ÖVGW

Österreichs Gaswirtschaft wird zunehmend grün

2050 sollen in Österreich jedes Jahr rund zwei Milliarden Kubikmeter grünes Gas zur Raumwärmegewinnung bereitstehen – 800mal so viel wie heute. Alle Gas- und Fernwärmekunden sollen mit erneuerbarer Wärme versorgt werden.

Unternehmen Heizungstechnik

„Die Gaswirtschaft steht am Beginn tiefgreifender Umwälzungen. Durch das Einsetzen von grünem Gas wird die Gasversorgung künftig zunehmend erneuerbar“, sagt Dipl.-Ing. (FH) Manfred Pachernegg, Präsident der Österreichischen Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW) und Geschäftsführer der Energienetze Steiermark.

Aktuell speisen gut ein Dutzend Biomethananlagen in Österreich rund 25 Millionen Kubikmeter erneuerbares Gas in das Gasnetz ein. Wenn es nach den Plänen der Gaswirtschaft geht, sollen 2050 jedes Jahr etwa zwei Milliarden Kubikmeter grünes Gas in das Gasnetz eingespeist werden – das ist 800mal so viel wie heute. Pachernegg: „Das Potential ist da, wir müssen nur die richtigen Weichen stellen.“ In etwa 30 Jahren sollen im Raumwärmebereich alle Gas- und Fernwärmekunden in Österreich mit erneuerbarem Gas versorgt werden. Laut einer Studie der Johannes Kepler Universität Linz werden das bundesweit mehr als zwei Millionen Haushalte sein.

Grünes Gas wird aus Reststoffen gewonnen

Grünes Gas soll zu drei Vierteln aus Reststoffen wie etwa aus der Tier- und Pflanzenproduktion sowie aus Klärschlamm kommen, der Rest aus überschüssigem Sonnen- und Windstrom (Power-to-Gas). Im Gasbereich können mit einem Schlag durch die Umstellung alter Gas- oder Ölheizgeräte auf moderne Gas-Brennwertgeräte bis zu 30 % Energie, und damit CO2, eingespart werden.

Damit könne die vorhandene, gut ausgebaute Gasinfrastruktur in Österreich mit grünem Gas weiter genutzt werden und der kostspielige komplette Umbau des Energiesystems könne vermieden werden. Weiters hätten Wärmekunden den Vorteil, dass die günstigsten Heizformen mit Gas und Fernwärme, weiterhin am Markt bestehen blieben.

ÖVGW: „Jetzt richtige Weichen stellen“

Damit die Gaswirtschaft 4.0 Realität werden könne, müssten jetzt die richtigen Weichen gestellt werden. Laut Pachernegg brauche es entsprechende Anreize. Er fordert:

- Die Gleichbehandlung von Gas mit anderen Erneuerbaren: Die Diskriminierung von Gas gegenüber anderen „erneuerbaren“ Heizsystemen, wie sie derzeit etwa durch Wohnbauförderungen, Bauordnungen und OIB-Richtlinien vorangetrieben wird, müsse beendet werden, wenn die Politik die Energiewende ernst nehme. Erneuerbares, grünes Gas muss mit anderen erneuerbaren Energieträgern gleichgestellt werden.

- Die Abschaffung der Erdgasabgabe auf grünes Gas im Gasnetz: Biogas wird grundsätzlich nicht durch die Erdgasabgabe besteuert. Sobald es jedoch ins Gasnetz eingespeist und mit Erdgas gemischt wird, unterliegt es derzeit zur Gänze der Erdgasabgabe, was sachlich nicht gerechtfertigt ist. Pachernegg fordert daher, dass ins Gasnetz eingespeistes Biogas – als erneuerbarer Energieträger – künftig nicht mehr mit der Erdgasabgabe belastet wird.

- Die Anerkennung der Anschlussleitungen durch den Regulator: Anschlussleitungen sollen künftig regulatorisch – unter noch zu definierenden Rahmenbedingungen – anerkannt werden.

- Investitionsförderungen: Für das Errichten neuer Anlagen zur Erzeugung von grünem Gas müsse es „Investitionsförderungen“ geben.