Energiewende

So soll die Digitalisierung der Energiewirtschaft gelingen

Smart Meter, Smart Grids und smarte Verbraucher: Die Energiebranche muss stärker vernetzt und intelligenter werden, damit die Energiewende gelingt. Was dafür benötigt wird, erklärt Barbara Schmidt, Generalsekretärin bei Oesterreichs Energie, in der neuen Ausgabe von „5 Fragen an...“.

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Smart Grids, Prosumer und Online-Check: So wird die Energiewirtschaft digitalisiert. 

„Die Digitalisierung in der Energiewirtschaft ist das Zusammenwachsen der Informations- und Kommunikationstechnologien mit dem Energiesystem“, sagt Barbara Schmidt, Generalsekretärin bei Oesterreichs Energie, in der neuen Ausgabe von „5 Fragen an...“. Welche Chancen bringt die Digitalisierung dabei für Energieanbieter und Verbraucher und welche Technologien stehen hier im Fokus?

Flexibilität und Stabilität durch Smart Grids

Energie- und kosteneffizient soll das Stromnetz der Zukunft sein. Dabei muss es – trotz steigendem Anteil der erneuerbaren Energien und damit mehr Flexibilität – auch zuverlässig arbeiten und alle Netzbenutzer miteinbeziehen. Ein Konglomerat aus all diesen Eigenschaften bilden Smart Grids, also intelligente Netze. In einem Smart Grid sind alle Akteure des Energiesystems über ein Kommunikationsnetzwerk miteinander verbunden und können dadurch interagieren. Hauptaufgabe der Smart Grids ist es, ein Gleichgewicht zwischen allen Verbrauchern, Erzeugern und Speichern herzustellen und damit das Netz zu stabilisieren. So soll die Elektrizitätsversorgung auch bei zunehmend volatiler Erzeugung gewährleistet werden. 

„Ohne Digitalisierung könnten wir die aktuellen Herausforderungen der Energiewende gar nicht umsetzen. Die Energiewende ist ein großes Infrastrukturprojekt, das viele Marktteilnehmer betrifft“, ist Barbara Schmidt überzeugt. Damit dieser Wandel gelingen kann, muss Österreich zukünftig stark in den Ausbau von Smart Grids investieren. 2008 wurde deshalb die Technologieplattform Smart Grids Austria gegründet. Dort haben sich wesentliche Akteure aus Energiewirtschaft, Industrie und Forschung vernetzt und sind damit zu einem wichtigen Ansprechpartner für die öffentliche Hand geworden. Zum Netzwerk zählen unter anderem das Austrian Institute of Technology, die FH Technikum Wien, Oesterreichs Energie, Schneider Electric und Siemens. 

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Smart Meter für mehr Transparenz

Für Energieversorger und Kunden steigen durch die Einführung von Smart Metern Komfort und Transparenz. Alte Ferraris Zähler werden nun durch intelligente Zähler ausgetauscht, über die Daten direkt an den Netzbetreiber übermittelt werden. Durch die digitale Fernablese müssen Kunden nicht länger Zuhause sein, wenn der Energieanbieter den Stromzähler ablesen will. Durch die regelmäßige Fernablese können zudem Tarife schneller angepasst werden, was dem Kunden Geld spart. „Wir können dem Kunden damit ganz andere Angebote machen, da wir ihn und seine Verbrauchsdaten viel besser kennen“, ist Barbara Schmidt überzeugt.

Gleichzeitig hat der Dienstleister täglich oder sogar im Viertelstunden-Takt die Möglichkeit, den Zählerstand zu überprüfen und so den Energiebedarf zu analysieren. Der intelligente Stromzähler sorgt für besser steuerbare und effiziente Netze und unterstützt damit die sichere Energieversorgung. Bisher basieren die Daten des Energiesystems meist noch auf Schätzungen. Sind diese ungenau, tragen die Kunden die Kosten der Fehlschätzungen. Die österreichweite Umstellung auf Smart Meter kostet rund 1,7 Milliarden Euro. Laut E-Control sollen diese Mehrkosten aber nicht zwingend auf die Konsumenten abgewälzt werden, da die Umstellung zu Kostenreduktionen für die Stromnetzbetreiber führen soll und diese damit entlastet werden.

https://youtu.be/niWX0MSh1Tw

Kunden werden zu Prosumern

„Die Kunden sind nicht mehr nur Bezieher von Strom, sondern werden immer mehr aus zum Produzenten“, sagt Barbara Schmidt im HLK-Videoninterview. Mittels Photovoltaik Anlage können Kunden ihren eigenen Strom produzieren und werden damit zum Prosumer. Er spart dadurch Geld und hilft dabei, die Klimaziele zu erreichen. Bis 2030 will Österreich seinen Strombedarf zu 100 Prozent durch erneuerbare Energie abdecken. Damit das gelingen kann, werden laut Verbund rund 14 Terawattstunden zusätzliche Photovoltaikleistung benötigt, das ist etwa so viel wie ganz Wien verbraucht. Privatkunden, die mittels Photovoltaik selber Energie erzeugen, helfen den Anteil an erneuerbarer Energie zu erhöhen und verkürzen außerdem die Wege, die der Strom zurücklegen muss. Wird die Solarenergie am Dach produziert und direkt im Haus verwendet oder gespeichert, liegen Erzeugungs- und Verbrauchsort nah beieinander. Durch ein intelligentes Energiemanagementsystem kann die erneuerbare Energie dann besonders sinnvoll, effizient und günstig eingesetzt und das Haus zu einem selbstständigen und nahezu energieautarken Element werden. 

Online-Check für Digitalisierung

Um Energieversorgern die digitale Transformation als Chance näherzubringen und ihnen einen internationalen Vergleich zu bieten, haben nun mehrere Branchenverbände den Digitalisierungscheck Digital@Utility eingeführt. Neben dem BDEW in Deutschland bieten in diesem Jahr erstmals auch Oesterreichs Energie und der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen VSE das Tool kostenlos Energieunternehmen in ihren Ländern an. Weitere Regionen, wie etwa Frankreich oder Osteuropa, werden über A.T. Kearney abgedeckt. 

Ab sofort können Energieversorgungsunternehmen ihren Digitalisierungsstand mit Hilfe des Online-Tools überprüfen lassen. Das kontinuierlich weiterentwickelte Tool eignet sich für Energieversorger aller Größenklassen. Nach Beantwortung qualitativer und quantitativer Fragen zu Aspekten der Digitalisierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette erhalten die Teilnehmer eine individuelle Auswertung ihrer Stärken und Schwächen sowie konkrete Verbesserungsvorschläge. Zudem erfahren die Unternehmen, wie gut sie national und international im Branchenvergleich mit ihrer Digitalisierungsstrategie aufgestellt sind.  „Die gemeinsame Branchenuntersuchung ist ein gutes Beispiel für die Zusammenarbeit der Verbände und bietet uns wichtige Anhaltspunkte für ein Digitalisierung-Benchmarking“, so Schmidt.