Raumheizgeräte

Ölkessel-Verbot zeigt frühzeitige Wirkung

Ab 2020 sollen Ölheizungen in Neubauten der Vergangenheit angehören. Bereits jetzt entscheiden sich viele Kunden aber für ein nachhaltiges Heizsystem. Die Verkaufszahlen des heimischen Marktes zeigen welche Geräte besonders beliebt sind.

Ölheizkessel sind in Neubauten zukünftig nicht mehr erlaubt.

Laut Vereinigung Österreichischer Kessellieferanten VÖK konnte der österreichische Kesselmarkt wieder wachsen. Wie Helmut Weinwurm und Elisabeth Berger auf der Energiesparmesse 2019 berichteten, konnte der Markt für Raumheizgeräte im Jahr 2018 in Österreich mit einem Plus von zwei Prozent leicht zulegen – und dies trotz des schwierigen Marktumfeldes, da der freie Wettbewerb zunehmend eingeschränkt wird.

Gasgeräte

50.500 Gasgeräte wurden 2018 installiert – ein deutliche Plus gegenüber dem Vorjahr von vier Prozent. Sowohl bei Wand- als auch bei Standgeräten wurden mehr Geräte verkauft, wobei der Anteil an Heizwertgeräten überraschender Weise mit rund 30 Prozent unverändert hoch ist.

Heizöl

Bei Heizöl-Geräten verzeichneten die Hersteller ein deutliches Minus von fünf Prozent auf 5.050 Stück, wobei hier fast ausschließlich Brennwertgeräte verkauft wurden. Die politischen Statements zum Verbot im Neubau scheinen jedoch auch Wirkung am Sanierungsmarkt zu zeigen und diesen zu hemmen.

Holzkessel

Der Heimmarkt könnte für die Hersteller von Holzkesseln besser laufen: Hier hätte man aufgrund der interessanten Förderungen anstatt der minus sechs Prozent eigentlich ein deutliches Plus erwarten können. Dabei konnten sich die Pelletskessel mit einem Plus von einem Prozent auf deutlich über 4.300 Stück leicht verbessern. Alle anderen Holzkessel rutschten deutlich ins Minus.

Solarwärme

Das Segment der thermischen Solaranlagen musste schon wieder ein Minus einstecken – 2018 wurden 15 Prozent weniger Solarwärme-Anlagen verkauft. Auch in den Jahren zuvor kam es zu ähnlich markanten Minuswerten. In Summe wird das vor allem auf den verstärkten Trend zu Photovoltaik-Anlagen zurückgeführt.

Wärmepumpen

Der Zuwachs-Gewinner 2018 ist einmal mehr die Wärmepumpe – im Vorjahr wurden erstmals mehr als 25.000 Wärmepumpen in Österreich installiert. Das ist ein Plus von 7,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie Richard Freimüller und Siegfried Kopatsch von Wärmepumpe Austria auf der Energiesparmesse 2019 berichteten.

Vom Gesamtabsatz der 25.850 Wärmepumpen entfielen 20.250 auf Heizungswärmepumpen und 5.600 auf Brauchwasser-Wärmepumpen. Der Trend zu Luft-/Wasser Wärmepumpen hält mit 14.862 Stück unvermindert an, aber auch Sole-Wärmepumpen konnten mit 4.002 Stück leicht zulegen. Rückläufig waren die Anteile der Systeme Wasser/Wasser und Direktverdampfung.

VÖK-Kritik am Marktumfeld

Die Verkaufszahlen der VÖK für 2018 sind zwar leicht positiv, bezieht man aber die rege Bautätigkeit mit ein, ist der Gesamtabsatz für Heizungskessel stagnierend bis rückläufig. Die VÖK führt das unter anderem auf den Ausbau der Wärmenetze zurück, die mit kräftiger politischer Unterstützung bereits 30 Prozent des Marktes beherrschen – ohne jeglichen Wettbewerb und mit überschaubarer Transparenz. Die Kessellieferanten kritisieren aber auch noch folgende Punkte:

  • Der regelmäßige Schlagabtausch zwischen Befürwortern erneuerbarer Energie und fossiler Energie ist eine völlige Themenverfehlung: Erst muss der Energieverbrauch deutlich reduziert werden, nur dann kann dieser mit erneuerbarer Energie gedeckt werden
  • Das Bashing einzelner Energieträger führt zu einer Verunsicherung bei den Konsumenten, die Modernisierungen dann mitunter gleich sein lassen
  • Eines der wesentlichen Grundbedürfnisse insbesondere im Winter ist nicht Auto zu fahren, sondern ein warmes Zuhause!
  • Welche Heizsysteme und Energieträger zum Einsatz kommen, sollte ausschließlich in der Entscheidungskompetenz der Planer und Bewohner liegen
  • Unkoordiniert wurden und werden Strom-, Gas- und Fernwärme-Netze auf der gleichen Strecke ausgebaut – all das zahlt direkt und indirekt der Endkunde, der dadurch zusätzlich belastet wird.
  • Dirigistische Vorgaben der Politik und Verwaltung sind mehr als entbehrlich, solange die Kriterien Effizienz und Erneuerbar erfüllt sind.

Die EU setzt klar auf dezentrale Energie- und Wärmeerzeugung. „Die VÖK-Mitglieder können genau für diese dezentrale Strategie vielfältige Technologien anbieten: Hocheffiziente Raumheizgeräte gibt es für alle Energieträger – feste, flüssige, gasförmige und elektrische. Wir wünschen uns, dass diese auch bald zum Einsatz kommen und gegen alte Energieschleudern getauscht werden“, so die Vereinigung.

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