Kostenfalle Ökostrom

So entstehen negative Strompreise

Nachdem sich Deutschland am Neujahrsmorgen vollkommen durch Ökostrom versorgen konnte, mussten einige Strombieter tief in die Tasche greifen, um ihren Strom überhaupt loszuwerden. HLK klärt deshalb über die Vor- und Nachteile sowie die Gründe für die niedrigen Strompreise auf.

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Durch die hohe Flexibilität von Erneuerbaren Energien und fehlende Speichermöglichkeiten kommt es zu negativen Strompreisen.

Am 1. Jänner 2018 schaffte Deutschland es erstmals, sich nur mit Ökostrom zu versorgen. Dadurch fielen die Strompreise auf minus 76 Euro pro Megawattstunde, weshalb Stromanbieter sogar Geld draufzahlen mussten, um ihren Strom loszuwerden.

Überschüssiger Strom zu Billigpreisen

Der Strommarkt besteht aus einem sensiblen System aus Angebot und Nachfrage. Herrscht wenig Nachfrage, trotzdem aber ein hohes Stromangebot, fallen auch die Preise, was den Stromproduzenten zwei Möglichkeiten lässt: Entweder fahren sie ihr Kraftwerk runter und später wieder hoch, was mit hohen Kosten und viel Zeitaufwand verbunden ist, oder der Produzent zahlt für die Abnahme des Stroms. Sowohl Ökostromanlagen als auch konventionelle Kraftwerke produzieren deshalb meist weiter Strom, was zu einem unstabilen Stromnetz führt.

Vor allem durch den Ausbau erneuerbarer Energien und durch fehlende Speichermöglichkeiten kommt es zu einem Überschuss an Strom. Bei starkem Wind oder sehr sonnigen Tagen wird mehr Ökostrom produziert, was die Strompreise fallen lässt. Am 29. Oktober 2017 fiel der Strompreis in Deutschland auf minus 52 Euro pro Megawattstunde. Begünstigt wurde das vor allem durch den starken Wind. Im Jänner 2017 lag der Strompreis vergleichsweise noch bei 102 Euro pro Megawattstunde.

Signal für den Strommarkt

Da negative Strompreise ein sehr seltenes Phänomen sind, leiden Erzeuger nicht wirklich darunter. Negative Preise sollen ein Anreiz für die Erzeuger sein, in die Entwicklung flexibler Kraftwerke zu investieren und damit auf die instabilen Strommengen reagieren zu können.  Nicht nur auf der Erzeuger-, sondern auch auf der Konsumentenseite sollte in die Weiterentwicklung von Batterien und Speichermöglichkeiten investiert werden. Vor allem durch den Ausbau der Verbindungen zum ausländischen Markt könnte für mehr Versorgungssicherheit und stabilere Preise gesorgt werden.

Höhere Kosten für Endverbraucher

Wer denkt, dass immerhin der Verbraucher Gewinn aus den niedrigen Strompreisen macht, liegt falsch: Endkunden zahlen meist sogar noch drauf. Negative Strompreise haben eine erhebliche Belastung auf die EEG-Umlage, die von Stromverbrauchern finanziert wird. Die EEG-Umlage wird aus der Differenz der Netzbetreiberkosten und dem Gewinn aus dem an der Börse verkauften Strom gebildet. Wird der Strom billig verkauft, ist die Differenz also größer und Endverbraucher haben höhere Kosten.

Deshalb fordert der deutsche Think Tank Agora Energiewende ein Flexibilitätsgesetz für Kraftwerke. In Österreich sind die Folgen für den Verbraucher vom Stromanbieter abhängig.

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