Energieversorgung

Neuer Stromanbieter will 200.000 österreichische Kunden akquirieren

Der Stromversorger Spotty bietet seit letztem Jahr börsenabhängige Energietarife in Österreich an. Das Ziel von Spotty sind 200.000 Neukunden.

Energie Strom Scotty Strompreis

Vor allem während der Coronakrise rutscht der Strompreis bei Scotty unter Null. Damit will das Unternehmen nun Kunden anlocken.

Der Stromanbieter Spotty, der seit vorigem Jahr in Österreich börsenabhängige Energietarife anbietet, möchte hierzulande innerhalb von drei bis fünf Jahren 200.000 Kunden gewinnen. Das sagte Spotty-Geschäftsführer Harri Mikk im Gespräch mit der APA.

Mehrere Tarife, die der aus Estland stammende Anbieter in Österreich offeriert, orientieren sich an den kurzfristigen Notierungen an Strompreisbörsen, konkret an Forwards für den kommenden Tag. Die erste Variante sei ein reiner Börsenpreis, die zweite ein Börsenpreis mit einer Preisabsicherung nach oben durch Zahlung einer einmaligen Versicherungsprämie. Beim reinen Börsenpreis erfolgen die Preisänderungen jede Stunde - für den nächsten Tag werden sie jeweils ab 14 Uhr bekanntgegeben. Basis ist der Day-Ahead-Peis an der Strombörse EPEX Spot.

Negativpreise möglich

"Die Kunden wissen, dass sie bei uns die Börsenpreise weitergegeben erhalten und darauf nur noch 0,4 Cent pro Kilowattstunde Aufschlag zahlen müssen", sagt Mikk - zum Beispiel vier Cent pro kWh plus 0,4 Cent. In den letzten zehn Jahren hätten sich die Preise an den Strombörsen im Schnitt bei drei bis fünf Cent pro kWh bewegt. Derzeit, durch die wegen der Corona-Krise atypisch niedrige Stromnachfrage, gebe es immer wieder auch negative Notierungen, etwa wenn es zur gleichen Zeit ein hohes Angebot an Erneuerbarem Strom gebe. Auch beim "Spotty Direkt" mit stündlich unterschiedlichen Preisen seien daher wie beim "Spotty Smart" Preise kleiner als Null möglich, "Sie werden dann für den Verbrauch bezahlt".

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Eine weitere Tarifvariante, die man aber nicht forciere, sei ein normaler, auf zwölf Monate garantierter Preis: Der "Spotty Fix" stelle einen nicht börsenabhängigen Fixpreis dar, den man eher illustrativ zusätzlich anbiete. Dieser scheine bisher auch als einziger beim Tarifkalkulator der Energieregulierungsbehörde E-Control auf, wo bisher noch keine börsenabhängigen Angebot mitverglichen werden. Hoffentlich ab dem vierten Quartal 2020 oder dem ersten Quartal 2021 seien auch die Börsentarife bei der E-Control drauf, hofft Mikk.

Informationen beziehen können die Kunde über eine App via Smartphone oder PC bzw. Laptop - hier haben sie Zugang zu den Rechnungen, dem Vertrag sowie zu Preisen bzw. Preisanalysen. Bestellt werden können Benachrichtigungen, wenn der Börsenpreis eine bestimmte Schwelle überschreitet. "Ich habe die Höhe bei mir auf Null gestellt, damit bekomme ich praktisch alle Preisinfos über Mail und App", so Mikk.

Kunden sollen sich nach Strompreis richten

"Ziel ist ja, dass die Kundennachfrage nach Strom preissensibel wird" - dass also etwa ein E-Auto schon am Nachmittag aufgeladen wird, solange Elektrizität durch das Solarstrom-Aufkommen recht günstig ist. Auch andere Geräte wie Wärmepumpen lassen sich je nach Strompreishöhe automatisch steuern.

Der volle Nutzen erzielen lässt sich bei den börsenorientierten Stromtarifen freilich nur in Kombination mit intelligenten Stromzählern, den Smart Metern. Für Stromkunden ohne ein solches Gerät macht eine Verbrauchsverlagerung keinen Sinn, betont Mikk, da bei ihnen mangels aktueller Lastprofile die Abrechnung nach einem langfristigen Durchschnittsprofil erfolgt. "Ein Smart Meter ist also schon einen Voraussetzung, um wirklich einen Preisvorteil zu haben."

Kunden, die einen solchen modernen Stromzähler haben wollen, bei denen das Rollout aber noch nicht erfolgt ist, sollten sich an ihre Netzbetreiber wenden, rät Mikk, denn die seien immer wieder sehr kooperativ, was ein Vorziehen einer Installation betrifft. Im Vergleich zu Deutschland sei Österreich mit dem Rollout "weit voraus". Dass Deutschland mit dem Ausrollen nicht vorankomme, sei auch der wesentliche Grund, warum Spotty bis jetzt noch nicht im Nachbarland aktiv sei. (apa/red)

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