kunden können sich vielfache positive Effekte in seinem Verbrauchsverhalten ergeben, wenn er dies nutzen will. Und natürlich kann er dies direkt in seiner Geldbörse spüren.

Ein kleines Beispiel aus meinem persönlichem Umfeld: Ein Freund ist in sein neues Haus eingezogen und hat umweltbewusst eine eigene Brauchwasserleitung installiert. Leider war der Ausschalter der Tauchpumpe defekt und die Pumpe ist im Dauerbetrieb gelaufen. Er ist erst nach der ersten Stromrechnung auf den immensen Mehrverbrauch aufmerksam geworden, was ihn einige hundert Euro gekostet hat. Und Smart Meter bietet den Kunden die einfache Möglichkeit kontinuierlich über den eigenen Stromverbrauch mit einem kurzen Blick auf seinen Computer oder auf sein Smartphone Bescheid zu wissen und auf Abweichungen sofort reagieren zu können.“