Corona und die Industrie

So reagieren österreichische Energieversorger auf die Coronavirus-Krise

Die logistische Herausforderung und personelle Verantwortung, die österreichische Industrieunternehmen derzeit zu bewerkstelligen haben, sind enorm. Bei vielen Unternehmen muss auf Kurzarbeit zurückgegriffen werden, bei einigen Firmen könnte es sogar zu Kündigungen geben. Wie gehen Energieversorger und Industriebetriebe derzeit mit der Coronavirus-Krise um?

Von

Die heimischen Energieversorger sind auf einen fortschreitenden Ausnahmezustand vorbereitet.

Noch befinden wir uns am Beginn der Coronavirus-Krise, der österreichische Ausnahmezustand könnte noch mehrere Wochen bestehen bleiben. Und dennoch müssen sich viele Unternehmen schon jetzt mit Themen wie Homeoffice, Kurzarbeit und Werkschließungen beschäftigen. Zumindest bei den heimischen Energieversorgern ist die Lage derzeit noch entspannt. 

Energieversorger sind vorbereitet

Probleme soll es zumindest in der Energieversorgung nicht geben, sind sich die heimischen Anbieter einig. „Als kritischer Infrastrukturbetreiber ist Wien Energie bestmöglich vorbereitet, um die Energieversorgung und die Müllverwertung von Wien auch in einer Krise sicherzustellen“, stellt Michael Strebl, Geschäftsführer der Wien Energie, klar. Auch EVN, Kelag, Salzburg AG und die Energie AG Oberösterreich stellen klar, dass sich Verbraucher keine Sorgen um die Energieversorgung machen müssen.

EVN und Wien Energie beliefern ihre Kunden nicht nur weiterhin zuverlässig mit Strom und Gas, sie sehen auch von Abschaltungen ab, sollte jemand in Zahlungsverzug sein. „Kundinnen und Kunden, die ihre Rechnungen mit Zahlschein zahlen, müssen deshalb nicht extra auf die Bank. Das gilt insbesondere für ältere Menschen. Bleiben Sie bitte zuhause“, appelliert die EVN auf ihrer Webseite. Für die Mitarbeiter des Energieversorgers gibt es scharfe Sicherheitsvorkehrungen, was Hygiene und Desinfektion angeht. Die rund 100 Mitarbeiter, die zum EVN-Schlüsselpersonal zählen, werden sogar weitestgehend von der Außenwelt abgeschottet, damit das Ansteckungsrisiko möglichst gering bleibt. 

Bei Österreichs größtem Energieversorger Verbund stehen Fachkräfte als Bereitschaftspersonal zur Verfügung. Die Fachkräfte sind jederzeit auf Abruf und können im Notfall eingreifen. Bei den laufenden Arbeiten wurden nun vor allem Wartungen, die die Sicherheit der Anlagen bei Hochwasser betreffen, priorisiert. Im Vordergrund steht aber auch bei Verbund weiterhin die Versorgungssicherheit. „Strom bleibt die wichtigste Säule unseres modernen Lebens und muss entsprechend abgesichert werden. Das ist unsere Hauptaufgabe in der momentanen Lage“, so Vorstandsvorsitzender Wolfgang Anzengruber. Weniger dringliche Arbeiten werden deshalb zurückgestellt, um Reserven aufzubauen.

Industrie prüft teilweise Werkschließungen

Bei Siemens Österreich hat man die Situation von Anfang an ernstgenommen und rasch reagiert, meint Gerald Kastner, Pressesprecher von Siemens Österreich: „Wir unterstützen natürlich auch die Maßnahmen der Regierung in vollem Umfang und haben zum Schutz unserer Mitarbeiter den Betrieb innerhalb der Siemens AG Österreich weitestgehend auf Homeoffice umgestellt. Die Rahmenbedingungen für Homeoffice sind bei Siemens in Österreich bereits seit Langem in einer Betriebsvereinbarung geregelt, die auch in der aktuellen Situation Anwendung findet.“ Homeoffice und weitreichende Hygienevorschriften werden derzeit bereits in den meisten Betrieben umgesetzt, Siemens geht aber noch einen Schritt weiter: „Darüber hinaus haben wir zur engen Kooperation innerhalb des Unternehmens eine Task Force eingerichtet, die sich neben der  zentralen Beobachtung der Entwicklung von COVID-19 für ganz Österreich und der laufenden Abstimmung mit lokalen Behörden, rasch und flexibel um die Festlegung und Einhaltung von notwendigen Maßnahmen kümmert“, erklärt Kastner. 

Auch bei der Voestalpine wurde bereits weitestgehend auf Homeoffice umgestellt. Einige Produktionsbereiche können aber nur mit anwesendem Personal weiter betrieben werden. Deshalb prüft das Unternehmen derzeit, ob Produktionsbereiche nach den gesetzlichen Vorgaben geschlossen werden müssen oder ob alle Bereiche weitergeführt werden können. Bis auf weiteres sind die Mitarbeiter aber an den Produktionsstätten im Einsatz. 

Bei Siemens will man ebenfalls solange wie möglich produzieren: „Die von der Regierung festgesetzten Maßnahmen bedeuten aus heutiger Sicht in keiner Weise Werksschließungen, einen Produktionsstopp oder Ähnliches. In unseren Werken haben wir alle Maßnahmen zur Risikominimierung getroffen“, so Kastner und weiter: „Wir sind mit unseren Kunden in Kontakt und weisen explizit auf alle Möglichkeiten der schriftlichen, telefonischen oder virtuellen Kontaktaufnahme hin. Geplante Serviceeinstätze, Wartungsarbeiten oder aber Arbeiten in laufenden Projekten wollen wir in enger Abstimmung mit unseren Kunden und unter Einhaltung aller notwendigen Sicherheitsmaßnahmen durchführen. Was die Lieferfähigkeit unserer Produkte betrifft, beobachten wir derzeit nur geringe Einschränkungen. Wir arbeiten derzeit intensiv daran, dass diese in weiterer Folge auch erhalten bleibt.“ Zu den wirtschaftlichen Folgen will man sich bei Siemens bis auf Weiteres nicht äußern, jedoch sei man bemüht den Schaden so gering wie möglich zu halten.

Catering-Lebensmittel für die Tafel

Die größten Auswirkungen hat das Coronavirus derzeit auf internationale Fachmessen. Zahlreiche Messen mussten abgesagt werden, obwohl die Planung dafür schon abgeschlossen war. Damit stehen Veranstalter und Aussteller oftmals vor einem logistischen Problem – und vor ziemlich viel Essen, wie es bei Viessmann Deutschland der Fall war. Das Unternehmen hatte die Planung für die Light + Building 2020 bereits komplett abgeschlossen. Weil die Absage der Fachmesse sehr kurzfristig kam, konnten viele Verträge nicht mehr storniert werden – auch der des Caterings. „Nachdem uns der Caterer mitgeteilt hatte, dass eine Stornierung nur gegen Zahlung einer sehr hohen Entschädigung möglich ist, haben wir uns zusammengesetzt und überlegt, wie wir das Beste aus der Situation machen können‟, so Tom Christofer Haase, Leiter Messen und Ausstellungen bei Viessmann. „Dabei kamen wir schnell auf die Idee, die Lebensmittel der Tafel zu spenden.” Somit übergab Haase Waren im Wert einer fünfstelligen Summe an die Frankfurter Tafel. „Wir sehen uns nicht als die großen Wohltäter; wir haben einfach nur eine verantwortliche und vernünftige Entscheidung getroffen“, so Haase. „Allerdings würden wir und die Tafeln in Deutschland uns sehr freuen, wenn andere Unternehmen, die ebenfalls von Messeabsagen betroffen sind, unserer Idee folgen würden.“

Die Warenversorgung und der Werkskundendienst werden bei Viessmann sowohl in Deutschland als auch in Österreich aufrechterhalten. Die Servicetechniker Störungsbehebungen und Inbetriebnahmen weiterhin durchführen, sich dabei aber an die notwendigen Hygiene- und Abstandsregeln halten. Kundenbesuche in Vertriebsangelegenheiten werden von Viessmann Österreich vorerst bis 27. März nicht durchgeführt. 

Derzeit halten sich die Auswirkungen der Corona-Krise damit noch in Grenzen, jedoch ist der Ausnahmezustand auch erst vor kurzem eingetreten und kann noch einige Zeit andauern. Siemens-Pressesprecher Gerald Kastner appelliert abschließend an die Politik: „Eine Situation wie die Vorliegende ist für uns alle Neuland. Wichtig ist, dass die Politik hier weiterhin mit Entschlossenheit, Weitblick und Besonnenheit agiert und Maßnahmen setzt, die den Wirtschaftskreislauf stärken und für die weitere Aufrechterhaltung der Lieferketten sorgen.“

Wie gehen Sie in Ihrem Unternehmen mit den Auswirkungen des Coronavirus um? Welche Folgen erwarten Sie für Ihren Betrieb? Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen auf Facebook mit! 

Verwandte tecfindr-Einträge