Interview

Premiumheizen mit Holz

Bei Windhager steht der Installateur und Heizungsbauer im Mittelpunkt! Wie genau das zu verstehen ist, welche Unterstützung das Handwerk dabei im Besonderen erfährt, und welche Produkt-Highlights besonders punkten, darüber sprach die Si-Redaktion für Deutschland und die HLK-Redaktion für Österreich mit dem Eigentümer und Geschäftsführer der Windhager-Gruppe Gernot Windhager – sowie dem weiteren Geschäftsführer der Windhager-Gruppe: Manfred Faustmann.

Eigentümer Gernot Windhager leitet die Windhager-Gruppe gemeinsam mit Manfred Faustmann, der auch Geschäftsführer der Windhager-Vertriebsgesellschaften in Deutschland und Österreich ist (v. l.).

HLK: Ihr Unternehmen hat in seiner langen Geschichte einen großen Wandel durchlaufen. Wo sehen Sie die Meilensteine auf der Produktseite?

Windhager: Seit der Unternehmensgründung 1921 ist es uns immer wieder gelungen, eine Vorreiterrolle in der Branche einzunehmen. So war mein Großvater bereits Ende der 1920er-Jahre mit seinen ersten, selbst entwickelten, Holzherden sehr erfolgreich. Von da an ging es mit Windhager bergauf. Selbst die schwierigen Kriegsjahre hat Windhager gut überstanden. Schon 1939 begann das Geschäft so richtig zu florieren. Anton Windhager beschäftigte in diesem Jahr 17 Mitarbeiter, mit denen er 1.406 Geräte fertigte.

1955 hatte das Unternehmen bereits 77 Mitarbeiter. Ganz entgegen dem damaligen Zeitgeist der Branche hat Anton Windhager früh erkannt, dass eine erfolgreiche Marke auch Bekanntheit braucht. Anfang der 60er-Jahre wurden daher die ersten großen Werbeaktivitäten gesetzt. Damals war Werbung noch eher die Ausnahme als die Regel. Mit Fernseh- und Plakatkampagnen wurde die Marke Windhager schnell österreichweit bekannt.

In den 80er-Jahren eroberte Windhager mit einem Baukastensystem für Öl- und Festbrennstoffkessel sowie Warmwasserboilern die Marktführerschaft in Österreich. Die Besonderheit an dieser Heizlösung war, dass erstmals zwei Kessel sowohl rauchgasseitig als auch hydraulisch verbunden wurden. Dies war die Geburtsstunde der Windhager-Systemtechnik, die auch heute noch einzigartig effiziente und funktionssichere Heizungskombinationen ermöglicht.

Maßstäbe setzten wir auch Ende der 90er mit unserem ersten, selbst entwickelten, Pelletskessel, dem PMX. Seine innovative Technik sorgte für Bedienkomfort und Sicherheit. Revolutionär war vor allem die patentierte vollautomatische Saugzuführung, mit der die Pellets besonders flexibel und schonend vom Lager zum Kessel transportiert wurden. Diese Art der Pelletszuführung ist auch heute noch Stand der Technik.

Nach der Jahrtausendwende waren wir mit unserer Pelletsheizlösung so erfolgreich, dass die Produktionsstätten erweitert werden mussten. 2003 wurde am Firmensitz in Seekirchen eine der größten und modernsten Biomassekesselfertigungen Österreichs eröffnet.

Bestärkt durch den Erfolg des PMX und den wachsenden Trend zu erneuerbaren Energien haben wir uns seither bei Windhager wieder schwerpunktmäßig auf die Entwicklung und Herstellung von hochwertigen Biomasse-Heizlösungen konzentriert. Das ist unser Schwerpunkt. Das ist Windhager.

Wobei mir persönlich die Wortwahl „Heizen mit Holz“ als Überbegriff besser gefällt als die Bezeichnung „Biomasse“ – meine Meinung: „Heizen mit Holz“ ist einfach direkter, hat mehr Feuer und mehr Emotion.

HLK: Herr Faustmann, die neueste Entwicklung ist der PuroWIN, mit dem Windhager vor drei Jahren am Markt aufhorchen ließ und lässt. Was zeichnet dieses Produkt aus und welche Besonderheiten sind hervorzuheben?

Faustmann: Der PuroWIN ist ein eindrucksvoller Beweis für die vorhin angesprochene Vorreiterrolle der Marke Windhager. Begonnen hat es in diesem Fall mit einer klaren mittelfristigen Zielsetzung: nämlich Hackgut fast emissionsfrei zu verbrennen.

Das klang einfach, war aber nicht leicht. Gab es doch dafür noch kein bestehendes System, das geeignet war, durch Optimierung und Weiterentwicklung diesen Anspruch zu erfüllen. Es erforderte einen völlig neuen Lösungsansatz.

In der Folge hat Windhager gemeinsam mit den namhaftesten Forschungsexperten aus der Branche einen völlig neuartigen Brenner entwickelt, der auf dem Prinzip der Gegenstromvergasung basiert. Nach der Zündung des Hackguts entsteht im untersten Bereich des Brennraums ein Glutbett. Darüber verkohlt das Hackgut und bildet eine Art Aktivkohleschicht.

Die aus dem Glutbett aufsteigenden Holzgase werden von der Kohleschicht und dem darüber liegenden, frischen Hackgut gefiltert, bevor sie verbrannt werden.

Die Verbrennung erfolgt dadurch so sauber, dass der PuroWIN ohne den Einsatz eines Staubabscheiders kaum mehr messbare Staubwerte erreicht. Selbst die strengsten gesetzlichen Emissionsvorgaben werden dabei um mehr als das Zehnfache unterschritten. Damit ist es uns gelungen, das Hackgutheizen im wahrsten Sinne des Wortes zu revolutionieren.

Eine weitere Besonderheit des PuroWIN ist das patentierte Entaschungssystem.

Dazu verfügt der Kessel über zwei geschlossene Entaschungsplatten, die den klassischen Rost ersetzen.

Das Entaschungssystem ist unempfindlich gegenüber Fremdkörpern und hat den Vorteil, dass der Heizbetrieb beim Entaschungsvorgang nicht unterbrochen werden muss. Auch die Leistung muss nicht reduziert werden.

Der Hackguttransport erfolgt über einen asymmetrischen Sicherheitsschneckenkanal mit Seitenschubtechnologie. Das Transportsystem ist dadurch unempfindlich gegen größere Holzstücke oder Fremdkörper, äußerst robust und sehr leise.

Alle Antriebe laufen leichtgängig und sind daher ebenso verschleißarm, leise und vor allem stromsparend. Für den kompletten Brennstofftransport braucht der PuroWIN im Schnitt nur 120 Watt. Alle Kesselmodelle bis 103 kW benötigen zudem keinen Starkstromanschluss, sondern können mit 230 Volt betrieben werden.

Neben der Schneckenförderung lässt sich der Kessel auch mit einem flexiblen Hackgutsaugsystem verbinden. Dieses transportiert den Brennstoff selbst über kurvige Strecken mit bis zu 25 Metern Länge und bis zu sieben Metern Höhe.

Windhager wurde für den PuroWIN mit dem Energy-Globe, dem deutschen Bundespreis Ecodesign sowie dem PlusXAward und vielen weiteren Prämierungen ausgezeichnet.

HLK: Mit welchen Produkt-Highlights kann das Windhager- Angebot sonst noch aufwarten?

Faustmann: Mehr als 1 Milliarde Pellets-Betriebsstunden sowie das Know-how aus zwei Jahrzehnten und vier Pelletskessel-Generationen sind in unserem Pelletskessel BioWIN2 Touch gebündelt. Er ist der Klassiker im Pellets-Premium-Segment mit vollautomatischem Reinigungsmechanismus und einer effizienten und rückstandsarmen Pelletsverbrennung.

Der umweltfreundliche LowDust-Brenner arbeitet so wirksam und sauber, dass der Betreiber die Aschebox nur noch ein- bis zweimal jährlich leeren muss. Die hohe Zuverlässigkeit wirkt sich auch auf die Wartungsintervalle aus: So ist der BioWIN2 Touch der erste Pelletskessel, der nur mehr alle zwei Jahre bzw. nach 16 Tonnen Pelletsverbrauch gewartet werden muss. Heizungsbauer und Heizungsbetreiber gleichermaßen schätzen seine kompakte Bauweise: Inklusive aller Mindestabstände braucht er nur 1,5 Quadratmeter Platz.

Seit Herbst letzten Jahres bieten wir den BioWIN2 Touch auch als effizientes Brennwertgerät an. Der neue BioWIN2Plus nutzt auch die in den Abgasen enthaltene Energie und ist dadurch um bis zu 15 Prozent sparsamer als konventionelle Pellets-Heizwertkessel. Dieses Extraplus an Energie liefert ein kompakter, kondensatbeständiger Wärmetauscher aus hochwertigem Edelstahl, der an die Rückseite des BioWIN2 Touch angedockt wurde. Die Reinigung der Nachheizflächen erfolgt über eine intelligente Spülfunktion, die aus zwei voneinander unabhängigen Spülkreisläufen besteht. Diese werden laufend überwacht und sind nur dann aktiv, wenn es die Betriebsweise des Kessels erfordert. Gemeinsam mit dem integrierten Mengensensor wird eine besonders wassersparende und zuverlässige Reinigung sichergestellt.

Ein spannendes Thema ist auch die wachsende Anzahl jener Heizungsbauer, die die zentrale Wärmequelle für das ganze Haus immer öfter im Wohnraum als im Keller installieren. Viele Heizungsbauer sehen hier eine gute Möglichkeit, sich vom regionalen Handwerk abzuheben. Hier kommt dann unser FireWIN, der vollautomatische Pelletsheizkessel mit Sichtfenster für den Wohnraum zum Einsatz. Unlängst hat ein Heizungsbauer aus NRW den FireWIN für seinen Schauraum als optisch sehr ansprechende varianten-flexible Einbaulösung umgesetzt. Die Wärme wird dann wie in der Jahrtausende bewährten Tradition wieder dort produziert wo sie gebraucht wird – mitten unter den Menschen. Und man kann behaglich dem Feuer zusehen, wie das ganze Haus mit Wärme und warmem Wasser versorgt wird.

Stückholz mit Komfort zu kombinieren ist ein weiteres Markenzeichen der Windhager Gruppe. Als besonders komfortable Scheitholzlösung für den Keller ist der Holzvergaser Log-WIN Premium Touch konzipiert. Der Kessel verfügt über einen hochwertigen, besonders robusten Füllraum aus Edelstahl. Dieser bietet einen dauerhaften Schutz gegen die bei der Vergasung von Holz entstehenden Säuren und zählt zu den größten seiner Klasse. Seine effiziente Verbrennungstechnik mit patentierter Brennkammer ermöglicht ein besonders sparsames und sauberes Heizen mit Holz. Besonders praktisch ist der Speicher-Ladeassistent. Die balkenförmige LEDAnzeige am Kessel signalisiert dem Betreiber schon von der Ferne, ob ausreichend Wärme im Puffer vorhanden ist oder ob nachgeheizt werden muss.

Abgerundet wird unser Holz- und Pellets-Sortiment mit dem Kombigerät DuoWIN, der Holzvergaser und vollautomatischer Pelletskessel in einem ist. Durch seine intelligente Hybridtechnologie ist er bis zu 25 Prozent effizienter im Pelletsbetrieb als andere Kombigeräte.

Sie sehen also, der Schwerpunkt unseres Produkt-Sortiments liegt eindeutig beim „Heizen mit Holz und den erneuerbaren Energien“. Als Sortimentsabrundung passen hier auch noch eine Brauchwasserwärmepumpe oder künftig eine Pellets-Wärmepumpen-Hybrid-Lösung dazu.

HLK: Vor zwei Jahren startete Windhager mit seinen Doppelpass-Expertenrunden. Welche Idee steckt dahinter und was wird dem Heizungsbauer dabei speziell geboten?

Faustmann: Insgesamt 142 Firmen aus Deutschland, Österreich, Südtirol und Italien haben bisher daran teilgenommen; acht Expertenrunden gab es schon, immer bis auf den letzten Platz ausverkauft – und das, obwohl die Investition für die Teilnahme pro Firma bei 450 Euro liegt. Dieser Erfolg auf der ganzen Linie hat uns echt überrascht. Vielleicht hängt es ja mit der kompromisslosen Ausrichtung des Veranstaltungsformats zusammen: Produkt-, hersteller- und markenneutrale Methoden und Erfolgs-Rezepte für HSK-Unternehmer werden von Branchen-Kollegen untereinander ganz offen wie bei einem „Buffet“ präsentiert und jeder nimmt sich davon genau das, was ihm schmeckt.

Dabei geht es z. B. um die folgenden Fragen: Wie sorge ich aus eigener Kraft für die Kunden und Aufträge, die ich für mein tägliches Geschäft brauche? Wie gelingt es mir, dauerhaft eine 90-prozentige Trefferquote vom Angebot zum Auftrag zu realisieren?

Wie schaffe ich es, eine Biomasseanlage im Wert von 60.000 Euro ohne Rabatt zu verkaufen? Wie komme ich zu neuen, qualifizierten Mitarbeitern? Wie verschaffe ich mir mehr Zeit und Lebensqualität? Und vieles mehr.

Der Bezug zum Fußball ist dabei Programm: Hängt doch der Erfolg in einem Gebiet maßgeblich davon ab, welche Spieler (= Heizungsbauer) am Feld stehen und wie die Verwertung der Chancen zum Tor (= Auftrag) gelingt. Für Fußball und die Heizungsbranche gilt gleichermaßen: Erfolgreich ist man nur im Team.

Die nächste Expertenrunde ist übrigens für Donnerstag den 19. September 2019 in Passau geplant – Anmeldungen werden bereits unter expertenrunde@windhager.com entgegengenommen.

HLK: Herr Windhager, wo geht die Reise in der Zukunft hin?

Windhager: Ich denke, die Autoindustrie zeigt es vor. In absehbarer Zeit wird fossiles Öl als Energieträger und Basis für den Treibstoff dort nicht mehr zeitgemäß sein. Dieses Konsumverhalten wird dann auch sehr rasch auf die Heizungsbranche abfärben. Gleichzeitig wird der Wunsch nach echter und ehrlicher Behaglichkeit in den eigenen vier Wänden weiter zunehmen.

Genau in dieser Behaglichkeits-Disziplin ist Holz seit Jahrtausenden unerreicht. Deswegen bin ich für Windhager und das Segment „Heizen mit Holz und erneuerbaren Energieträgern“ für die Raumwärme mehr als optimistisch.

Wenn Sie nach den langfristigen Zielen und Strategien der Windhager-Gruppe fragen, so kann ich Ihnen hier drei Schwerpunkte nennen:

1. Wir wollen die saubersten Holzheizungen anbieten, die möglichst ohne nachgeschalteten Filter erstklassige Verbrennungsergebnisse liefern. Unser Hackgutvergaser PuroWIN ist bereits ein eindrucksvoller Vertreter für diesen Anspruch.

2. Wir wollen die robustesten und langlebigsten Heizsysteme anbieten: Der Pelletskessel BioWIN2 Touch, mit seiner seit 1 Milliarden Betriebsstunden bewährten Technologie (inkl. der Vorgängermodelle) ist ein starker Beweis für diesen Anspruch. 3. Wir wollen die führende Marke in puncto Einbau- und Bedienerfreundlichkeit sein, denn das sorgt für langfristige Kundenzufriedenheit und freut die Heizungsbauer und die Heizungsbetreiber gleichermaßen.

Wir fördern den Heizungsbauer als eigenständigen und unabhängigen Spezialisten und unterstützen ihn dabei, sein Geschäft unabhängig von Markt- und Rahmenbedingungen erfolgreich zu entwickeln. Wir sehen uns dabei nicht nur als Partner, sondern auch als Erfolgscoach für den Fachpartner.

Er nimmt sich neben den Windhager-Produkten aus unserem Unterstützungsangebot wie von einem Buffet das, was er für seine persönliche erfolgreiche Geschäftsentwicklung am besten brauchen kann. Damit bekennen wir uns gleichzeitig auch ganz eindeutig zum zweistufigen Vertrieb und zum Heizungsbauer als eigenständige Marke in der Region!