Fernwärme

Preisstabil und umweltfreundlich

Mit dem Ausbau von Fernwärme und Fernkälte kann Österreich seine Umwelt- und Klimaziele einfach und günstig erreichen. Aber nur, wenn der Ausbau der Fernwärmenetze stärker unterstützt und der dafür vorgesehene Rahmen von 60 Millionen Euro auch voll ausschöpft wird.

Unternehmen Heizungstechnik

Für den Ausbau von Fernwärme und Fernkälte sieht das Wärme- und Kälteleitungsausbaugesetz seit dem Jahr 2009 jährlich Investitionszuschüsse von bis zu 60 Millionen Euro vor. Kumuliert wären das bereits 240 Millionen Euro für den weiteren Ausbau der sauberen Wärme. „Das sind Mittel, die wirklich wichtig wären“, sagt der stellvertretende Obmann des Fachverbandes Gas Wärme, Gerhard Fida, Direktor der Fernwärme Wien GmbH.

Bis dato wurden seit 2009 erst rund 55 Millionen Euro effektiv bewilligt, zu einer Auszahlung ist es bis heute nicht gekommen. Dabei könnte Österreich mit der Förderung des Fernwärme- und Fernkälteausbaus gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Erstens könnten künftig nationale Vorgaben in Bezug auf die europäischen Klimaziele leichter eingehalten und so die Umwelt geschützt werden. Gerade durch das Erfüllen der Klimaziele könnten Strafzahlungen vermieden werden. „Trotz allgemeinen Sparvorgaben ist es also nicht sinnvoll, gerade bei der Energieeffizienz und damit bei der Fernwärmeförderung zu sparen“, sagt der Bereichssprecher Wärme im Fachverband Gas Wärme, Wolfgang Dopf, Vorstandsdirektor der Linz AG.

Eine Win-win-Situation: Fernwärme ist günstig und umweltfreundlich

Das Forcieren von Fernwärme hat nicht nur für die öffentliche Hand positive Effekte. „Auch private Haushalte profitieren von den konstant günstigen Preisen, der besseren Energieeffizienz, weniger CO2 und weniger Feinstaub“, sagt Fida: „Daher ist der Ausbau der Fernwärmenetze zu Recht eines der vorrangigen Ziele des EU-Energieeffizienzplans.“

Heizen mit Fernwärme ist nicht nur bequem, energieeffizient und zuverlässig, sondern auch in höchstem Maß umweltverträglich: zwischen 70 und 75 Prozent der Fernwärme in Österreich stammen aus Kraftwerken mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Die Nutzung der Abwärme aus den Stromerzeugungsanlagen lässt diese Anlagen einen Wirkungsgrad von bis zu 90 Prozent erreichen. „Das ist hinsichtlich der Energieeffizienz in der Fernwärmeaufbringung Weltklasse“, so Dopf.

Der für die Fernwärmeerzeugung erforderliche zusätzliche Rohstoffeinsatz von Brennstoffen wie Erdgas oder Biomasse kann so deutlich gesenkt werden. Durch diesen geringeren Verbrauch kommt es zu einer Verringerung des durch Raumwärme verursachten CO2-Ausstoßes. Alleine in Wien werden durch die Versorgung mit Fernwärme jedes Jahr rund zwei Millionen Tonnen Kohlendioxid vermieden. Österreichweit beträgt die Reduktion rund drei Millionen Tonnen CO2.

Wolfgang Dopf, Vorstandsdirektor der Linz AG und Bereichssprecher Wärme im Fachverband Gas Wärme (li) und Gerhard Fida, Direktor Fernwärme Wien GmbH und Stellvertretender Obmann des Fachverbandes Gas Wärme (re) Bild: FGW/Papp.

In den modernen KWK-Anlagen werden Luftfilter der jüngsten Generation eingesetzt. Dadurch gelangt kaum noch Feinstaub in die Umwelt. Fernwärme ist mit dafür verantwortlich, dass die Luftqualität insbesondere in den Städten spürbar steigt. Viele kleine Heizungen werden durch zentrale, hocheffiziente und saubere Anlagen ersetzt. Darüber hinaus leistet Fernwärme einen Beitrag gegen die globale Erwärmung.

Fernwärme schafft Flexibilität und somit den erneuerbaren Energieträgern umfassende Einsatzmöglichkeiten

Wurde früher zur Fernwärmeaufbringung vor allem Kohle und Heizöl Schwer eingesetzt, kommen heute Abwärme aus der Stromerzeugung (meist auf Basis Erdgas), Abwärme aus der thermischen Verwertung von Müll und Reststoff, industrielle Abwärme sowie Biomasse zum Einsatz.

Ein wassergeführtes Heizsystem – quasi die Zentralheizung einer Stadt – ermöglicht den Einsatz unterschiedlichster Energieträger in der Erzeugung.

So kann beispielsweise schon heute Wärme aus Biomasse effizient und sauber zu vielen Wohnungen transportiert werden, ohne dass die Bewohner sich um Brennstoffmanipulation und Holzlagerung kümmern müssen.

Immer mehr Österreicher bauen auf Fernwärme

758.000 Wohnungen oder 21 Prozent der Haushalte in Österreich werden derzeit mit Nah- und Fernwärme beheizt. Die beste Netzanbindung besteht in den Ballungsräumen wie Linz, Wien, Graz oder Salzburg. Daneben gibt es in ganz Österreich zahlreiche Ortsfernwärmenetze.

Die gesamte Netzlänge beträgt in Österreich derzeit insgesamt 4.140 Kilometer. Das entspricht der Distanz von Wien nach Madrid und retour. Derzeit werden jährlich rund 75 Kilometer zugebaut. „Das Potenzial ist aber weitaus größer: Der Fernwärmeverkauf hatte in den vergangenen Jahren Wachstumsraten von bis zu elf Prozent. Seit 1990 hat sich die Nachfrage verdreifacht“, sagt Dopf.

Fernwärme: Die preisstabilste Heizform

Während große Preisschwankungen auf dem Brennstoffmarkt auf der Tagesordnung stehen, bleibt Fernwärme weiterhin günstig und preisstabil. Der im Durchschnitt des Jahres 2011 zu zahlende Fernwärmepreis lag nur 1,1 Prozent über jenem des Vorjahres und damit deutlich unter der Inflationsrate von 3,3 Prozent. Bei anderen Heizformen wie etwa Heizöl hat die jährliche Teuerung zuletzt bis zu 21 Prozent betragen.

„Eine konsequente Nutzung all dieser Vorteile setzt allerdings den weiteren Ausbau der Fernwärme voraus“, unterstreicht Fida: „Das ist gut investiertes Geld. Denn insbesondere die sinnvolle und wirtschaftliche Nutzung von Abwärme hat enormes Potenzial.“

Über den Fachverband der Gas- und Wärmeversorgungsunternehmungen

Der Fachverband der Gas- und Wärmeversorgungsunternehmungen (FGW) ist die unabhängige gesetzliche Interessenvertretung der österreichischen Gas- und Wärmewirtschaft. Als diese nimmt der FGW bei den Themen Globalisierung, Marktliberalisierung und Versorgung eine wichtige Stellung ein. Darüber hinaus kommt den im FGW vertretenen Branchen in Umweltschutz- und Klimafragen besondere Bedeutung zu. Mit der Bereitstellung der umweltfreundlichen Energieformen Erdgas, Biogas, Fernwärme und Fernkälte sind die FGW-Mitgliedsunternehmen dazu prädestiniert, eine Schlüsselposition bei der Bewältigung anstehender Probleme auf diesem Gebiet einzunehmen.