Energiewende

OMV-Chef: Keine Energiewende ohne Erdgas

Geht es nach OMV-Chef Rainer Seele, sollen die Treibhausgase vor allem durch die Verwendung von Erdgas reduziert werden. Wie ein Konzern versucht, nicht abgeschafft zu werden.

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Rainer Seele, Vorstandsvorsitzender und Generaldirektor beim Öl- und Gaskonzern OMV, glaubt an eine Energiewende nur, wenn dabei auf Erdgas zurückgegriffen wird.  

Auch der Öl- und Gaskonzern OMV kommt am Thema Klimawandel nicht vorbei – allerdings denkt man nicht daran, sich selbst abzuschaffen, wie von manchen Umweltschützern gefordert wird, sondern setzt vor allem auf Erdgas, um zur Reduktion der Treibhausgase beizutragen. "Erdgas wird in der Energiewende unbedingt notwendig sein und eine Rolle spielen", sagte OMV-Chef Rainer Seele am Donnerstag.

Erdgas soll CO2-Emissionen reduzieren

"Der verstärkte Einsatz von Erdgas in der Mobilität und in der Stromerzeugung würde die CO2-Emissionen sofort deutlich senken", sagte Seele bei der Präsentation der Ergebniszahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr. So könnten Schwankungen bei der Ökostromerzeugung durch Gaskraftwerke ausgeglichen werden.

Mit der Porsche-Holding habe man außerdem eine Kooperation bei Gasautos vereinbart: "Gemeinsam mit Porsche wollen wir CNG (komprimiertes Erdgas) in der Mobilität verstärkt unterstützen, indem der VW-Konzern eine breitere Palette an Erdgasautos und die OMV ein Zug um Zug verbessertes sowie bedarfsgerecht erweitertes Tankstellennetz anbietet." Darum will die OMV künftig den Anteil von Erdgas an ihrer Gesamtproduktion weiter steigern, von derzeit 57 Prozent auf "deutlich über 60 Prozent" bis zum Jahr 2025, sagte Upstream-Vorstand Johann Pleininger.

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Voraussetzung dafür ist, dass Ende 2024 das Erdgasprojekt Neptun im Schwarzen Meer in Betrieb geht und 2021 das Projekt Achimov IV/V in Westsibirien, dessen Produktion zu 70 Prozent aus Erdgas besteht. Bei Achimov erwarte man, dass der Deal bis Mitte des ersten Halbjahres unterzeichnet werde, das Closing soll bis Ende dieses Jahres erfolgen. 

Offene Fragen bei rumänischen Projekten

Beim rumänischen Projekt Neptun spielt es sich derzeit unter anderem an der Politik: "Wir hatten gehofft, dass bis Ende Februar das Offshore-Gesetz vom Parlament abgesegnet wird", so Pleininger, doch da gebe es nach dem gestrigen Rücktritt der rumänischen Regierung ein großes Fragezeichen.

Auch dürfte der OMV beim Neptun-Projekt der Partner Exxon abhandenkommen, der seinen 50-Prozent-Anteil wieder loswerden will. Bisher gebe es aber noch nicht einmal einen offiziellen Verkaufsprozess und daher auch keine Verhandlungen mit Exxon. "Wir haben sich kein Interesse an den vollen 50 Prozent, die die Exxon Mobil jetzt zur Verfügung stellt."

Auch in Neuseeland, wo die OMV unter Beschuss von Umweltschützern geraten ist, geht es um das Thema Erdgas. Ihr dortiges Ölfeld Maari hat die OMV verkauft und produziert jetzt in Neuseeland nur noch Gas. "Das ist eine rein wirtschaftliche und strategische Entscheidung und keine Reaktion auf irgendwelche Proteste von Greenpeace, die nach unserer Auffassung vollkommen unberechtigt sind", betonte Seele. Neuseeland decke seinen Primärenergiebedarf derzeit zu 44 Prozent mit Erdöl und habe keine Infrastruktur für LNG-Importe. "Wenn Neuseeland seinen CO2-Footprint verringern möchte, brauchen sie Gas", erklärte Pleininger.

Eine weitere Gas-Front stellt das Pipeline-Projekt Nord Stream 2 in der Ostsee dar, an deren Finanzierung die OMV beteiligt ist. Das Projekt ist durch angedrohte US-Sanktionen zum Stillstand gekommen und es ist derzeit völlig offen, wann es fertiggestellt werden könnte. Mit ihrer Drohung, auch Gas-Abnehmer zu sanktionieren und nicht nur die Pipeline-Bauer, "würde Amerika die Versorgungssicherheit in Europa riskieren", warnte Seele. Die europäische Politik sei nicht in der Lage, ihre Wirtschaft gegen unilaterale Sanktionen der USA zu schützen. (APA/Red)