Große Koalition

„So wie bisher kann es nicht weitergehen“

Die Deutsche Energie-Agentur veröffentlichte nun eine Gebäudestudie, die konkrete Vorschläge zur Umsetzung der Wärmewende beinhaltet - und die neue Große Koalition in Berlin herausfordert. Christian Stolte, Bereichsleiter Energieeffiziente Gebäude bei der Deutschen Energie-Agentur, erklärt im Interview mit HLK, wie die Wärmewende vorangetrieben werden kann.

Von

"Unser Gesamtenergieverbrauch liegt derzeit bei rund 2.500 Terrawatt, etwa 780 Terrawatt kommen aus dem Gebäudebereich", so Christian Stolte, Bereichsleiter Energieeffiziente Gebäude bei der Deutschen Energie-Agentur.

Was erwarten Sie bei der Wärmewende von der GroKo?

Ich würde mich freuen, wenn die Energieeffizienz ganz deutliche Impulse bekommt. Das heißt, es werden verlässliche Maßnahmen benötigt, die eine Wärme- und Energiewende vorantreiben. Vor allem steuerliche Förderungen sind wichtig, um die Gebäudesanierung voranzutreiben. Sinnvoll wäre dabei vor allem eine steuerliche Absetzbarkeit für private Eigentümer im Rahmen der Einkommensteuer, für jene, die in eine energetische Sanierung investieren. Diese Förderungen werden schon sehr lange diskutiert, deshalb bin ich guter Dinge, dass die GroKo sie auch berücksichtigen wird.

Warum ist gerade der Gebäudesektor so wichtig für die Wärmewende?

Ganz einfach: Weil der Gebäudesektor ein Drittel des Gesamtenergieverbrauchs ausmacht. Damit ist er nicht nur für die Wärmewende, sondern auch für die Energiewende wichtig. Unser Gesamtenergieverbrauch liegt derzeit bei rund 2.500 Terrawatt, etwa 780 Terrawatt kommen aus dem Gebäudebereich. Außerdem greifen hier viele Sektoren ineinander. Gebäude können zum Beispiel gleichzeitig Energieerzeuger sein, indem man eine Photovoltaik-Anlage installiert. Deshalb ist dieser Sektor so wichtig und braucht eine strukturell entscheidende Rolle.

Welche Möglichkeiten gibt es – außer den Förderungen – noch, um die Entwicklung der Wärmewende voranzutreiben?

Ich finde, der Staat sollte selbst die Vorbildfunktion übernehmen und zeigen, wie einfach man zur Energie- und Wärmewende beitragen kann. So könnte man auf vielen öffentlichen Gebäuden Solaranlagen installieren oder neue Dämmungen und Fenster anbringen. Auch die alte, ineffiziente Heizung kann durch eine neue ausgetauscht werden. Leider sind viele Gebäude in Deutschland bei der Energieeffizienz weit vom neuesten Stand der Technik entfernt. Um dies zu ändern, ist es wichtig, die Schwachstellen eines Gebäudes zu finden und sie zu beseitigen. Dabei hilft ein Energieberater.

Was genau macht so ein Energieberater?

Er sieht sich das Gebäude genau an und findet eben jene Schwachstellen, die Energie und Geld kosten. Durch den Energieberater erhält man eine Palette an Möglichkeiten, die zu mehr Energieeffizienz des Gebäudes führen sollen – auch in den nächsten 20 Jahren. Für den Bauherrn mögen die anfänglichen Investitionskosten mitunter sehr hoch scheinen, dabei rechnen sich energieeffiziente Investitionen oft schnell. Außerdem kann man gemeinsam mit dem Experten einen Finanzplan erstellen, um die Sanierungsmaßnahmen ans eigene Budget anzupassen.

Nun hat die Dena ja, gemeinsam mit der Alianz für Gebäude-Energie-Effizienz und weiteren Verbänden aus dem Bereich der Gebäudeenergieeffizienz, eine Gebäudestudie veröffentlicht. Was sind die wichtigsten Erkenntnisse daraus?

Im Wesentlichen geht es um drei wichtige Punkte. Erstens: So wie bisher kann es nicht weitergehen, da wir sonst alle wichtigen Klimaziele versäumen. Zweitens, und das ist die gute Nachricht, sind wir durchaus in der Lage die Ziele zu erreichen. Dafür braucht es einen sinnvollen Mix aus den erneuerbaren Energien und energieeffizienten Gebäuden. Und zu guter Letzt brauchen wir einen möglichst technologieoffenen Ansatz. Das heißt, dass wir nicht nur Stromanwendungen zum Zuge kommen lassen, sondern auch offen für weitere Alternativen bleiben.

Folgen Sie der Autorin auf Twitter: @Ott_Magdalena

Folgen Sie HLK auf Twitter: @HLKmagazin